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Kolumne

Taxi, bitte! Oder lieber doch nicht?

Unseren Autor Hans Graber reut es, für ein Taxi zu bezahlen. Dennoch hat er sich – ganz zur Freude seiner Frau – kürzlich wieder einmal für die Heimfahrt vom Bahnhof im Taxi entschieden. Und prompt hat er's bereut.
Hans Graber
Ein Taxi kommt selten allein. Ein Ungemach ebenso. (Bild: Martial Trezzini/Keystone)

Ein Taxi kommt selten allein. Ein Ungemach ebenso. (Bild: Martial Trezzini/Keystone)

Taxi fahre ich fast nie. Es reut mich, offen gesagt. Dem Täxeler mag ich einen ordentlichen Verdienst gönnen, aber ohne meine Beteiligung. Ich glaube, das habe ich noch von meiner Mutter. Sie war sehr sparsam. Taxifahren war für sie übertriebener Luxus. Eher wäre sie mit gebrochenem Fuss ins Spital gehumpelt als sich ein Taxi zu bestellen. Das hat mich geprägt.

Hinzu kam im Jugendalter, dass im Heimatstädtchen ein Taxifahrer der Vater eines Nebenbuhlers war. Die gemeinsam Angeflehte konnte sich lange nicht entscheiden, tendierte zu meiner Zerknirschung mehr zum Täxeler-Spross, ohne mich freilich völlig fallen zu lassen, um sich schliesslich dann doch ganz (?) auf meine Seite zu schlagen. Trotz gutem Ende hat die Sache mein Verhältnis zu Taxis weiter belastet.

Als Geizknochen würde ich mich nicht bezeichnen, obgleich sich ein partieller Hang zur Knieperigkeit nicht leugnen lässt. Andererseits kann ich Geld bedenkenlos zum Fenster hinauswerfen, etwa fürs leibliche Wohl oder für Unterhaltungselektronik. Zu Hause könnte ich locker einen Showroom «Was man im Leben alles nicht braucht» eröffnen. Super Idee für ein Start-up? (Wobei, ich weiss weiterhin nicht, was eigentlich ein Start-up ist).

Fürs Taxifahren jedoch geht mir das Verschwenderische ab, und es mangelt auch an dieser Souplesse, wie man sie aus Kinofilmen kennt. Mit dem Finger schnippen, hallo Taxi, Taxi hält, mit schwer aufgebrezelter Lady auf Rücksitz gefläzt, amouröses Geturtel und Vorgeplänkel. Geld ist da nie ein Thema. Niemals. Wenn ich selten einmal in einem Taxi sitze und bezahlen muss, schaue ich dauernd bänglich auf die Tarifanzeige und kann mein wachsendes Unbehagen mehr schlecht als recht kaschieren. An ein entspanntes Techtelmechtel wäre nicht mal entfernt zu denken. Aber gut, ich stehe ja auch nicht unbedingt aufs schwer Aufgebrezelte.

Letzten Samstag gab ich mir mal wieder einen Schubs. Meine Frau und ich waren auf der Rückreise von ein paar Tagen Ferien. Da sitzt das Portemonnaie generell lockerer. Es plagte mich zwar während der ganzen langen Zugfahrt, ob wir am Bahnhof Luzern für den letzten Kilometer (Luftlinie) ein Taxi nehmen sollten. Erfahrungsgemäss kostet das etwa 17 Franken. Aber die VBL als die günstigere Variante (2 x Kurzstrecke à 2.50 Franken) schien mir nach einschlägigen Erfahrungen für ein würdevolles Ferienende auch nicht geeignet.

«Wir nehmen ein Taxi», sagte ich vor dem Bahnhof zum Äussersten entschlossen. Meine Frau kennt mich und konnte es kaum fassen. Freudig stieg sie ein. Ich innerlich eher verzagt, aber auch ein bisschen stolz, über meinen Schatten gesprungen zu sein. Die Schikane mit der grossen KKL-Kurve, die bereits die ersten paar Franken verschluckt, ehe man in die richtige Richtung fährt, war schon souverän gemeistert, als wir von einer Ordnungskraft zum Halten genötigt wurden. Vom Bahnhofplatz aus hatte sich eine bunte Menschenmenge in Bewegung gesetzt und zu einem Zug formiert. Mit Getrommel ging’s über die Seebrücke. Eine Demo zur Rettung des Klimas und für eine solidarische Gesellschaft und überhaupt alles. Ich finde es an sich ja löblich, wenn junge Menschen auf die Strasse gehen. Aber warum gerade jetzt? Hat man mir abgepasst? Eine Verschwörung von Täxelern und Demonstranten?

Zuerst hiess es warten, dann war eine Grossumfahrung unumgänglich. Die Heimfahrt mit dem Taxi kostete das Doppelte der geschätzten Summe. Der Taxifahrer – ein ausgesprochen netter Kerl – hat sich mehrfach entschuldigt. Ich sagte «kein Problem» und bin mir fast sicher, dass ich das zu diesem Zeitpunkt sogar ernst gemeint habe. Es gibt so Momente, da ist alles vollkommen egal. Aber nur Momente.

Für Demo-Planer: Vermutlich am 10. August gegen Abend ist für mich wiederum Ferienende.

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