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TAXIS: Die Angst vor dem «Uber-Angebot»

Der Fahrdienst- Vermittler Uber boomt in den Schweizer Städten. In Luzern bietet er seine Dienste zwar noch nicht an. Taxifahrer befürchten trotzdem Schlimmes.
Yasmin Kunz
Vor zwei Monaten in Bern: Taxifahrer aus der ganzen Schweiz protestieren gegen die neue Konkurrenz. (Bild: Keystone/Lukas Lehmann)

Vor zwei Monaten in Bern: Taxifahrer aus der ganzen Schweiz protestieren gegen die neue Konkurrenz. (Bild: Keystone/Lukas Lehmann)

Yasmin Kunz

Nach dem Geschäftsessen mit dem Taxi nach Hause? Bei dieser Frage stellt sich oft die Frage nach dem Preis. Eine Taxifahrt von der Stadt in die Agglomeration Luzern kann schnell 50 Franken kosten. Der Fahrdienst-Vermittler Uber, eine in Amerika gegründete Firma, bietet Taxifahrten zu deutlich günstigeren Preisen an. Ein Beispiel: Eine Fahrt von Zürich nach Winterthur kostet bei einem regulären Taxiunternehmen etwa 100 Franken. Bei Uber zahlt man für die Strecke 50 Franken. In Basel, Zürich, Genf und Lausanne kann man seit rund drei Jahren über eine App vom günstigen Fahrdienst-Vermittler profitieren (siehe Kasten). Noch nicht der Fall ist dies in den Städten Luzern und Zug.

100 000 Kunden in Zürich

Gemäss Rasoul Jalali, Uber-Sprecher für die Schweiz, Deutschland und Österreich, wird der Dienst in der Schweiz rege genutzt. In Zürich hat die App aktuell 100 000 regelmässige Nutzer, die Anzahl der Fahrten ist im Jahr 2015 um fast das Fünffache angestiegen. In den anderen Schweizer Städten bewegt sich der Zuwachs im ähnlichen Rahmen. Weil die Nachfrage derart gross ist, will man gemäss Jalali die Dienste in diesen Städten ausbauen. Das bedeutet, «dass Uber an noch kürzeren Wartezeiten für die Nutzer sowie an höheren Auslastungen für die Partner-Fahrer arbeitet, so dass diese mehr Umsatz erzielen können». Im letzten Jahr habe die durchschnittliche Wartezeit in der Stadt Zürich von 6 auf 4,5 Minuten reduziert werden können. Wie gross der Umsatz von Uber in der Schweiz ist, will Jalali nicht kommunizieren.

Und in Luzern?

In den Zentralschweizer Städten bietet Uber seinen Service wie gesagt noch nicht an. Wenigstens offiziell nicht. «Ich habe das Gefühl, Uber ist schon jetzt aktiv in der Stadt Luzern», vermutet Oskar Imhof, Präsident der Luzerner Taxihaltervereinigung. Es sei aber schwierig, dies zu beweisen, da die Uber-Fahrer verdeckt arbeiten, erklärt der selbstständige Taxichauffeur. Würde Uber seine Vermittlungsdienste in Luzern offiziell anbieten, wäre die Konkurrenz noch grösser als heute, ist sich Imhof sicher. «Die Kuchenstücke würden für alle kleiner werden.»

Dem pflichtet auch André Hess, Geschäftsführer der Taxi Ernst Hess AG, bei. «Wenn Uber kommt, geht unsere Branche kaputt.» Zudem fragt er sich, ob bei dem Fahrdienst-Vermittler alles mit rechten Dingen zugeht. Nicht nur in Luzern ist der Widerstand gross. Auch gesamtschweizerisch bläst Uber ein rauer Wind entgegen. Ende Februar haben Taxiunternehmen aus der ganzen Schweiz in Bern gegen Uber demonstriert, weil die Technologie-Plattform aus den USA den hiesigen die Arbeit wegnimmt. In Genf wurde der Fahrdienst-Vermittler vor­übergehend verboten bis sich Uber den gesetzlichen Bestimmungen anpasste.

