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TAGWACHE: 15'000 Fasnächtler bei Urknall in Luzern

Gut 15 000 Fasnächtler pilgerten an die Tagwache in Luzern. Fazit der Polizei: Alles blieb ruhig und unaufgeregt. Ganz anders das Bild auf den Strassen der Altstadt.
Die Fritschifamilie auf dem Weg zum Fritschibrunnen auf dem Kapellplatz nach dem Urknall am Schmutzigen Donnerstag. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Luzern, 8. Februar 2018))

Die Fritschifamilie auf dem Weg zum Fritschibrunnen auf dem Kapellplatz nach dem Urknall am Schmutzigen Donnerstag. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Luzern, 8. Februar 2018))

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch

Stadt Luzern, Zürichstrasse, kurz vor 5 Uhr: Schnellen Schrittes marschieren Männer, Frauen und Kinder Richtung See. Alle verkleidet, alle voller Vorfreude. Vereinzelt trotten Personen in die Gegenrichtung. Diejenigen, die entweder mit der Fasnacht nichts anfangen können, oder zur Arbeit müssen. In der Hertensteinstrasse das gleiche Bild - nur werden die Fasnächtler mehr, ebenso die Normalos. Obwohl – normal sind sie eben genau nicht. Zumindest nicht heute. In der Menge der Verkleideten fallen sie auf wie ein Schoggigipfel in einer Packung Fasnachtschüechli.
Dann, ein Abzweiger in Richtung Wagenbachgasse, vorbei am Irish-Pub, eröffnet sich ein gänzlich anders Bild. Die Tür zu einer anderen Welt geht auf, die Himmelspforte für jeden Fasnächtler: Zu Tausenden drängen sich die Leute auf dem Schwanenplatz, der Seebrücke und in der Kapellplatz. Piraten und Piloten, Hühner und Enten, Indianer und Cowboys stehen im Schneegestöber beieinander. Bereit für den sehnlichst erwarteten Moment. Dann, um Punkt 5 Uhr, ist es so weit. Ein lauter Knall erschallt über dem Luzerner Seebecken. Euphorie unter den Tausenden auf der Strasse. Die Fasnacht ist eröffnet. Es schränzt und guuget. Luzern tanzt. Luzern lebt.

300 Telefonbücher und 13 600 Willisauer-Ringli

Gemäss Angaben der Luzerner Polizei pilgerten gut 15 000 Personen an die Tagwache vom Schmutzigen Donnerstag. Auf Anfrage unserer Zeitung sagt Polizeisprecher Urs Wigger: «Alles blieb ruhig, alles blieb friedlich. So kann es weitergehen.» Die Tagwache nimmt nach dem Urknall ihren gewohnten Gang: Fritschivater Alfred Meier erwartet am Landungssteg vor dem Schweizerhof die Fritschifamilie, die auf dem Nauen übersetzt. Sodann geht es weiter zum Kapellplatz. Dort warten Tausende aufgeregt auf den nächsten Höhepunkt: Um halb 6 knallt und klepft es von allen Seiten. 300 Telefonbücher in ihrer einzig wahren Form fliegen umher. Die Fötzeli tanzen durch die Luft wie die Menschenmenge unter ihnen auf dem Kappellplatz. «Brüele», «brüele» ruft es vom Fritschibrunnen. Es brüelt und brüelt von unterhalb. Orange um Orange landet in der Masse. Bis Ende des Tages werden es 1000 Kilogramm gewesen sein – zusammen mit 13'600 Willisauer-Ringli.

Nach dem Fötzeliräge zieht es den Fritschivater samt Familie und Gäste in die Kornschütte zum Fritschi-Zmorge. Alfred Meier steht im Mittelpunkt, unsere Zeitung erwischt ihn zwischen einem Konfibrot und dem nächsten Händedruck: «Die Stimmung ist ausgelassen, sehr gut, sensationell», sagt der Zunftmeister zu Safran. Wie erlebte er den Urknall? «Es war ein gigantischer Moment, da läuft es einem kalt den Rücken runter», sagt der 60-Jährige vor Freude strahlend. Meier, der seit 1992 in der Zunft zu Safran ist, hat schon so manche Tagwacht erlebt. Ganz im Gegensatz zu Marc Albrecht von der Fasnachtsgesellschaft Mels. Die Melser Fasnächtler waren am Schmutzigen Donnerstag Gast in Luzern. Und Albrecht, der den amtierenden Böllenkönig (das Melser Fasnachtsoberhaupt) Bruno Ackermann vertrat, hatte einen mehr als guten Eindruck: «Wir haben in Mels ja selber eine tolle Fasnacht und sind uns einiges gewohnt. Aber das hier ist schon enorm eindrücklich.» Ähnlich klang es auch von der Schwyzer FDP-Nationalrätin Petra Gössi (Küssnacht). Was ist nun besser – die Luzerner Fasnacht oder das Klausjagen? «Schön ist ja, dass man beides nicht miteinander vergleichen kann. Das Klausjagen ist wunderbar, aber auch hier ist die Stimmung sensationell. Oder auf Deutsch gesagt: Huere guet.» Rüüdig verreckt, würde der Luzerner sagen.

Gössi mischte sich im schlichten roten Blazer unter die Fasnächtler. Ganz anders trat Beat Villiger, der Zuger Sicherheitsdirektor auf: Er kam im rot-weiss-gestreiften Räbegäuggel – einem traditionellen Baarer Sujet. Um halb vier Uhr morgens musst der CVP-Politiker aus den Federn. Bereut hat er es keine Sekunde: «Es ist eine so grosse Freude unter den Leuten, eine riesige Party. Das macht wirklich Spass.» Mit dieser Meinung war Villiger sicher nicht alleine.

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