TATORT: «Bösewicht» aus Udligenswil macht Karriere im TV

Der gebürtige Udligenswiler Urs Peter Halter hat im «Tatort» vom nächsten Sonntag seinen grossen Auftritt. Bei den Dreharbeiten ging es teils heftig zu und her.

Beatrice Vogel
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Urs Peter Halter in einer Szene im Tatort – «Winternebel». (Bild: SWR/Martin Furch)

Urs Peter Halter in einer Szene im Tatort – «Winternebel». (Bild: SWR/Martin Furch)

«Winternebel» heisst der «Tatort» aus Konstanz vom nächsten Sonntag. Gleich zwei Mordfälle und eine Entführung gilt es darin aufzuklären. Der Luzerner Schauspieler Urs Peter Halter (40) spielt darin eine tragende Rolle. «Ich gehöre zu den Bösewichten», so Halter. Sylvio Fini, die Figur, die Halter spielt, sei ein aggressiver und unsicherer Charakter, der sich leicht zu fragwürdigen Handlungen verführen lasse. «Ein nicht besonders angenehmer Zeitgenosse also.»

Schweizer Akzent oder nicht?

Der Dreh habe teilweise an extremen Orten stattgefunden, so beispielsweise in einem Verlies und einem Käfig. Die Verkörperung eines negativ besetzten Charakters macht Urs Peter Halter keine Mühe – im Gegenteil. Halter: «Es hat grossen Spass gemacht, mit den Aggressionen und der Verzweiflung zu spielen.» Der «Tatort» in Konstanz wird, wie jener aus Luzern, im deutschen und österreichischen Fernsehen in deutscher, im Schweizer Fernsehen in schweizerdeutscher Sprache ausgestrahlt. Angeblich wollten die Produzenten zuerst, dass die Schweizer Schauspieler Hochdeutsch mit Schweizer Akzent sprechen. «Nach den ersten Proben haben sie sich aber dagegen entschieden», so Halter. Schliesslich würden Schweizer untereinander auch nicht Hochdeutsch sprechen, das sei völlig unnatürlich. Deshalb hätten sie schliesslich die deutsche Fassung auf Hochdeutsch gedreht – ganz ohne Akzent.

Gemäss Halter sei die Sprache auch das Problem des umstrittenen Luzerner «Tatorts». «Für die Deutschen wirkt das Schweizerhochdeutsch sehr harmlos», sagt Halter, «die schweizerdeutsche Fassung hat jeweils eine ganz andere Qualität.» Jedenfalls sei der Luzerner «Tatort» auf einem guten Weg, findet Halter. Er selbst schaue ihn sehr gerne. Und: «Nicht nur über den Schweizer ‹Tatort› wird viel diskutiert, sondern auch über einige der deutschen ‹Tatorte›.»

Im Luzerner Theater angefangen

Urs Peter Halter ist in Udligenswil aufgewachsen und hat in Luzern die Kantonsschule Alpenquai besucht. Zum Theater kam er als 16-Jähriger über einen Schulfreund. Damals suchte das Luzerner Theater Statisten für ein Weihnachtsmärchen. «Ab dem ersten Moment, als ich auf dieser Probebühne stand, bin ich dem Theater verfallen», erinnert sich Halter. In den folgenden Jahren spielte Halter bei diversen Produktionen des Jugendklubs des Luzerner Theaters auf der Jungen Bühne (heute UG) mit.

Nach Udligenswil und Luzern kommt Halter drei- bis viermal im Jahr, um seine Mutter und Freunde zu besuchen. «Ich sterbe manchmal fast vor Sehnsucht nach den Bergen, deshalb komme ich so oft wie möglich in die Schweiz.»

Nach der Matura besuchte Urs Peter Halter die Schauspielschule Salzburg und ist seit Ende seiner Ausbildung hauptsächlich in Deutschland tätig. Heute lebt er mit seiner Familie in Düsseldorf, wo er am Schauspielhaus engagiert ist. Zwischen 2010 und 2014 war Halter als freier Schauspieler und Regisseur tätig. In diese Zeit fallen die «Tatort»-Produktion sowie der Spielfilm «Zoey», der Anfang dieses Jahres gedreht wurde.

Dreifacher Vater

Seit kurzem ist Halter wieder fest beim Schauspielhaus Düsseldorf angestellt. «Als freier Schauspieler muss man sehr oft herumreisen. Das wollte ich nicht mehr, vor allem auch wegen der Kinder», sagt der dreifache Vater. Der Nachteil: Wegen des festen Engagements am Schauspielhaus muss Halter im Moment relativ viele Angebote für Filmproduktionen ablehnen.

In der Schweiz hatte Urs Peter Halter noch kaum beruflich zu tun. 1999 spielte er im Schweizer Kinofilm «De Fögi isch en Souhund» (Originaltitel: «F. est un salaud») von Regisseur Marcel Gisler an der Seite von Martin Schenkel. Heute sei eine Rückkehr in die Schweiz immer wieder ein Thema. Halter: «Man weiss nie, was die Zukunft bringt.»

Tatort «Winternebel»: Sonntag, 5. Oktober, 20.05 Uhr, SRF 1.