THEATER: Erfolgreich in drei Sparten

Mit Schauspiel, Musiktheater und Ballett bedient das Luzerner Theater sein Publikum. Das Haus gehört damit zu den ältesten Dreispartenbetrieben der Schweiz, auch wenn der Tanz erst spät professionell betrieben wurde.

Kurt Beck und Fritz Schaub
Drucken
Teilen
Backstage: Fundusverwalterin Margo Gadient im Südpol in Kriens. (Bild: Philipp Schmidli)

Backstage: Fundusverwalterin Margo Gadient im Südpol in Kriens. (Bild: Philipp Schmidli)

Der Weg zum modernen Theater

Im ersten Jahrhundert seines Bestehens funktionierte das Luzerner Theater als Pachtbetrieb. Das bedeutete, dass die Stadt als Eignerin Direktoren von professionellen Schauspieltruppen nach Luzern berief, die im Haus an der Reuss ihr Repertoire aufführten. Je nach Erfolg oder Misserfolg wechselten die Direktionen bereits nach einem Jahr. Andere bestritten mehrere Spielzeiten wie beispielsweise Hans Edmund, der von 1915 bis 1924 das Haus als Direktor führte. Insgesamt zählte das Theater in den rund hundert Jahren 49 Direktionen. Bemerkenswert: 1854 und 1880 fand sich kein Pächter für das Theater.

Masse als Klasse

Auf dem Spielplan standen durch all die Jahre Schauspiel und Musiktheater, wobei das Schauspiel meist überwog. Oft wurde von den Pachtdirektoren mehr Masse als Klasse auf die Bühne gebracht. Vor allem anfangs wurden Klassiker und Problemstücke auf Kosten von Kassenfüllern vernachlässigt. Doch die Masse konnte beachtliche Ausmasse annehmen. Direktor Hans Kolbe, der 1913/14 das Haus leitete, realisierte in Luzern innert sechs Monaten 33 Schauspiele, 20 Opern und 22 Operetten. Gar auf 97 Premieren brachte es Hans Edmund. War eine Premiere schlecht besucht, wurde das Stück kurzerhand vom Spielplan gestrichen. Zum Vergleich: In der aktuellen Spielzeit des Luzerner Theaters stehen insgesamt 22 Premieren (7 Musiktheater, 11 Schauspiel, 4 Tanz) auf dem Programm.

Die Geschichte des Schauspiels am Luzerner Theater verzeichnet aber auch etliche Highlights. Bereits in der zweiten Spielzeit war den Luzernern mit dem Engagement von Charlotte Birch-Pfeiffer als Direktorin ein Theatercoup gelungen. Charlotte Birch-Pfeiffer war ein Star der Szene und die meistgespielte Autorin des 19. Jahrhunderts. In Luzern inszenierte sie nicht nur eigene Werke, sondern auch Klassiker von Schiller und Lessing.

Das Luzerner Theater konnte sich schon früh mit grossen Schauspielernamen brüsten. 1857 war der damals berühmte afrikanische Tragöde Ira Aldrich in zwei Shakespeare-Inszenierungen zu sehen. Neben diesem Bühnenstar kamen in jenen frühen Jahren zahlreiche renommierte Hofschauspieler aus Paris, Wien, Berlin und St. Petersburg nach Luzern.

Mit einer annähernd so valablen Besetzung glänzte das Luzerner Theater erst 50 Jahre später wieder. Während des Ersten Weltkriegs begeisterte der internierte Mime Alexander Moissi das Luzerner Publikum. In der gleichen Zeit gastierten weitere bekannte Schauspieler, die dem Krieg entflohen, in Luzern. Mit ähnlicher Starbesetzung konnte Luzern erst wieder in den 1940er-Jahren aufwarten, als Maria Becker, Therese Giehse oder Leopold Biberti auf der Bühne des Stadttheaters zu sehen waren.

