Tagung im Verkehrshaus Luzern
Digitalisieren allein reicht nicht – für eine Smart City braucht es noch vieles mehr

Wie sollen die Städte der Zukunft aussehen? Was müssen sie bieten, wenn wir immer länger leben? Mögliche Antworten auf diese und andere spannende Fragen gab's an der Smart-City-Tagung.

Roman Hodel
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Beim Begriff Smart City denken die meisten an Digitalisierung. Klar, darum geht es auch. Die digitale Strategie der Stadt Luzern etwa hat Stefan Metzger, Leiter der Dienstabteilung Digital, kürzlich in unserer Zeitung erläutert. Doch Smart City bedeutet weit mehr. Das zeigte die 7. nationale Smart-City-Tagung von «Energie Schweiz» am Dienstag im Verkehrshaus Luzern. Sie stand unter dem Motto «Schweizer Städte im Wandel und die Rolle der Smart Citys». Unter den Referenten war Zukunftsforscher Joël Luc Cachelin. Für ihn stehen drei grosse Transformationen an:

  • Umwelt: Hohe Mobilität und Konsumkraft sorgen in der Schweiz für einen hohen Bedarf an Energien und Ressourcen. Um Letztere zu schonen und die Klimakrise zu dämpfen, braucht es Massnahmen. Cachelin verweist auf Ansätze, wie vermehrt mit Holz statt Beton zu bauen oder in Städten unterirdisch Gemüse anzubauen.
  • Demografie: Wir werden älter, digitalaffiner, aktiver. Viele erleben drei Wellen der Aus- und Weiterbildung. Das müsse die Wirtschaft berücksichtigen. Weiter brauche es Anreize im öffentlichen Raum, damit sich unsere Gesundheit verbessert: etwa Treppen so zu gestalten, dass man diese lieber benützt als die Rolltreppe nebenan. 
  • Daten: neue Hardware, neue Software, Umgang mit Daten. Als «spannenden Datenpool» bezeichnet Cachelin etwa das Abwasser: «Es liefert Infos bezüglich Virenzirkulation oder Konsum etwa von Medikamenten.» Ferner soll in einem Metaversum alles angeschlossen sein – von leihbaren Velos bis zu freien Plätzen beim Coiffeur. Schliesslich brauche es digitale Infrastruktur wie etwa eVoting oder eIdentity. «Hierbei dürften wir nicht abhängig sein vom Ausland, stehen aber momentan nirgends gut da», sagte er.
Joël Luc Cachelin.

Joël Luc Cachelin.

Bild: Urs Bucher

Den Stadtverwaltungen kommt laut Cachelin eine Pionierrolle zu: Sie könnten die drei Transformationen zusammenführen, sich untereinander vernetzen sowie interessante Daten identifizieren, anonym zusammenführen und daraus Wissen schöpfen. «Wichtig ist ebenfalls, immer wieder das richtige Verhältnis zwischen off- und online zu suchen.» So seien öffentliche Räume als Orte der Begegnung, des Zufalls und der Vertrauensbildung weiterhin unabdingbar, die Gestaltung der Innenstädte deshalb eine «zentrale Designaufgabe».

Es braucht vor allem eines: Daten

Nathalie Klauser, stv. Geschäftsleiterin der Stiftung Risiko Dialog, betonte, dass die Transformation so oder so stattfinde, ob mit oder ohne uns: «Es geht nicht so sehr um die Technik, sondern viel mehr darum, wie wir damit umgehen.» Zentral sei die niederschwellige Partizipation. «Dabei kann uns die Technologie helfen, Apps etwa, denn wir brauchen Daten», so Klauser.

Auch für ETH-Stadtforscher Christian Schmid müssen Smart Citys, diese durchdachten Städte, bei der Partizipation zulegen – provokant fragte er:

«Warum wollen alle in den Spekulationsbaugebieten der Gründerzeit leben?»

Er meint damit innerstädtische Blockrandquartiere wie die Luzerner Neustadt und fügt hinzu: «Warum gibt's keine qualitätsvollen Neubaugebiete?» Es wimmle zwar von Gremien und Experten, Architekturwettbewerbe würden veranstaltet, aber die Bevölkerung werde zu wenig einbezogen. Er sagte es so: «Öffnet euch und eure Verwaltungen! Zwingt auch Experten, sich mit den Menschen auseinanderzusetzen.»

Blick in die 7. nationale Smart-City-Tagung im Verkehrshaus Luzern.

Blick in die 7. nationale Smart-City-Tagung im Verkehrshaus Luzern.

Bild: hor (Luzern, 23. November 2021)

Zumindest in Luzern, Zürich und Lausanne hat diesbezüglich die Zukunft begonnen: Diese drei nutzen zusammen mit rund 250 weiteren Städten weltweit eine kostenlose, in Barcelona entwickelte Partizipationsplattform. Wobei in Luzern nicht nur Behörden, sondern auch Vereine oder Stiftungen zum interaktiven Stadtleben beitragen sollen. Aktuell kann man sich auf www.dialogluzern.ch zur Neugestaltung des Grenzhofs einbringen. Nadja von Ballmoos, Projektleiterin Digital/Kommunikation, sagte:

«Je mehr Infos auf ‹Dialog Luzern› hinterlegt werden, desto mehr Userinnen und User verkehren hier und es entwickelt sich eine lebendige Plattform.»