TESSIN: Hauch von Süden in «Lucerna»

Das Tessin ist Dauergast an der Luga und verwöhnt die Deutschschweizer mit Risotto. Heuer hat es ein grosses Jubiläum zu feiern.

Beatrice Vogel
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Gabriele Pedrazzetti, Präsident von Pro Ticino Lucerna, geniesst im Grotto Ticinesi an der Luga einen Boccalino. (Bild Eveline Beerkircher)

Gabriele Pedrazzetti, Präsident von Pro Ticino Lucerna, geniesst im Grotto Ticinesi an der Luga einen Boccalino. (Bild Eveline Beerkircher)

Beatrice Vogel

Das Grotto Ticinesi ist legendär und gehört genauso zum Inventar der Luga wie das Säulirennen oder Jodler und Komponist Franz Stadelmann. Seit 1989, als Tessin Gastkanton war, kann man hier Risotto essen. Gestern war auch Gabriele Pedrazzetti mit seiner Frau und einem Tessiner Freund im Grotto. Pedrazzetti ist Präsident des Vereins Pro Ticino Lucerna. Man kennt ihn vom Restaurant Bellini, das heute von seinem Sohn geführt wird. Pro Ticino Lucerna hat dieses Jahr während der Luga sein 100-Jahr-Jubliäum gefeiert.

Hilfe bei der Arbeitssuche

Doch was ist Ziel und Zweck des Vereins? Dazu sagt Gabriele Pedrazzetti: «Früher war Pro Ticino Lucerna eine Hilfsorganisation für Tessiner, die in der Zentralschweiz leben. Sie half bei der Arbeitssuche und bei Sprachproblemen.» Der Verein hat die Kontaktpflege unter Tessinern gefördert – das half gegen Heimweh. «Früher hat man Familie und Freunde lange nicht gesehen. Das Tessin war weit weg», erklärt Pedrazzetti. «Heute ist man in knapp zwei Stunden dort.» Deshalb hat sich der Zweck des Vereins im Laufe der Zeit gewandelt. «Heute geht es vor allem darum, die Kultur und die Sprache zu pflegen», so Pedrazzetti. Durchs Jahr organisiert der Verein verschiedene Anlässe, an welchen man zusammenkommt und Bekannte trifft.

Die Tessiner haben eine besondere Beziehung zur Zentralschweiz. Einerseits, weil es viele Tessiner in Luzern gibt. «Bei der Suva und früher bei der SBB-Direktion brauchte es immer Leute, die Italienisch sprechen», sagt Pedrazzetti. Ausserdem gab es bis vor wenigen Jahren auch immer einen Tessiner Bundesrichter in Luzern. Und mittlerweile gibt es in Luzern rund 150 Tessiner Studenten. Pedrazzetti sagt, die Tessiner hätten einen sehr guten Ruf in Luzern. «Wenn ich sage, dass ich Tessiner bin, freuen sich alle. Wir sind hier sehr willkommen.»

«Gesellschaftliche Aufgabe»

Pro Ticino Lucerna hatte zu Spitzenzeiten in den 50er- und 60er-Jahren bis zu 400 Mitglieder. Heute sind es noch 140. «Die Bedürfnisse haben sich geändert», sagt Pedrazzetti. Unter den Mitgliedern besteht aber nach wie vor ein grosser Zusammenhalt.

An den Feierlichkeiten zum 100-Jahr-Jubliläum war auch Stadträtin Ursula Stämmer zugegen. Auf das Verhältnis zwischen Tessin und Luzern angesprochen, sagt sie: «Die Tessiner sind in Luzern gut integriert. Viele sind politisch aktiv.» Sie selbst habe schon seit ihrer Kindheit eine besondere Beziehung zu den Tessinern. Und ihr Mann singe im Corale Ticinesi mit. «Der Verein Pro Ticino hat eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Er hilft, die Kultur zu pflegen», so Stämmer. Es sei erstaunlich, wie gut der Zusammenhalt heute noch sei. Dies spreche dafür, dass es den Verein nach wie vor brauche. «Pro Ticino steht für Tradition, Gemeinschaft und den Stolz, Tessiner zu sein», fasst sie zusammen.