Erstes festes Ensemble

Doch Entscheidendes für die Entwicklung des Hauses geschah bereits 1931. In diesem Jahr hatte die Stadt beschlossen, das Haus in eigener Regie zu führen, und als Direktor Gottfried Falkenau verpflichtet, der das erste feste Ensemble des Hauses gründete und das Theater bis 1937 führte. Damit verabschiedete sich das Luzerner Theater von seiner 100-jährigen Tradition und wandelte sich schrittweise zum modernen Regietheater.

In der Gegenwart angekommen ist das Luzerner Theater unter der Direktion von Albert Wieser, der das Haus von 1947 bis 1953 leitete und eine Reihe von zeitkritischen Schweizer Erstaufführungen auf die Luzerner Bühne brachte, die allerdings beim Publikum nur mässig ankamen. Unter seiner Direktion startete das Stadttheater 1950 die Zusammenarbeit mit den Internationalen Musikfestwochen, zu denen das Theater ein hochkarätig besetztes Schauspiel beitrug.

Auch Walter Oberer forcierte in seiner Direktionszeit (1957–1960) das zeitgenössische Theater mit Schweizer und deutschsprachigen Erstaufführungen von Autoren wie Ionesco, Claudel, Agatha Christie oder Tennessee Williams. Oberers Direktionszeit gilt als eine der fruchtbarsten in der Geschichte des Luzerner Theaters.

Glanzstunde des Theaters

Seit Horst Gnekow, der von 1960 bis 1968 als Direktor das Haus führte, wird das Verhältnis des Theaters zum Publikum in den Vordergrund gerückt. Gnekow selber stellte die Zuschauer ins Zentrum seiner Arbeit. Ohne sich allerdings programmatisch anzubiedern. Eine Inszenierung von Harold P. Heimkehr führte zu eine Interpellation im Stadtrat und zu heftigen Angriffen auf den Theaterdirektor, dem man schlechte Einflussnahme auf Jugendliche vorwarf. Eine Glanzstunde bescherte Gnekow den Luzernern mit seiner Erstaufführung des Stücks «Die Verfolgung und Ermordung des Jean Paul Marat», die von Publikum und Kritik als Sensation gefeiert wurde.

Jean-Paul Anderhub war es, der das Schauspiel in Luzern in den 1980er- Jahren prägte. Er verankerte das Theater in der Region, indem er regionale Autoren, Laienspieler und Musiker in die Produktionen miteinbezog. Die Nachwuchsförderung wurde unter den nachfolgenden Direktionen von Horst Statkus (1987–1999) und Barbara Mundel (1999–2004) konsequent fortgesetzt. Allerdings bekundete ein erheblicher Teil des Publikums zunehmend Mühe mit der Arbeit von Barbara Mundel. In der Folge löste die Direktorin ihren Vertrag vorzeitig auf. Ihrem Nachfolger Dominique Mentha (seit 2004) gelang es, den Zuschauerschwund erfolgreich zu stoppen und mit seinem «Entdeckertheater» neues Publikum für das Luzerner Theater zu generieren.

Musiktheater: Grosse Oper im kleinen Haus

Was den Spielplan des Musiktheaters betrifft, bildeten auch in Luzern die grossen, bis heute populären Standardwerke vorab von Mozart, Giuseppe Verdi, Puccini und Wagner die Schwerpunkte, obwohl Theaterleute wie der ehemalige Direktor Walter Oberer (1957–1960) immer wieder darauf hinwiesen, dass das Luzerner Theater ideal sei für die Spiel- oder Kammeroper. Unter seiner Ägide wurden bisher nicht gespielte Opern von Georg Friedrich Händel und Joseph Haydn aufgeführt. Oberers Nachfolger Horst Gnekow (1960–1968), ein grosser Verfechter Bertolt Brechts, brachte «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagony» und «Die sieben Todsünden», beide von Bertolt Brecht und Kurt Weill, zur schweizerischen Erstaufführung.

