Tempo 20 hat schweren Stand

Sursee denkt über die Aufhebung einer Begegnungszone nach. Ganz allgemein ist die Euphorie dafür verschwunden.

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Sursees Stadtpräsident Ruedi Amrein macht kein Geheimnis daraus: Die Begegnungszone im Bereich der Bahnhofstrasse und des Stadthofs steht zur Debatte. «In unseren Augen wäre an dieser Stelle Tempo 30 durchaus angebracht.» Schon nächstes Jahr könnte eine Signalisationsänderung anstehen. Dabei ist es nicht so, dass man in Sursee per se gegen Begegnungszonen ist. Im Städtli ist diese unbestritten. Die Situation sei dort anders, sagt Amrein. Klarer.

Anders beim Stadthof: Auf der einen Seite haben Fussgänger Vortritt (Begegnungszone), auf der anderen nicht (Tempo-30-Zone). Beidenorts gilt zwar Rechtsvortritt ? aber gilt das auch für Strassen, die über einen Absatz einmünden? «Viele Autofahrer sind verunsichert, wissen nicht recht, was gilt.» Dass dies so ist, liege nicht zuletzt an der Strassenoptik der Begegnungszone. «Wir haben uns nicht getraut, den Bereich platzartiger zu gestalten», sagt Amrein.

Tagsüber klappts, nachts weniger

Getraut hätte man sich schon in Luzern: «Aber bisher fehlten die Finanzen für die Umgestaltung des Theaterplatzes», sagt Martin Urwyler, Projektleiter beim Tiefbauamt der Stadt Luzern. So kommt der Platz auch fünf Jahre nach Einführung der Begegnungszone nach wie vor sehr strassenartig daher. Das Konzept der Begegnungszone funktioniere aber recht gut ? zumindest tagsüber. «Abends, wenn nur noch wenige Fussgänger unterwegs sind, wird das Tempo weniger gut eingehalten.» Anders als in Sursee ist Tempo 30 aber keine Option.

An der Dorfstrasse im Gebiet Sternmatt/Geissenstein ist dies noch nicht klar. Bezüglich der Begegnungszone beim Dorfplatz hatten Anwohner und VBL Bedenken angemeldet: «Die Umgestaltung wurde gerade erst abgeschlossen», sagt Urwyler. «Eine Beurteilung ist frühestens in einem halben Jahr möglich.» Eines ist für ihn jedoch klar: «Die Euphorie in Sachen Begegnungszonen ist vorbei.» Mittlerweile hätten sich nämlich auch die Nachteile des Konzepts gezeigt. Da es weder Trottoirs noch Strassenmarkierungen gebe, fehle es Sehbehinderten an Orientierungspunkten. Und für Kinder, die noch nicht in der Lage sind, Geschwindigkeiten einzuschätzen, könne eine Begegnungszone gar zur Gefahr werden, sagt Martin Urwyler.

Sempach: «Absolut angebracht»

Dass die Euphorie verflogen ist, stellt auch Aschi E. Schmid fest, Teamleiter Verkehrsmassnahmen bei der kantonalen Dienststelle Verkehr und Infrastruktur. «Aber es gibt durchaus Orte, wo dieses Konzept absolut richtig ist.» In Wohnquartieren beispielsweise, wo Kinder spielen, oder bei Strassen mit einer platzartigen Gestaltung, wo viele Passanten unterwegs sind. «Das Städtli Sempach ist sicher ein Beispiel, wo eine Begegnungszone absolut angebracht ist.»

Parkplätze stellen alles in Frage

Das Paradebeispiel könnte allerdings bald verschwinden. An der Gemeindeversammlung vom 29. November entscheidet Sempach über das Parkplatzregime in der Altstadt. Spricht sich eine Mehrheit für die Versetzung der Parkplätze auf die untere Strassenseite aus, wäre es passiert. «Wir müssten dann wohl wieder Tempo 30 einführen», sagt Stadtpräsident Franz Schwegler. Im Sinne des Stadtrates wäre dies nicht: «Wir möchten die Begegnungszone beibehalten, die bisherigen Erfahrungen sind sehr positiv.»