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TATORT: Luzerner «Tatort» kommt in Fahrt

Der Luzerner Krimi geht am nächsten Sonntag in die fünfte Runde. Ein erstes Fazit über die Stärken und Schwächen der Serie.
Michael Graber
Marcus Signer als Kaspar Vogt (l) und Stefan Gubser (rechts) als Kommissar im neuen «Tatort - Geburtstagskind». (Bild: SRF / Daniel Winkler)

Marcus Signer als Kaspar Vogt (l) und Stefan Gubser (rechts) als Kommissar im neuen «Tatort - Geburtstagskind». (Bild: SRF / Daniel Winkler)

Am Anfang kam die böse Schelte. Stümperhaft war noch eines der netteren Worte, die den Luzerner «Tatort»-Machern um die Ohren flogen. Mittlerweile haben sich die Wogen etwas geglättet, und am kommenden Sonntag läuft bereits die fünfte Folge (siehe Box unten links). Wir haben uns auf Ermittlungen begeben, um herauszufinden, wie gut der Luzerner «Tatort» wirklich ist.

Beweisstück 1: Der Kommissar

Reto Flückiger ist sicherlich einer der grössten Pluspunkte des Luzerner «Tatorts». Stefan Gubser schafft es, dem Kommissar eine eigene Note zu geben. Ein trockener Ermittler, der trotzdem in der Lage ist, Menschlichkeit zu zeigen. Besonders grandios war er in der Folge «Schmutziger Donnerstag», als er dem fasnächtlichen Treiben derart abgeneigt war, dass er die rüüdigen Tage sogar kurzerhand abbrechen wollte. Flückiger ist auch in der Lage, schwächere Geschichten zu retten. Je mehr Folgen ausgestrahlt werden, desto klarer wird, wohin man mit dem Charakter will. Hier schlummert noch einiges an Potenzial.

Beweisstück 2: Die Fälle

Nach einem wirklich miesen Start haben sich die Luzerner gefangen. Intersexualität war ebenso Thema, wie jetzt ein Familiendrama. Dabei geht es selten um Effekthascherei. Es wird ermittelt, nicht geschossen. Vielleicht ist es immer noch ein Tick zu moralinsauer – in der aktuellen Folge etwa beim Thema Religion – aber dafür stimmt die Atmosphäre, die durch die ganze Episode durchgezogen wird.

Gelegentlich wünscht man sich etwas mehr Tiefe. So war «Schmutziger Donnerstag» zwar ein wunderbar gedrehter Film, aber dem wurde offenbar einiges untergeordnet. Die Geschichte blieb zu Gunsten von schönen Bildern des Fasnachtstreibens blass (inklusive sehr merkwürdigem Ende). Nach Sichtung des Beweismaterials bleibt ein zwiespältiger Eindruck – unentschieden.

Beweisstück 3: Die Nebenrollen

Nach dem katastrophalen Ausrutscher mit der Amerikanerin Sofia Milos in «Wunschdenken» haben sich die Macher glücklicherweise wieder eines besseren besonnen. Besonders Liz Ritschard (Delia Mayer) verhilft als Partnerin von Flückiger immer wieder zu spannenden menschlichen Momenten. Sie ist weniger Sidekick, als fast gleichgewichtete Hauptrolle und von Folge zu Folge wird sie spannender.

Positiv zu erwähnen bleibt auch noch Regierungsrat Mattmann (Jean-Pierre Cornu), der Flückiger und Ritschard die Hölle heiss macht. Zwar ist seine Rolle etwas übertrieben dargestellt, aber das kann zu grossartigen Momenten führen. Etwa in «Schmutziger Donnerstag» als er mit Perücke eine Standpauke hält. Mattmann kann richtig böse sein und gleichzeitig einen ganz anderen Schein vermittlen. Ein mittleres Ärgernis bleiben die kleineren Rollen. Etwa die restlichen Polizisten. Aber naja: Etwas Überspitzung gehört dazu. Wir vergeben Punkt Nummer zwei.

Beweisstück 4: Luzern

Als Zentralschweizer fragt man sich natürlich immer, wie denn die Heimatregion im Fernsehen rüberkommt. Während die erste Folge einem Heimatfilm mit schönen Bildern glich, stimmt die Mischung mittlerweile. Zwar ist es in «Geburtstagskind» eigentlich die ganze Zeit neblig, aber die Bilder sind stimmig, und wohl jeder Luzerner wird seine Stadt erkennen – mit allen schönen und weniger schönen Seiten.

Die Zentralschweiz eignet sich wunderbar, um einen Mikrokosmos darzustellen mit geschlossenen Kreisen, aber doch einer Portion Offenheit. Das ist auch im Luzerner «Tatort» immer wieder erkennbar. Zwar mögen die Geschichten etwas an den Haaren herbeigezogen sein, aber im Grunde sind sie so abwegig nicht. Und wer einen Touristenfilm erwartet, der sollte keine Krimis schauen. Hier muss es etwas düster, unheimlich sein. Punkt für den «Tatort».

Beweisstück 5: Die Kritiken

Nicht unwesentlich für die Wirkung von Krimiserien sind die Kritiken. Und gerade der Start hatte es ja wirklich in sich: Von einer Katastrophe wurde geschrieben, es wurde gar die Frage aufgeworfen, ob man das Experiment «Schweizer Tatort» gleich wieder abbrechen sollte. Und ganz unabhängig davon, ob man diese Meinung teilte: Sie hatte einen grossen Einfluss. Mit neutralen Gefühlen begegnete niemand mehr Kommissar Flückiger. Der Goodwill war verflogen, jetzt mussten die Macher gegen das schlechte Image kämpfen. Noch immer. Die Kritiken sind in der Tendenz negativ geblieben. Damit wird der Luzerner «Tatort» noch einige Zeit kämpfen, obwohl er besser geworden ist. Punkt gegen den «Tatort».

Ende der Beweisaufnahme

Als erstes Fazit nach fünf Folgen bleibt zu sagen: Mittlerweile bewegt sich der Luzerner «Tatort» auf einem soliden Niveau. Wenn auf diesem Level weitergemacht wird, kommt es gut. Etwas weniger Klischees, etwas weniger Moralin, und wir haben es hier in naher Zukunft mit einer richtig guten Serie zu tun.

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