THEATER: Bankerfamilie ruiniert: Butler ist schuld

Uraufführung von «Strange Case(s) of Dr. Jekyll and Mr. Hyde» im UG des Luzerner Theaters: Im Stück siegt das Böse über das Gute. Doch allzu schlimm ist das nicht.

Kurt Beck
Drucken
Teilen
Schadenfreudiger Butler (vorn): Clemens Maria Riegler, Dagmar Bock und Juliane Lang (von links) in «Strange Case(s) of Dr. Jekyll and Mr. Hyde». (Bild: Luzerner Theater/Ingo Höhn)

Schadenfreudiger Butler (vorn): Clemens Maria Riegler, Dagmar Bock und Juliane Lang (von links) in «Strange Case(s) of Dr. Jekyll and Mr. Hyde». (Bild: Luzerner Theater/Ingo Höhn)

Kurt Beck

Theater im Multipack. Gleich drei verschiedene Theater bekommt das Publikum im UG des Luzerner Theaters zu sehen, wenn es sich für den Besuch einer Vorstellung von «Strange Case(s) of Dr. Jekyll and Mr. Hyde» entschliesst. Allerdings wird dabei thematisch nur ein Motiv in Variationen auf die Bühne gebracht: der Mythos der Doppelpersönlichkeit, den der schottische Autor Robert Louis Stevenson 1886 als Schauergeschichte vom seriösen Dr. Jekyll und seinem monsterhaften und mordenden Alter Ego Mr. Hyde in Romanform herausgebracht hat.

Das Luzerner Theater hat den drei ehemaligen Hausautorinnen Martina Clavadetscher, Verena Rossbacher und Ivna Žic den Auftrag gegeben, je einen Text zum Thema Jekyll/Hyde, respektive in Gut und Böse aufgespaltene Persönlichkeiten, zu schreiben. Entstanden sind drei Monologe, die am Samstag, inszeniert von Marc Wortel, im UG uraufgeführt wurden.

Vielversprechende Affiche

Neue, nie gehörte Texte, ein junger (32), holländischer Regisseur, der in Berlin lebt und mehrere Inszenierungen am Hessischen Landestheater Marburg realisiert hat, und ein Stoff, der in Abgründen der menschlichen Seele taucht: Die Premiere «Strange Case(s) of Dr. Jekyll and Mr. Hyde» versprach, ein spezieller Theaterabend zu werden. Allerdings war es auch eine besondere Herausforderung für Regisseur Wortel, das Textmaterial szenisch umzusetzen. Umso naheliegender war es, die Monologe aufzubrechen und auf mehrere Rollen zu verteilen.

Ziemlich frech ging der Regisseur bei der Umsetzung von Ivna Žics Text vor, indem er sich ungeniert bei Mummenschanz bediente und die Schauspieler im Schwarzlicht bis auf die Münder verschwinden liess. Die inneren Stimmen, welche Ida bedrängen und in den Suizid reden, sind damit hör- und auf gespenstische Weise sichtbar. Hörbar ist am Schluss auch das Warnsignal des herannahenden Zugs, aber nicht das Kreischen seiner Bremsen.

Verliebt in innere Bestie

Als makaberes Puppenspiel setzte Wortel den Text von Martina Clavadetscher um, der von einer Mutter handelt, die sich in die ihr innewohnende Bestie verliebt und zur Kindsmörderin wird. Eine grausige Geschichte, die kontrastiert wird vom herzig-kindlichen Puppenspiel.

Als Schauspiel der herkömmlichen Art kommt die dritte Geschichte daher, in der alle drei Agierenden (Dagmar Bock, Juliane Lang und Clemens Maria Riegler) nicht nur schwarze Schattengestalten, sondern leibhaftig sichtbar sind. Verena Rossbachers Monolog erzählt die Geschichte eines Butlers, der sich für die Kränkungen und die jahrelange Missachtung seiner Dienstherren rächt. In Rückblenden wird die schöne Fassade der Banker-Familie demontiert, ihre bieder-bürgerliche Scheinheiligkeit und Oberflächlichkeit entlarvt. Bei deren Sturz hilft der Butler aktiv mit. Er setzt dem Banker-Gatten nicht nur Hörner auf, sondern sorgt auch aktiv für dessen Ruin.

Am Schluss sind alle tot. Soweit erfüllt der Theaterabend die Erwartungen. Doch zu echtem Schaudern oder gar zum Erschrecken reicht es nicht. Den Texten wie der Inszenierung fehlen dazu die nötige Schärfe und der zupackende Biss. Böses geschieht zwar auf der Bühne, doch wirklich beängstigend ist das nicht.

Hinweis

Nächste Aufführungen von «Strange Case(s) of Dr. Jekyll and Mr. Hyde» im UG des Luzerner Theaters: 24. und 25. Januar, 6., 11., 28. Februar.