Bekannte Namen

Ulrich Meyer-Schoellkopf (1972–1982) führte die Schweizer Komponisten Othmar Schoeck und Franz Xaver Schnyder von Wartensee auf und engagierte sich auf besondere Weise für die Belcanto-Oper. Massgebend zur grossen Resonanz im Musiktheater trugen die musikalischen Oberleiter Marcello Viotti, Olaf Henzold und Jonathan Nott bei, unter dessen Stabführung erstmals Alban Bergs «Wozzeck» aufgeführt wurde.
Von Notts hervorragender Aufbauarbeit im neu entstandenen KKL profitierte das Luzerner Sinfonieorchester auch im Orchestergraben entscheidend. Wagner, der bei seinem Aufenthalt auf Tribschen achtlos am Musentempel vorbeigegangen war, fehlte nicht im Spielplan und auch nicht die grossen Verdi-Opern «Aida», «Don Carlo», «Otello» und «Falstaff», ja sogar die Grand Opéra mit Meyerbeers heute weitgehend vergessenen Opern «Les Huguenots», «Le Prophète» und «Robert le Diable» hielt Einzug auf der kleinen Bühne.

Früher empfand man die Raumverhältnisse des Theaters offenbar noch nicht als so eng, und noch in der Saison 2002/03 wurde Wagners «Der fliegende Holländer» aufgeführt. Daneben aber betätigte sich das Luzerner Theater als Entdeckertheater und richtete sich erfolgreich in Nischen abseits des Mainstreams ein, sei es mit der Pflege zeitgenössischer oder aber wenig bekannter, von den Bühnen zu Unrecht vernachlässigter Werke.

So hatte Luzern etwa Anteil an der Renaissance der frühen Verdi-Opern («I Masnadieri», «I due Foscari») oder brachte Werke der italienischen Frühromantik (Bellinis «I Capuleti ed i Montecchi», Donizettis «Maria Stuarda») oder die Verismo-Oper «Adriana Lecouvreur» von Francesco Cilea zur vielbeachteten schweizerischen Erstaufführung.