In diesen Tagen geben die Taxifahrer weiter Gas und starten eine schweizweite Kampagne gegen Uber. Laut dem «Beobachter» rechnet der Sprecher der Taxi-Sektion Zürich, Roland Höhn, gar mit Streiks, etwa an Flughäfen.

Doch nicht nur unter Taxifahrern häuft sich die Kritik. Auch die Uber-Fahrer selber beklagen sich: über zu wenig Lohn, hohen Druck und fehlende Sozialversicherungsleistungen. Heute Abend stellt sich Rasoul Jalali darum in der «Rundschau» des Schweizer Fernsehens kritischen Fragen.

«Taxifahrer profitieren von Uber»

Für Jalali ist klar: Uber muss seine Vorteile noch mehr in den Fokus rücken und diese besser kommunizieren, um Missverständnisse zu verhindern.

Jalali ist überzeugt, dass auch viele professionelle Taxichauffeure bereits heute von Uber profitieren. «Darüber wird aber nur selten gesprochen», so Jalali. Normale Taxifahrer würden während rund 70 Prozent der Zeit auf Kundschaft warten. «Sie nutzen dann die grosse Nachfrage auf unserer Plattform, um ihre Standzeiten zu verkürzen und mehr Umsatz zu machen», sagt Rasoul Jalali. Das sei für Uber auch kein Problem, sondern ein Gewinn. Er erklärt: «Es geht darum, die vorhandenen Ressourcen effizient zum Wohle des Konsumenten zu nutzen. Nur wenn die Fahrzeuge fahren, können Preise für die Konsumenten reduziert werden.»

Der Luzerner Taxichauffeur Oskar Imhof räumt ein, dass es schlechte Tage gibt. Trotzdem würde er keine Uber-Aufträge annehmen: «Ich bediene lieber meine Kundschaft, auch wenn es sich um kurze Fahrten handelt, als zu Dumping-Preisen zu arbeiten.»

Jalali ist überzeugt, dass Uber der Taxibranche nicht schadet. Er begründet das damit, dass Uber-Nutzer vorher selten bis nie Taxi gefahren sind, wie eine Umfrage gezeigt habe. «Wir nehmen den Taxifahrern also keine Kunden weg. Ganz im Gegenteil: Wir führen ihnen sogar neue Kunden zu.»

Bereits in 400 Städten aktiv

kuy. Der Online-Fahrvermittlungsdienst Uber wurde 2009 in San Francisco gegründet. Anders als herkömmliche Taxis sind Uber-Fahrzeuge nicht als solche zu erkennen: Die Wagen haben keine festen Standplätze und auch kein Uber-Schild auf dem Dach. Der Kontakt zwischen Kunden und Fahrern kommt ausschliesslich über eine Smartphone-App zu Stande.

Mittlerweile kann man auf allen Kontinenten in 70 Ländern und 400 Städten via Uber ein Fahrzeug bestellen.

Bis zu 40 Prozent billiger

Die Kosten für eine Fahrt sind gemäss Uber-Sprecher Rasoul Jalali je nach Dienst rund 40 Prozent günstiger als bei einem regulären Taxiunternehmen. Bei Uber geht es vorwiegend um eine technische Errungenschaft, nicht um den Taxidienst per se. Jalali: «Dass man diesen Service mit nur einer App auf der ganzen Welt nutzen kann, ist einmalig.» In der Schweiz bietet Uber drei verschiedene Dienste an: UberPop, UberX und UberBlack. Das Hauptgeschäft ist UberX. Dabei fahren professionelle Chauffeure Kunden von A nach B. Uber wird vorwiegend von jungen Leuten genutzt, die sich ein Taxi nicht leisten können.

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