THEATER: «Emil» kehrt nach dreissig Jahren heim

«Emil – Noch einmal», hiess es gestern im Luzerner Theater. Die legen­däre Kabarettnummer Emil Steinbergers begeisterte alte und junge Fans.

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Emil – hier in seiner Rolle als schusseliger Garderobier – hatte «sein» Publikum gestern im Luzerner Theater von Beginn weg auf seiner Seite. (Bild Dominik Wunderli)

Emil – hier in seiner Rolle als schusseliger Garderobier – hatte «sein» Publikum gestern im Luzerner Theater von Beginn weg auf seiner Seite. (Bild Dominik Wunderli)

Simon Bordier

«Emil – No einisch!» oder «Emil – Noch einmal!»? Kabarettist Emil Steinberger (82) wechselt auf seiner aktuellen Tournee durch die Schweiz und Deutschland nach Bedarf vom Dialekt ins Hochdeutsche. Seit Anfang September ist er nach knapp 30 Jahren erstmals wieder mit seinen legendären «Emil»-Nummern unterwegs (Ausgabe vom Freitag). Zum gestrigen Auftritt im ausverkauften Luzerner Theater hätte auch ein dritter Titel gepasst: «Emil – No einisch z’Lozärn!» Schliesslich wurde er in Luzern geboren, hat hier als Postbeamter gearbeitet, später die Luzerner Schule für Gestaltung (die «Kunschti») besucht und dann seine Alltagsbeobachtungen auf unverwechselbare Weise seiner Emil-Figur geliehen.

«Man erkennt sich selbst wieder»

«Die Mimik sitzt genauso gut wie früher», meinte die Besucherin Irma Haas (71) gestern im Gespräch während der Pause der über zweistündigen Vorstellung. Sie habe Emil vor mehr als dreissig Jahren bereits einmal im Theater erlebt. «Ich bin beeindruckt, wie fit und locker er mit 82 noch ist», sagt die Krienserin. Gerade der Sketch des alten, Stumpen rauchenden Mieters, der vom Fenster aus seine Nachbarn beobachte und kommentiere, habe nichts von seiner Aktualität verloren. «Da erkennt man sich ein Stück weit selbst wieder, schliesslich sind wir alle ein wenig neugierig», sagt sie und erntet von ihren Kolleginnen Kopfnicken. Auch passiere es ihr hin und wieder, dass sie sich bei Begegnungen mit sturen Beamten an die Rollen des Kabarettisten erinnere und denke «typisch Emil», anstatt sich über diese aufzuregen.

Auch Urs Tillmanns (70) aus Neuhausen SH hat Emil vor über dreissig Jahren bereits einmal live erlebt. «Ich bin beeindruckt, wie Emil die Sketchs konsequent so spielt wie früher – und dass die Pointen immer noch gleich gut ankommen.» Sein Sohn Rolf Tillmanns (40) aus Merlischachen kannte die Sketchs bisher nur vom Fernsehen. «Fast jeder kennt die eine oder andere Emil-Nummer, und doch bringen sie einen stets von neuem wieder zum Lachen.» Im Theatersaal schätze er die «familiäre Atmosphäre»: «Man merkt, dass die Nummern perfekt sitzen. Doch Emil versteht es zugleich, das Publikum im Nu mit einzubeziehen.»

Dass sich manche Schweizerin oder Schweizer im Alltag «typisch Emil» denkt, weiss auch Emil Steinberger selber, wie er während der Vorstellung erklärt. Zu Luzern im Besonderen hat er sich gestern vor dem Auftritt im Gespräch mit unserer Zeitung geäussert: «Die Auftritte in dem schönen Theatersaal sind schon etwas Besonderes.» Aber er könne keine Eigenheiten des Luzerner Publikums benennen. «Wenn man anfängt, etwa die ‹langsamen› Berner von den Zürchern und Luzernern zu unterscheiden, verfällt man schnell in Klischees.» Steinberger, der heute mit seiner Frau Niccel Steinberger in Basel lebt, fühlt sich der Stadt aber emotional verbunden. «Das ist wie bei einem Fussballclub: Man bleibt ihm treu, auch wenn man in eine andere Stadt zieht.»

Und wie bewältigt er die fast 100 Auftritte, die ihn auf seiner einjährigen «Emil»-Tournee erwarten? «Ich darf auf die Unterstützung meiner Frau zählen und mich ganz aufs Spielen konzentrieren.» Er stelle sich keine grossen Fragen – «einfach reinspringen», meint er.