Ein Beleuchtungsmeister kontrolliert eine Farbfolie im Luzerner Theater (Bild: Philipp Schmidli)
50 Bilder
Seit zehn Jahren leitet Dominique Mentha (58) das Luzerner Theater (Bild: Philipp Schmidli)
Ein Bühnentechniker auf dem Schnürboden beim Luzerner Theater (Bild: Philipp Schmidli)
Ein Schlosser in der Werkstatt des Luzerner Theater (Bild: Philipp Schmidli)
Gemäss dieser Vorlage wird ein Bild gemalt. (Bild: Philipp Schmidli)
Zwei Theatermaler in der Werkstatt des Luzerner Theater (Bild: Philipp Schmidli)
Zwei Theatermaler in der Werkstatt des Luzerner Theater (Bild: Philipp Schmidli)
Ein Bühnentechniker auf dem Schnürboden beim Luzerner Theater (Bild: Philipp Schmidli)
Damenschneiderinnen an der Arbeit (Bild: Philipp Schmidli)
Eine Damenschneiderin bei der Arbeit (Bild: Philipp Schmidli)
Eine Damenschneiderin bei der Arbeit (Bild: Philipp Schmidli)
Herrenschneiderinnen bei der Arbeit (Bild: Philipp Schmidli)
Eine Herrenschneiderin bei der Arbeit (Bild: Philipp Schmidli)
Eine Requisiteurin bei der Arbeit (Bild: Philipp Schmidli)
Eine Herrenschneiderin bei der Arbeit (Bild: Philipp Schmidli)
Ein Beleuchter bei seiner Arbeit (Bild: Philipp Schmidli)
Maskenbildnerinnen knüpfen Perücken (Bild: Philipp Schmidli)
Maskenbildnerinnen knüpfen Perücken (Bild: Philipp Schmidli)
Perücken in der Maske (Bild: Philipp Schmidli)
Durch diese Türe wird Material ins Luzerner Theater befördert. (Bild: Philipp Schmidli)
Bühnentechniker bei der Arbeit (Bild: Philipp Schmidli)
Theatermalerei in der Werkstatt des Luzerner Theater (Bild: Philipp Schmidli)
Styropor-Köpfe in der Maske beim Luzerner Theater (Bild: Philipp Schmidli)
Zwei Schreiner in der Werkstatt des Luzerner Theater (Bild: Philipp Schmidli)
Eine Theatermalerin in der Werkstatt des Luzerner Theater (Bild: Philipp Schmidli)
Eine Theatermalerin in der Werkstatt des Luzerner Theater (Bild: Philipp Schmidli)
Eine Requisiteurin des Luzerner Theater im Requisitenfundus des im Südpol Kriens (Bild: Philipp Schmidli)
Eine Requisiteurin des Luzerner Theater im Requisitenfundus des im Südpol Kriens (Bild: Philipp Schmidli)
Tanzprobe im Südpol Kriens (Bild: Philipp Schmidli)
Kostümfundus des Luzerner Theater im Südpol Kriens (Bild: Philipp Schmidli)
Kostümfundus des Luzerner Theater im Südpol Kriens (Bild: Philipp Schmidli)
Kostümfundus des Luzerner Theater im Südpol Kriens (Bild: Philipp Schmidli)
Fundusverwalterin Margot Gadient Rossel im Kostümfundus des Luzerner Theater im Südpol Kriens (Bild: Philipp Schmidli)
Fundusverwalterin Margot Gadient Rossel im Kostümfundus des Luzerner Theater im Südpol Kriens (Bild: Philipp Schmidli)
Kostümfundus des Luzerner Theater im Südpol Kriens (Bild: Philipp Schmidli)
Fundusverwalterin Margot Gadient Rossel im Kostümfundus des Luzerner Theater im Südpol Kriens (Bild: Philipp Schmidli)
Tanzprobe im Südpol Kriens (Bild: Philipp Schmidli)
Probe der Oper «Die Antilope» im Luzerner Theater (Bild: Philipp Schmidli)
Probe der Oper «Die Antilope» im Luzerner Theater (Bild: Philipp Schmidli)
Probe der Oper «Die Antilope» im Luzerner Theater (Bild: Philipp Schmidli)
Probe der Oper «Die Antilope» im Luzerner Theater (Bild: Philipp Schmidli)
Probe der Oper «Die Antilope» im Luzerner Theater (Bild: Philipp Schmidli)
Probe der Oper «Die Antilope» im Luzerner Theater (Bild: Philipp Schmidli)
Theater-Direktor Dominique Mentha bei der Probe der Oper «Die Antilope» im Luzerner Theater (Bild: Philipp Schmidli)
Probe der Oper «Die Antilope» im Luzerner Theater (Bild: Philipp Schmidli)
Probe der Oper «Die Antilope» im Luzerner Theater (Bild: Philipp Schmidli)
Probe der Oper «Die Antilope» im Luzerner Theater (Bild: Philipp Schmidli)
Probe der Oper «Die Antilope» im Luzerner Theater (Bild: Philipp Schmidli)
Probe der Oper «Die Antilope» im Luzerner Theater (Bild: Philipp Schmidli)
Probe der Oper «Die Antilope» im Luzerner Theater (Bild: Philipp Schmidli)

Ein Beleuchtungsmeister kontrolliert eine Farbfolie im Luzerner Theater (Bild: Philipp Schmidli)

Barbara Mundels Zwischenspiel

Unter der Intendanz von Barbara Mundel (1999–2004) fand das Theater nach ersten tastenden Versuchen bereits in der Ära Walter Oberer Anschluss an die fast alle grossen Bühnen erfassende Renaissance der Barockoper (Joseph Bodin de Boismortier, Händel, Christoph Willibald Gluck, Henry Purcell, Jean-Baptiste Lully) und an das zeitgenössische Musiktheater (Salvatore Sciarrino, Luciano Berio, Olga Neuwirth). Damit lenkte das Theater wie kaum je zuvor die Aufmerksamkeit ausländischer Medien auf sich und konnte den ihm lange anhaftenden Ruch des Provinziellen abstreifen. Im Rahmen der Internationalen Musikfestwochen (Lucerne Festival) leistet das Luzerner Theater  seit einigen Jahren regelmässig auch international wahrgenommene Eigenproduktionen.

