Teilzeit auf dem Vormarsch: Immer mehr Luzerner Arbeitnehmer haben kleinere Pensen

Sowohl bei den Frauen wie auch bei den Männern steigt der Anteil Arbeitnehmender, der Teilzeit arbeitet. Zwischen den Geschlechtern gibt es aber grosse Unterschiede.

Roseline Troxler
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Teilzeitarbeit wird auch bei den rund 200'000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern im Kanton Luzern immer beliebter. Und zwar sowohl bei den 96'700 arbeitnehmenden Frauen wie auch bei den rund 102'000 beschäftigten Männern. Dies zeigen neue Zahlen von Lustat Statistik Luzern. Allerdings ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern gross. 81 Prozent der Männer arbeiten 90 Prozent oder mehr, bei den Frauen haben lediglich 39 Prozent ein solch grosses Pensum (siehe Grafik).

33 Prozent der Luzerner Arbeitnehmerinnen sind mit einem Pensum zwischen 50 und 89 Prozent beschäftigt, bei den Männern sind es lediglich 14 Prozent. Weniger als 50 Prozent arbeiten gerade mal 5 Prozent der männlichen Arbeitnehmer im Kanton Luzern. Bei den Frauen sind es deren 28 Prozent.

Anzahl Frauen mit kleinen Pensen steigt

Mit diesen 28 Prozent ist der Anteil der Frauen mit Kleinpensen in Luzern deutlich höher als im Schweizer Schnitt. National weisen 22,7 Prozent der Frauen ein Pensum von weniger als 50 Prozent auf (Zahl von 2018). Während der Anteil national sinkt, ist er in Luzern gestiegen. Mögliche Gründe sieht Barbara Rohner von Lustat Statistik Luzern in kulturellen Unterschieden:

«Im Kanton Luzern herrscht möglicherweise ein traditionelleres Rollenbild vor als in urbaneren Gebieten der Schweiz.»

Es könne ausserdem sein, dass das Angebot an Kinderbetreuung einen Einflussfaktor darstellt.

Auch über beide Geschlechter gesehen ist der Anteil der Beschäftigten in Teilzeitarbeit gestiegen. 2010 haben 87 Prozent der Luzerner Männer Vollzeit oder nahezu Vollzeit gearbeitet. Heute sind es mit 81 Prozent 6 Prozentpunkte weniger. Bei den Frauen sind es mit einem Anteil von 39 Prozent drei Prozentpunkte weniger als noch vor zehn Jahren. Während bei den Männern der Anteil mit einem Pensum zwischen 50 und 89 Prozent zunahm, stieg bei den Frauen der Anteil der Arbeitnehmerinnen mit einem Pensum unter 50 Prozent.

Barbara Rohner sagt dazu: «Es sind in den letzten Jahren vermehrt Frauen ins Erwerbsleben eingestiegen. Viele davon haben Teilzeitstellen angenommen.» In der Tat: In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der weiblichen Arbeitnehmer mit plus 19'000 stärker gestiegen als jene der Männer (plus 11'800). Barbara Rohner führt aus: «Der Anstieg der Teilzeitarbeit bei den Männern könnte darauf zurückgeführt werden, dass diese durch die steigende Berufstätigkeit der Frauen ihr Pensum reduziert haben.» 

Die Auswertung von Lustat zeigt weitere interessante Fakten zur Luzerner Arbeitswelt:

  • Die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit hat in den letzten zehn Jahren um 0,2 Stunden auf 42,2 Stunden pro Woche zugenommen. Dafür wurden die verschiedenen Pensen auf Vollzeitstellen umgerechnet, wie es bei Lustat Statistik Luzern heisst.
  • Durchschnittlich arbeiten Luzerner noch 8,5 Jahre im selben Betrieb, vor einem Jahrzehnt war es mit 8,8 Jahren noch eine leicht längere Zeitspanne.
  • Der Anteil der Luzerner mit fixen Arbeitszeiten hat abgenommen. Von 58 Prozent im Jahr 2010 auf 52 Prozent im vergangenen Jahr. Bei den Frauen ist der Anteil mit fixen Arbeitszeiten mit 57 Prozent (Männer 47 Prozent) deutlich höher. Barbara Rohner erklärt: «Frauen arbeiten häufiger im Detailhandel oder im Gesundheitswesen mit fixen Öffnungs- respektive Arbeitszeiten.»
  • Abgenommen hat im letzten Jahrzehnt die Wochenendarbeit. Leisteten 2010 noch 22 Prozent der Luzerner Arbeitnehmer regelmässig Samstagarbeit, sank dieser Wert 2019 auf 16 Prozent. Auch die Sonntagsarbeit sank von 11 auf 7 Prozent. Ob es an Schwankungen liegt oder andere Gründe zur Abnahme führten, kann Lustat nicht beantworten.
  • Junge Arbeitnehmer zwischen 15 und 39 Jahren leiden häufiger unter Stress bei der Arbeit. Jeder Vierte gab 2017 an, häufig oder meistens Stress bei der Arbeit zu erleben. Fünf Jahre früher war der Anteil noch halb so gross. Barbara Rohner sieht eine mögliche Erklärung darin, dass «Junge parallel zur Arbeitstätigkeit Aus- oder Weiterbildungen absolvieren».