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Hoch hinaus – Luzerner Kirchtürme stehen am Wochenende im Mittelpunkt

Der Verein Sakrallandschaft Innerschweiz legt am Samstag und Sonntag den Fokus auf Kirchtürme, Uhren, Glocken und Geläute.
Susanne Balli
Höchster Turm einer katholischen Kirche in der Schweiz: Die Pfarrkirche St. Martin in Malters. (Bild: Dominik Wunderli, 16. Oktober 2019)

Höchster Turm einer katholischen Kirche in der Schweiz: Die Pfarrkirche St. Martin in Malters. (Bild: Dominik Wunderli, 16. Oktober 2019)

Kirchen und Kapellen gibt es in jedem Dorf. Es sind zum Teil imposante Gotteshäusern mit hohen Kirchtürmen, wie beispielsweise in Malters: Der der Turm der Pfarrkirche St. Martin, die 1835 erstellt wurde, ist mit seinen 97,56 Metern der höchste katholische Kirchturm der Schweiz. Nur das reformierte Berner Münster konnte die Höhe 1893 toppen, als diesem eine Helmspitze aufgesetzt wurde.

Warum viele Kirchtürme so hoch in den Himmel ragen und welche Funktionen sie ursprünglich hatten, dies können Interessierte während der «Tage der Kirchtürme, Uhren, Glocken und Geläute» am 19. und 20. Oktober erfahren. Organisator ist der Verein Sakrallandschaft Innerschweiz. Das Thema gewählt hat der Verein aus verschiedenen Gründen, wie Urs-Beat Frei, Spezialist für christliche Sakralkunst und Dozent an der Hochschule Luzern, sagt:

«Kirchtürme üben auch heute eine Faszination auf die Menschen aus.»

Zudem habe das Thema eine gewisse Aktualität: «Das Glockengeläut von Kirchen stösst immer wieder auf Widerspruch», so Frei. Mit dem Tag der Kirchtürme will der Verein Gespräche über deren einstige und heutige Bedeutung anregen. An insgesamt 13 Orten der Innerschweiz werden zum Thema verschiedene Führungen angeboten. Sechs davon aus dem Kanton Luzern.

Mit hohem Turm Macht demonstrieren

Es liegt auf der Hand, dass dabei eine Besteigung des höchsten katholischen Kirchturms, jenes der Pfarrkirche Malters, nicht fehlen darf. Am 19. Oktober von 13.30 bis 15.30 Uhr können Interessierte bis zum Glockenstuhl und Uhrwerk hinauf steigen. Mit dem hohen Turm und der imposanten Grösse der Kirche wollten sich die Malterser klar in der Umgebung positionieren und wohl auch Macht demonstrieren. Möglich machten den Bau der Kirche übrigens Kaplan Urs Kreyenbühl aus Willisau, der aus Dankbarkeit sein gesamtes Vermögen der Kirchgemeinde Malters stiftete und so die Hälfte der Baukosten finanzierte. Denn Willisau hatte ihm die Altersfürsorge für Geistliche verweigert, Malters hingegen hatte seinem Wunsch entsprochen.

Aussergewöhnlicher Grundriss: Die Wallfahrtskapelle St. Ottilien in Buttisholz.(Bild: Nadia Schärli, 16. Oktober 2019)

Aussergewöhnlicher Grundriss: Die Wallfahrtskapelle St. Ottilien in Buttisholz.
(Bild: Nadia Schärli, 16. Oktober 2019)

Einen Kontrastpunkt zu Malters bildet am Tag der Kirchtürme die Wallfahrtskapelle St. Ottilien in Buttisholz, die am 20. Oktober um 14 Uhr besichtigt werden kann. Die kleine Barockkapelle kann allerdings mit keinem Turm auftrumpfen – dafür mit einem aussergewöhnlichen Grundriss. Vier Rechteckarme bilden ein griechisches Kreuz um einen Achteckkern, was man in der Schweiz sehr selten findet.

Die Kapelle, die der heiligen Ottilie geweiht ist, wird seit Jahrhunderten von Pilgern aufgesucht, um für gute und gesunde Augen zu bitten. Denn die heilige Ottilia wurde blind geboren und erlangte der Überlieferung nach mit der Taufe als junge Frau das Augenlicht. Über der Kuppel der Kapelle ragt ein hoch aufstrebender Spitzhelm in den Himmel. Das schwungvolle dunkelrote Kupferdach beherbergt eine grosse Kolonie der Fledermausart Grosses Mausohr.

Für Barockkirchen typisch sind Türme mit Zwiebelhauben. Wie jene der Wallfahrtskirche Heiligkreuz im Entlebuch. Am 19. Oktober um 18 Uhr und am Sonntag um 14 Uhr wird jeweils eine Führung mit Erläuterungen zum Turm und zur Geschichte der Kirche durch Wallfahrtskaplan Jakob Zemp angeboten.