Ballett: Wechselvoller Tanz zum Erfolg

Luzern ist mittlerweile das älteste Dreispartentheater der Schweiz. Neben Schauspiel und Musiktheater pflegt das Luzerner Theater auch den Tanz. Doch im Gegensatz zu den anderen Sparten verfügt das Haus erst seit 1939 über ein eigenes Ballett. Zwar wurde schon früher auf der Luzerner Bühne getanzt, doch meist im Rahmen von Operninszenierungen.

Ab den 1920er-Jahren waren es vorwiegend Tanzaufführungen von Gastspieltruppen und wechselnden Tanzmeistern, die das Publikum zu sehen bekam. Mitunter traten in Luzern in dieser Zeit auch internationale Stars der Tanzszene auf, wie beispielsweise die Wiener Tänzerin und Choreografin Grete Wiesenthal oder die beiden New Yorker Tänzer Tril Gadescow und Ellen Sindig.

Erste Ballettmeisterin

1939 trat Jacqueline Farelly ihre Stelle als erste Tanzdirektorin am Luzerner Theater an. Sie konnte allerdings noch nicht auf eine professionelle Truppe bauen, sondern arbeitete mit talentierten und mehr oder weniger gut ausgebildeten Amateuren. Von 1946 bis 1957 leiteten Bice und Daniel Scheitlin das Tanztheater. Sie waren es, welche die erste professionelle Compagnie in Luzern aufbauten. Sie führten auch zum ersten Mal eigene Ballettproduktionen und ganze Handlungsballette auf.

Liebling des Publikums

Der Westschweizer Ballettpionier Jean Deroc leitete das Luzerner Ballett von 1957 bis 1959. Er professionalisierte die Tanztruppe, indem er ein gut ausgebildetes, international erfahrenes Ensemble verpflichtete. Deroc choreografierte nicht nur selber, er trat auch selber auf und war beim Luzerner Publikum als Tänzer von grosser Ausdruckskraft beliebt.

Hohes Niveau

In den 1960er-Jahren durchlebte das Luzerner Ballett eine eher flaue Phase. Um dem Ruf der Provinzialität zu begegnen, holte Direktor Ulrich Meyer den international renommierten Tänzer Riccardo Duse als Ballettmeister und Choreograf nach Luzern. Duse leitete das Ensemble von 1972 bis 1979 und von 1985 bis 1988. Das Luzerner Ballett erreichte unter seiner Führung ein bemerkenswert hohes Niveau. Er holte auch Gastchoreografen wie Heinz Spoerli nach Luzern und überraschte das Luzerner Publikum mit Grossproduktionen wie «Giselle» oder Tschaikowskys «Nussknacker».

Eine Zäsur erfuhr das Luzerner Tanztheater unter der Direktion von Barbara Mundel, die 1999 das Haus übernahm, die Schauspiel- und Opernensembles fast vollständig auswechselte und das Ballett zu Gunsten eines «choreografischen Zentrums» auflöste. Nach ihrem vorzeitigen Abgang machte der aktuelle Direktor Dominique Mentha das Experiment rückgängig, indem er Kathleen McNurney als künstlerische Leiterin nach Luzern holte, die ein neues, höchst erfolgreiches Tanzensemble in Luzern aufgebaut hat.
Kathleen McNurney ist seit fünf Jahren Künstlerische Leiterin des Tanzes am Luzerner Theater. Die US-Amerikanerin gehörte nach ihrer Ausbildung in New York bis zu ihrem Karriereende als Tänzerin der Compagnie des Basler Theaters an. Als Ballettmeisterin war McNurney an verschiedenen Häusern in der Schweiz und in Deutschland engagiert. Als choreografische Assistentin arbeitete sie auch massgeblich an Kreationen von Heinz Spoerli, Richard Wherlock, Pierre Wyss sowie Patrick Delcroix mit.

