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Waffen im Rotsee entdeckt: Militär-Taucher und Polizei bergen 20 Handgranaten in Luzern

Im Herbst des vergangenen Jahres fanden Spaziergänger am Rotsee eine Handgranate. Die Kampfmittelbeseitigung des Militärs hat diese nun mithilfe der Luzerner Polizei geborgen.

Pablo Mathis
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Bereits in der Vergangenheit waren im Rotsee Handgranaten entdeckt und geborgen worden. Letzten Herbst fanden Spaziergänger am Rotsee erneut eine Defensivhandgranate vom Typ Siegwart DHG 16. Im November unternahmen deshalb Taucher der Luzerner Wasserpolizei und der Kampfmittelbeseitigung der Schweizer Armee Suchtauchgänge. Dabei konnten mehrere Granaten ausfindig gemacht und markiert werden. Basierend auf der Einschätzung der Taucher des Militärs konnte dann ein Plan zur Bergung ausgearbeitet werden.

Diese Planung beinhaltete nebst der Analyse der Waffen auch die Rücksprache mit der Stadt Luzern und der Gemeinde Ebikon. So mussten während der Bergungsarbeiten am Donnerstagmorgen die gesamte Wasserfläche des Rotsees und Teile des Wanderweges aus Sicherheitsgründen gesperrt werden, sagt Christian Bertschi von der Kommunikationsstelle der Luzerner Polizei.

Bergung unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen

Nach Abschluss der Planungsarbeiten begannen die Taucher des Militärs am Dienstag, die im Herbst markierten Handgranaten aufzusuchen und zu sichern. Die Munition wurde noch unter Wasser mit einem Bügel versehen und mit Kabelbindern fixiert, erklärt Alex Spora, Chef Einsatz der Kampfmittelbeseitigung und Minenräumung. Damit soll ein Auslösen des Zündmechanismus verhindert werden. Danach legten die Taucher die Handgranaten in Munitionskisten.

Polizeitaucher der Wasserpolizei und Angehörige der Armee bergen die Handgranaten.
13 Bilder
Alex Spora von der Schweizer Armee zeigt ein gefundene Handgranate. Manuela Jans-Koch | LZ
Die Handgranaten werden von einem Schiff...
... auf einen Lastwagen...
mit einer Blindgängereinheit geladen.
Handgranaten auf dem Grund des Rotsees.
Handgranaten auf dem Grund des Rotsees.
Handgranaten auf dem Grund des Rotsees.
Spezialisten der Armee im Einsatz.
Ein Taucher der Luzerner Polizei im Rotsee.
Von den Tauchern markierte Handgranaten.
Die Taucher übergeben Munition aus dem Rotsee einem Armeeangehörigen auf dem Polizeiboot.
Sicherungstaucher der Luzerner Polizei überwachen den Einsatz der Armee.

Polizeitaucher der Wasserpolizei und Angehörige der Armee bergen die Handgranaten.

Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 3. September 2020)

Am Donnerstag konnten die 20 Granaten dann endlich vom Militär geborgen werden. Wichtig sei dabei, dass die Granaten stets in der mit Wasser gefüllten Munitionskiste bleiben, sagt Spora. Denn solange das Zündsystem nass ist, könne die mit 80 Gramm Sprengstoff bestückte Granate nicht auslösen. Deshalb meint Spora auch:

«Solange die Granaten im Wasser sind, ist die Gefahr gering.»

Auf dem Boot angelangt, werden die Kisten dann mit einem Splitterschutz überdeckt. Vom Boot wird die Munition später in die Blindgängertransporteinheit, auch Bombenrolli genannt, verladen. Im Lastwagen befindet sich eine Kugel, die verschlossen wird und so einen sicheren Transport ermöglicht.

«Die Granaten werden dann mit der Blindgängertransporteinheit nach Altdorf gefahren. Dort werden sie von der Ruag in einem mehrstufigen Prozess in die verschiedenen Komponenten separiert und im Ofen vernichtet», erklärt Spora. Da das Militär die Granaten nie übernommen hat und das Herstellerunternehmen Siegwart nicht mehr existiert, muss der Kanton Luzern die Kosten tragen.

Vermutlich noch mehr Granaten im Rotsee

Der am Rotsee gelegene Privatbetrieb Siegwart hatte die Granaten in einem Munitionsmagazin in der Nähe der heutigen Rotseebadi gelagert. Dort kam es am 20. Oktober 1916 beim Löten einer Munitionskiste oder durch eine Fehlzündung zu einer Explosion. Dabei starben fünf Menschen, und mehrere tausend Granaten wurden über einen Radius von 200 Metern verstreut. An Land konnten die Granaten schnell geborgen werden, im Wasser gestaltete sich die Suche aber schwieriger. Erst nach Abwassersanierungen und dem Ausbau der Rotseebadi in den 1970er Jahren, konnten 1979 die ersten Granaten geborgen werden. Die schlechten Sichtverhältnisse und der schlammige Untergrund erschweren noch heute die Suche.

«Wir gehen davon aus, dass es auch in Zukunft noch Bergungen geben wird»

, sagt Bertschi deshalb. Für Schwimmer bestehe indes keine Gefahr, da das Gebiet um die Badi bereits intensiv abgesucht wurde.

Aus Sicherheitsgründen konnten Medienvertreter bei der tatsächlichen Bergung nicht dabei sein. Sie wurde am Donnerstagnachmittag nachgestellt.

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