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E-Zigarette bedrängt Tabakbauern – auch im Kanton Luzern

Nur noch 14 Bauern setzen im Kanton Luzern auf den Anbau von Tabak. Bei ihnen herrscht nun Hochbetrieb. Doch die Spezialkultur ist in Gefahr.
Roseline Troxler
Die Ernte vom Vormittag wird nachmittags zum Trocknen eingefädelt und aufgehängt. (Bilder: Pius Amrein, Sigigen, 30. Juli 2019)

Die Ernte vom Vormittag wird nachmittags zum Trocknen eingefädelt und aufgehängt. (Bilder: Pius Amrein, Sigigen, 30. Juli 2019)

Als Besucher könnte man sich in den Tropen wähnen – doch das emsige Treiben findet in einer Scheune in Sigigen unweit von Ruswil statt. Beat Brun (50) verarbeitet mit seiner Frau, dem Sohn und zwei Helfern die Tabakernte vom Vormittag. Das bedeutet: Tausende Blätter der tropischen Pflanze müssen mithilfe einer Maschine an eine Schnur eingefädelt werden. Danach werden sie Girlanden ähnlich zum Trocknen in die Höhe gezogen. Was früher von Hand gemacht wurde, geht nun maschinell. Ansonsten hat sich bei der Ernte wenig verändert.

Beat Brun baut auf knapp einer Hektare Tabak der Sorte Burley an. Auf dem Feld stehen rund 25'000 Pflanzen. Dies ergibt eine Ernte von 2 bis 2,5 Tonnen pro Jahr. Brun sagt:

«Mein Vater war in Ruswil Pionier im Anbauen dieser Spezialkultur.»

Vor vier Jahrzehnten habe der Vater begonnen. Noch vor 25 Jahren habe es in der Gemeinde rund zehn Tabakbauern gegeben. «Nun bin ich der einzige.» Die Fläche und die Zahl der Pflanzer haben sich schweizweit reduziert – seit 2001 von 653 auf 420 Hektaren und von 357 auf 153 Pflanzer.

Wetterbedingungen sind bei der Ernte entscheidend

Der Anbau ist arbeitsintensiv und konzentriert sich auf die Sommermonate, in welchen auch andere Arbeiten anfallen. Beat Bruns Betrieb umfasst 16 Hektaren. Hauptstandbein ist die Milchwirtschaft.

Beat Brun bei der Tabakernte. Diese findet in mehreren Durchgängen statt.

Beat Brun bei der Tabakernte. Diese findet in mehreren Durchgängen statt.

Die Tabakernte findet in mehreren Durchgängen statt. Mitte Juli werden die ersten Blätter abgenommen, Mitte August die letzten. «Für eine gute Qualität ist trockene Witterung entscheidend.» Für die Ernte, die jeweils am Vormittag stattfindet, greift die Familie Brun auf Asylsuchende zurück, die im Kanton Luzern untergebracht sind. «Die Asylsuchenden sind motiviert, dass sie hier ihr Taggeld aufbessern können. Meine Erfahrungen sind durchwegs positiv.» Die Arbeiten am Nachmittag stemmt Beat Brun dann mit seiner Familie sowie mit Nachbarn. Das Team ist eingespielt. Brun ist zufrieden mit dem Trocknungsprozess der geernteten Blätter. Diese bleiben mindestens bis Oktober in der Scheune. Die Temperatur und die Feuchtigkeit sind entscheidend. «Das Ziel ist es, dass die Blätter braun werden. Ist es zu heiss, kann es passieren, dass die Blätter in gelber Farbe trocknen.» Dies bedeutet eine Qualitätseinbusse.

Ruth Brun bereitet die geernteten Blätter fürs Trocknen vor. Dafür werden sie eingefädelt.

Ruth Brun bereitet die geernteten Blätter fürs Trocknen vor. Dafür werden sie eingefädelt.

Jährlich gibt es drei Abgabetermine für den Tabak – im Oktober, November und zwischen Januar und Februar. Dann werden die Blätter verpackt, gewogen und von der Einkaufsgenossenschaft taxiert. «Das ist jeweils ein wichtiger Moment für uns Tabakbauern», sagt Brun. Dann entscheiden die Experten über die Qualität, die den Kilopreis bestimmt. Dieser liegt zwischen 5 und knapp 16 Franken. Da die Menge, die Brun anbauen darf, beschränkt ist, will er in möglichst hoher Qualität liefern.

Beat Brun und sein Sohn hängen die Tabakblätter in der Scheune zum Trocknen auf.

Beat Brun und sein Sohn hängen die Tabakblätter in der Scheune zum Trocknen auf.

Wie steht es um die Qualität des Schweizer Tabaks?

Doch über die Qualität des Schweizer Tabaks scheiden sich die Geister. Bald dürfte sich die Politik mit dem Anbau beschäftigen. FDP-Nationalrat Marcel Dobler (SG) stellt mittels Interpellation die Frage, ob der Bundesrat sich bewusst sei, dass Schweizer Tabak eine geringe Qualität aufweise. Diese Aussage ist von den Zigarettenherstellern immer wieder zu hören. Brun hingegen glaubt nicht an eine mindere Qualität:

«Dass dieser Vorwurf von der Industrie kommt, ist nicht erstaunlich.»

Der hiesige Tabak wird jährlich mit rund 13 Millionen Franken subventioniert – durch jede einzelne Zigarette. Damit wird die Differenz zum Weltmarktpreis ausgeglichen. Da die Zahl der Raucher schwindet, leert sich der Fonds mehr und mehr. «Wir merken den Trend hin zu den E-Zigaretten», sagt Brun. Unsicherheit gibt es zudem, weil die Konvention zwischen der Kooperative Swisstabac und der Einkaufsgenossenschaft für Inlandtabak ausläuft. Letztere verkauft den Tabak an die grossen Hersteller. Wie es weitergeht, wird verhandelt. Die Tabakkonzerne geben derzeit keine Auskunft zum Stand der Verhandlungen, heisst es auf Anfrage.

Trotz Unsicherheit in der Branche denkt Beat Brun, der wie die ganze Familie Nichtraucher ist, derzeit nicht ans Aufhören. «Ich möchte diese Tradition gerne weiterführen.» Dasselbe sagt sein Sohn. Dennoch räumt Brun ein, dass es fraglich sei, ob sich der Anbau in einem Jahrzehnt noch lohne. «Müssten wir zum Weltmarktpreis produzieren, wäre dies das Ende des Schweizer Tabaks.»

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