Viele Karrieren starten in Luzern

Ein kleines und im Vergleich zu anderen Häusern finanziell eher bescheiden ausgestattetes Theater kann sich «Traumbesetzungen» nicht leisten. Denn im Gegensatz zu Konzerten, die Stars für einen Abend verpflichten können, dauern Engagements am Theater länger und kosten entsprechend mehr Geld: «Mit bestandenen Gästen bewegt man sich da zwangsläufig im Mittelmass», bringt es Intendant Dominique Mentha auf den Punkt.

Einen Ausweg aus dem Dilemma bietet die Rolle als Sprungbrett-Bühne, zu der Luzern früh fand und die es mit einer konsequenten Talentsuche bis heute erfolgreich wahrzunehmen vermag.

Attraktiv für junge Talente

Neben einzelnen Regisseuren (von Georges Delnon über Barbara Mundel bis Tatjana Gürbaca) gibt es vor allem viele Sänger, die von Luzern aus oder über ein Engagement im Luzerner Ensemble international Karriere machten: Das reicht von Inge Borkh, Edith Mathis oder Alfred Muff über den Tenor Ramón Vargas bis – ganz aktuell – zur Sopranistin Regula Mühlemann und Mauro Peter. Hinzu kommt, dass das Luzerner Theater seit einigen Jahren im Rahmen von Lucerne Festival eigene Produktionen beisteuert, die auch international wahrgenommen werden.

Die Chancen, sich als Sprungbrettbühne einen Namen zu machen, dürften auch in Zukunft intakt bleiben: «Sänger müssen ihre Stimme schrittweise aufbauen», sagt Mentha dazu: «Deshalb ist ein kleineres Haus auch für hoch talentierte junge Sänger attraktiv.»

Symbiose mit Spannungen

Das Luzerner Sinfonieorchester, dessen Anfänge bis ins Jahr 1806 zurückreichen, ist mit dem Luzerner Theater traditionell eng verbunden. Noch heute leistet es im Theater rund zwei Drittel seiner Dienste, ein Drittel ist für die Sinfoniekonzerte im KKL reserviert.

Profitable Verbindung

Von dieser Verbindung profitierten beide Institutionen. Dank dem Orchester konnte das Luzerner Theater zugkräftige Operetten und Opern zeigen. Dem Orchester verhalfen die Aufträge im Theater umgekehrt zu einer Existenzgrundlage, für die die einst spärlichen Kursaal-Konzerte nicht gereicht hätten. Das spiegelt sich auch in der aktuellen Finanzierung. So erhält das Luzerner Sinfonieorchester vom Zweckverband grosse Kulturbetriebe (Kanton: 70, Stadt: 30 Prozent) eine Subvention von drei Millionen Franken. Die Tätigkeit des LSO im Theater wird über dessen Budget mit zusätzlichen vier Millionen Franken an öffentlichen Subventionen finanziert.

Balance verschoben

Die Eröffnung des KKL, die – privat finanzierte – Vergrösserung und der Aufschwung des Orchesters im KKL führte allerdings auch zu Spannungen. Weil der Bedarf an Konzertdiensten stieg, verschob sich die Balance auch mal geringfügig in diese Richtung. Vor allem aber genügt das heutige Theater mit seinem kleinen Orchestergraben in vielen Repertoirebereichen nicht mehr dem neuen, im Konzertbereich etablierten Standard des Orchesters, dessen internationales Profil sich in zahlreichen Gastspielen in Europa und Asien sowie in den  zahlreichen CD- und DVD-Aufnahmen widerspiegelt.