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Tempo 30 im Krienser Zentrum: Befürworter und Gegner kreuzen die Klingen

Die vom Krienser Stadtrat angestrebte Einführung von Tempo 30 auf der Hauptstrasse polarisiert. Im Schappe-Saal wurde am Mittwochabend ein Podium durchgeführt. Ein grosses Thema waren die Erfahrungen aus der Pioniergemeinde Köniz.
Stefan Dähler
Die Luzernerstrasse in Kriens im Gebiet Hofmatt-Bellpark: Hier soll künftig Tempo 30 gelten. (Bild: PD)

Die Luzernerstrasse in Kriens im Gebiet Hofmatt-Bellpark: Hier soll künftig Tempo 30 gelten. (Bild: PD)

Weniger Lärm und Stau, mehr Aufenthaltsqualität. Das versprechen sich die Befürworter von Tempo 30 auf der Hauptstrasse im Krienser Zentrum zwischen Bellpark und Busschleife. Die Gegner befürchten einen Verkehrskollaps. Am Mittwochabend fand zum polarisierenden Thema im Schappe-Saal ein Podium mit rund 100 Besuchern statt. Organisiert wurde es von den FDP-Senioren und der IG attraktives Kriens. Beide Organisatoren befürworten Tempo 30, letztgenannte hat beim Kanton eine entsprechende Petition mit 600 Unterschriften eingereicht.

Zum Einstieg gab es ein Referat von Fritz Kobi, ehemaliger Kreisoberingenieur des Kantons Bern. Er berichtete von den Erfahrungen aus der Agglomerationsgemeinde Köniz, die bereits 2005 Tempo 30 auf der Hauptstrasse eingeführt hatte und Kriens als Vorbild dient. Kobi war damals Projektleiter. Seine Ausführungen waren Wasser auf die Mühlen der Tempo-30-Befürworter. Durch das neue Verkehrsregime habe die Zahl der Unfälle um einen Drittel abgenommen. Die Verkehrsteilnehmer würden besser aufeinander achten. Der Lärm konnte um 2 bis 3 Dezibel gesenkt werden, was gefühlt annähernd einer Halbierung entspreche, so Kobi. Der CO2-Ausstoss sank um 30 Prozent. Weiter hätten die Geschäfte vom attraktiveren Ortskern profitiert.

Auch Autos sind schneller

Die Akzeptanz in der Bevölkerung sei nach anfänglicher Skepsis hoch, so Kobi weiter. Selbst die Autofahrer würden trotz tieferem Tempo das Zentrum schneller durchqueren, da der Verkehr flüssiger sei – mit dem neuen Regime wurden Ampeln und Fussgängerstreifen entfernt. Die Fussgänger können die Strasse nun überall queren, meistens betrage die Wartezeit weniger als zehn Sekunden. Wobei erwähnt werden muss, dass dank besserer ÖV-Verbindungen der Verkehr in Köniz in den letzten Jahren deutlich abgenommen hat. Und so sieht die Hauptstrasse in Köniz aus:

(Bild: Gemeinde Köniz)

(Bild: Gemeinde Köniz)

In der Folge kam es zur Diskussion, die von SRF-Redaktor Raphael Prinz geleitet wurde. Die Contra-Position nahm SVP-Einwohnerrätin Michèle Binggeli ein – die SVP hatte sich im Parlament im Rahmen der Diskussion zum Gesamtverkehrskonzept als einzige Fraktion vollends gegen Tempo 30 im Zentrum ausgesprochen. «Kriens ist nicht Köniz, es gibt weniger Platz», sagte Binggeli. Für Tempo 30 sprach sich Dominik Hertach von der IG attraktives Kriens aus, der an der Hauptstrasse ein Geschäft führt: «Man kann die Massnahme schnell und relativ günstig umsetzen.»

Für Binggeli ein zentrales Gegenargument ist, dass Fussgängerstreifen verschwinden würden. Das führe vor allem bei Schulkindern zu Verunsicherung. Weiter meinte sie, dass schon heute die meiste Zeit der Verkehr flüssig laufe – und dann verlängere sich die Fahrzeit für Autos. Für Hertach ist der Ortskern derzeit unattraktiv und zu wenig belebt, das Gewerbe leide darunter. «Wenn man nichts macht, verkommt das Krienser Zentrum – überspitzt gesagt – zu einer Luzerner Ausfallstrasse.»

Als Vertreter des Krienser Stadtrats, der Tempo 30 ebenfalls befürwortet, kam danach Bauvorsteher Mattias Senn (FDP) zu Wort. Er erklärte, dass die Gemeinde neben der Temporeduktion auf dem entsprechenden Abschnitt noch die Umwandlung der Kreuzung der Hauptstrasse mit der Horwerstrasse in einen Kreisel prüft. Das soll weiter zu einer Verflüssigung des Verkehrs beitragen. Er führte aus, dass die Alternative zu Tempo 30 eine Busspur sein könnte. «Doch diese würde die Trennwirkung der Strasse verstärken.»

Auf Bundesebene steht ein Verbot zur Debatte

In der Folge konnten Zuschauer Fragen stellen. Jemand wollte wissen, ob man Köniz mit Kriens vergleichen kann. Fritz Kobi meinte, man könne das Konzept nicht einfach kopieren, aber Elemente übernehmen. Er wies zudem drauf hin, dass es kaum Ausweichverkehr gebe, weil die Autos auf der Hauptstrasse schneller vorankommen.

Ob im Krienser Zentrum tatsächlich dereinst Tempo 30 eingeführt wird, hängt aber letztendlich auch von höheren Staatsebenen ab. Da es sich um eine Kantonsstrasse handelt, muss der Kanton noch grünes Licht geben. Entsprechende Abklärungen laufen. Allerdings könnten diese hinfällig werden, wenn ein derzeit auf Bundesebene hängiger SVP-Vorstoss durchkommt, mit dem Tempo 30 auf Hauptstrassen aus Lärmschutzgründen verhindert werden soll.

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