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Choreograf Sansano über «Carmen»: «Sie machte alles, was sie gerade wollte»

Gustavo Ramírez Sansano, Choreograf des Stücks «Carmen.maquia» am Luzerner Theater, sagt, warum die Hauptfigur für ihn ein revolutionärer Charakter ist.
Interview: Edith Arnold
Gustavo Ramirez Sansano (Bild: Ingo Hoehn)

Gustavo Ramirez Sansano (Bild: Ingo Hoehn)

Seit der Uraufführung in Chicago 2012 wird «Carmen.maquia» von vier Compagnien gezeigt und von vielen Tänzerinnen verkörpert. Wie wählten Sie die Protagonistin in Luzern aus?

Gustavo Ramírez Sansano: Nach einer Probenwoche legten wir die Besetzung fest. Alle sieben Tänzerinnen hätten Carmen tanzen können. Aurélie Robichon hat für mich etwas Besonderes ausgestrahlt.

Sie tanzte vor vier Jahren bereits in Ihrer «Giselle»-­Choreografie. Was macht «Carmen» aus?

Nicht das Aussehen, sondern der Ausdruck. Damals hatte Aurélie diese Zartheit, nach der ich für Giselle suchte. Inzwischen ist sie noch vielseitiger geworden und strahlt genau das aus, was ich für Carmen passend finde. Diese Zigeunerin kann mit den Augen verführen und manipulieren.

Welcher Typ ist Carmen für Sie?

Georges Bizets Oper wurde 1875 uraufgeführt. Zu dieser Zeit war Carmen eine wirklich mutige Frau. Sie machte alles, was sie gerade wollte. Männer hatten Liebhaberinnen, Macht, Geld. Carmen fühlte sich ebenso frei.

Aber lange zuvor gab es schon emanzipierte Frauenfiguren, etwa Kleopatra, um eine bekannte zu nennen.

Ja, allerdings ist es mit Geld und anderen Reichtümern einfacher, emanzipiert zu sein. Wenn eine Frau der untersten Klasse aber sagt: «Hier bin ich. Und du dort willst mir sagen, was ich zu tun habe, nur weil du reich bist? Nein, ich entscheide – sogar darüber, was du zu tun hast!» Dann ist das schon revolutionär.

Wer könnte Carmen heute sein?

Wenn ich sie kennen würde, möchte ich nicht ihr Freund sein (lacht).

Eduardo Zúñiga war bei der Uraufführung Don José. Jetzt studierte der ehemalige Tänzer am Luzerner Theater als ihr choreografischer Assistent die Rollen mit ein. Was ist bei der Schweizer Erstaufführung neu?

Es kamen neue Teile dazu. Zum Beispiel eine Kampfszene zwischen Don José und Stierkämpfer Escamillo. Ich habe so meine Schwierigkeiten mit Darstellung von Gewalt auf der Bühne. Bei der ersten Version liess ich die Szene weg. Nun fand ich aber die Tools.

Nämlich?

Zuerst kämpfen Don José und Escamillo, ohne sich zu berühren, dann rücken sie sich auf die Pelle. Don José ist viel aktiver, weil ihm Carmen so viel bedeutet. Als Escamillo glaubt, Don José ziehe endlich ab, dreht sich dieser nochmals um und schlägt erneut zu.

Bisher ist das Stück auf einer minimalistischen Bühne inszeniert worden. Die Schwarz-Weiss-Ästhetik bleibt. Wie ist es zur Luzerner Ausstattung gekommen?

Picasso ist hier deutlicher zu sehen denn je. Da dieses Stück nicht auf Tour geht, gibt es weniger Einschränkungen. Während die früheren bewegbaren Bühnenelemente aus Papier waren und eher in die Breite gingen, haben wir hier in die Höhe ragende Holzskulpturen.

Was fasziniert Sie selber an «Carmen»?

Das Stück ist ein Klassiker. Wenn jemandem die Choreografie nicht gefällt, kann er die Augen schliessen und die Musik geniessen! Ich liebe Musik, die mich zum Tanzen bringt. Und von Bizets «Carmen Suite» kann ich nicht genug haben. Ich laufe seit zwei Monaten mit Carmen aus den Kopfhörern durch Luzern.

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