Teurer Boden bedroht Tennissport im Kanton Luzern

Viele Tennishallen im Kanton Luzern sind veraltet. Doch eine Sanierung ist in vielen Fällen unsicher, weil sich die Areale lukrativer nutzen lassen. Einem Tennisclub auf der Landschaft droht sogar die Auflösung.

Ines Häfliger
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Das Tenniscenter Schenkon soll in den nächsten zehn Jahren abgerissen werden. Der Tennisclub steht vor einer ungewissen Zukunft.  Bild: Corinne Glanzmann (28. Dezember 2018)

Das Tenniscenter Schenkon soll in den nächsten zehn Jahren abgerissen werden. Der Tennisclub steht vor einer ungewissen Zukunft. Bild: Corinne Glanzmann (28. Dezember 2018)

Ein Sport der reichen Elite ist Tennis längst nicht mehr – der Ballsport begeistert die breite Masse: Mit rund 160000 Mitgliedern ist Swiss Tennis der drittgrösste Schweizer Sportverein. Nur der Turn- und Fussballverband sind zahlenmässig stärker. Im Kontrast dazu steht allerdings die Situation der Schweizer Tennishallen. Denn die Zukunft vieler Anlagen ist ungewiss.

Im Grossraum Luzern sind in den nächsten Jahren sieben von neun Tennishallen von der Schliessung bedroht.

Zu diesem Schluss kam 2016 eine Untersuchung von Tennis Zentralschweiz. Berücksichtigt wurden alle gedeckten Tennisanlagen, die der Öffentlichkeit zugänglich sind und maximal 30 Minuten Autominuten von der Stadt Luzern entfernt sind.

An diesen Zukunftsaussichten habe sich inzwischen kaum etwas geändert, sagt Felix Jaray, Präsident von Tennis Zentralschweiz und Amtsleiter für Sport des Kantons Zugs. Er sagt:

«Die Bedrohung ist latent und stabil.»

 Das Problem sei in den meisten Fällen das Alter der Anlagen. Die meisten Tennishallen stammen aus den 1970er Jahren. Das macht sich zum einen an den steigenden Unterhaltskosten bemerkbar. Hohe Heizkosten verlangen beispielsweise nach einer verbesserten Isolation.

Noch entscheidender ist aber, dass viele Grundstücke, auf denen Tennishallen stehen, an Wert gewonnen haben. Den Betreibern sind die Hände gebunden, wenn der Liegenschaftsbesitzer sich für eine lukrativere Option entscheidet – wie etwa den Abriss der Halle zugunsten neuer Wohnungen. Denn eine Goldgrube sei der Betrieb der Tennishallen wahrlich nicht, weiss Felix Jaray. Für eine Partie benötigen die Tennisspieler mehrere hundert Quadratmeter Platz. Zudem ist die Auslastung der gedeckten Hallen während den Sommermonaten schwach. Unter anderem aus diesen Gründen wollten der Kanton und die Stadt Luzern das zentral gelegene Grundstück des Sportcenters Würzenbach anderweitig nutzen. Nun hätten die Behörden die Kündigung des Pachtvertrags zurückgezogen, sagt Marcel Ernst, Präsident des Hallentennisclubs Smash, auf Anfrage. «Es besteht die Aussicht auf eine langjährige Vertragsverlängerung.»

In der folgenden Karte sehen Sie eine Übersicht über die öffentlichen Tennishallen im Kanton Luzern:

Düsterer als im Würzenbach sieht es in Schenkon aus. Dort muss die Anlage definitiv neuen Wohnungen weichen. Doch noch ist es nicht soweit: «Die Detailplanung beginnt frühestens 2025», so Gemeindepräsident Patrick Ineichen. Die konkrete Realisationsphase – gleichbedeutend mit dem Abriss der Halle – beginne voraussichtlich 2028. Die Schliessung des Tenniszentrums hätte laut Martin Stalder, Präsident des TC Schenkon, die Auflösung des Tennisclubs zur Folge. Potenzielle Investoren für eine neue Halle fehlten. Ein harter Schlag – auch für den Tennisclub Sursee. Viele der rund 450 Vereinsmitglieder pendeln in die Nachbargemeinde, um die Schenkoner Halle zu nutzen. Denn der TC Sursee besitzt zwar zur Überbrückung der Wintersaison wie viele andere Tennisvereine eine Traglufthalle –eine über einer stabilen Bodenplatte aufgeblasene, luftdichte Hülle – doch diese sei langfristig gesehen nur eine «Notlösung», meint Martin Stalder.

Das Tenniscenter Schenkon muss einer Wohnüberbauung weichen.  Bild: Corinne Glanzmann (28. Dezember 2018)

Das Tenniscenter Schenkon muss einer Wohnüberbauung weichen.  Bild: Corinne Glanzmann (28. Dezember 2018)

Forderung: Öffentliche Hand soll einspringen

Ein langfristiger Ersatz muss nicht nur in der Region Sursee her. Für Felix Jaray ist die Lage klar: «Die Infrastruktur durch die öffentliche Hand zu ermöglichen, ist der beste Weg für Sportförderung.» Und auch ein Zeichen der Fairness: Schliesslich profitiere der Fussball stark von der Sportförderung. Momentan sei aber nicht Verhandeln, sondern Abwarten angesagt: «Solange keine akute Notlage besteht, werden die Forderungen unseres Vereins kein Gehör finden. Erst wenn eine Halle endgültig schliesst, können wir uns in der Politik bemerkbar machen.»