Die Wallfahrtskirche Heiligkreuz. (Bild Manuela Jans-Koch, 16. November 2015)

Die Wallfahrtskirche Heiligkreuz. (Bild Manuela Jans-Koch, 16. November 2015)

Die heutige, barocke Gestalt erhielt die Kirche Mitte des 18. Jahrhunderts durch den bekannten Luzerner Baumeister Jakob Singer. Aus dieser Zeit stammt auch der Turm mit der Zwiebelhaube. Bei der Führung erfährt man Wissenswertes zur Jahrhunderte alten Tradition der Wallfahrt nach Heiligkreuz. Eine erste Heiligkreuzkapelle an dieser Stelle ist bereits 1480 belegt.

Historische Turmuhren und ihre Mechanik

In der Stadt Luzern stehen drei verschiedene Führungen zur Auswahl. Im Zyt-Turm der Museggmauer an der Museggstrasse 28 führt am 19. Oktober um 14.15 Uhr Remo Ronchetti die Besucher durch die faszinierende Ausstellung von historischen Turmuhren, die über die sechs Stockwerke des 31 Meter hohen Zytturms verteilt sind.

Die Uhr der Senti-Spitalkirche im Zytturm der Museggmauer in Luzern. (Bild: Boris Bürgisser, 26. März 2019)

Die Uhr der Senti-Spitalkirche im Zytturm der Museggmauer in Luzern. (Bild: Boris Bürgisser, 26. März 2019)

Die alten mechanischen Uhrwerke – zum Teil Jahrhunderte alt – sind technische Meisterwerke. Unter den Uhren zu finden sind auch jene der Kirchen von Malters, Hergiswald, der Lieli-Kapelle und der Luzerner Senti-Spitalkirche. Zu erfahren ist unter anderem, warum der Glockenschlag der riesigen Zyt-Turm-Uhr seit Jahrhunderten eine Minute vor den Kirchenuhren der Stadt ertönt.

Ebenfalls am Samstag, um 16.30 Uhr, können Interessierte den frei stehenden Turm der Maihofkirche Luzern besuchen. Dieser wurde erst zehn Jahre nach der Kirche erbaut, weil wegen des 2. Weltkriegs das Geld für einen Turm fehlte. Bei der Turmführung kann mit zur Verfügung gestelltem Gehörschutz aus nächster Nähe das Einläuten des Sonntags erlebt und auch physisch gespürt werden.

Der Turm der Maihofkirche in Luzern. (Archivbild LZ)

Der Turm der Maihofkirche in Luzern. (Archivbild LZ)

Am 20. Oktober findet dann um 16.45 Uhr mit Urs-Beat Frei eine Turmbesteigung der Kirche St. Paul in Luzern statt. Der Turm mit seiner über 70 Meter hohen Spitze weist symbolisch dahin, wohin die Christen ihr Leben ausrichten sollen. Man wird in luftiger Höhe Wissenswertes zum Turm und seinen fünf Glocken erfahren, die ungewohnte Aussicht geniessen und über die Bedeutung von Kirchtürmen einst und heute diskutieren können.

Der Turm der Kirche St. Paul in Luzern. (Bild: Philipp Schmidli, 30. August 2017)

Der Turm der Kirche St. Paul in Luzern. (Bild: Philipp Schmidli, 30. August 2017)

Folgende Führungen finden am 19. und 20. Oktober ebenfalls statt:

  • Pfarrkirche St. Meinrad, Pfäffikon: Sonntag, 13 bis 14 Uhr
  • Pfarrkirche St. Peter und Paul, Sattel: Erläuterungen zum Geläute und Konzert mich Glocken Weisen des Caramujo Sax Quartets am Sonntag um 17 Uhr.
  • Pfarrkirche Heiligkreuz, Lachen: Zweifacher Aufstieg in die beiden Zwiebeltürme am Samstag um 15.15 Uhr.
  • Klosterkirche St. Maria zu den Engeln, Engelberg: Kirchturmbesichtigung am Sonntag um 14 und 15 Uhr.
  • Pfarrkirche St. Maria Magdalena, Alpnach: Kirchturmbesichtigung am Samstag um 9 und 13.30 Uhr.
  • Pfarrkirche St. Jakob, Cham: Turmführung bis zur historischen Uhr, Samstag, 15, 16.15 und 17 Uhr.
  • Pfarrkirche St. Martin, Baar: Kirchturmführungen bis in den Glockenstuhl: Samstag, 11.15 und 16.15 Uhr.

Bei verschiedenen Führungen ist die Teilnehmerzahl beschränkt und eine Anmeldung unter info@sakrallandschaft-innerschweiz.ch oder 041 660 91 18 erforderlich. Die Anlässe sind kostenlos, es gibt Kollekten.

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