Theater
Lebendig inszenierter Tod im Jugendtheater Willisau

Das Jugendtheater Willisau lädt zur theatralen Ausstellung und überrascht auf drei Etagen.

Yvonne Imbach
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Regissieurin Eva Lichtsteiner ist auf die Reaktionen des Publikums gespannt.

Regissieurin Eva Lichtsteiner ist auf die Reaktionen des Publikums gespannt.


Bild: Yvonne Imbach (Willisau, 26. Mai 2021)

Hinter dem Jugendtheater Willisau liegt keine gewöhnliche Probezeit. Meist trafen sich die sieben Spielerinnen und das Produktionsteam im digitalen Raum. Und wenn es die Umstände zuliessen, sich vor Ort zu sehen, dann coronakonform mit Abstand und Maske. Die Frage stand im Raum: Ist Theaterspielen so überhaupt möglich? Kreative Wege wurden gesucht und mittels unzähliger Zoom-Meetings auch gefunden. Die jungen Frauen zwischen 14 und 23 Jahren entschieden sich, das Thema des «letzten Vorhangs auf der Bühne des Lebens» zu beleuchten. Klar war, dass es kein normales Bühnenstück mit Publikum geben würde.

In Zehnergruppen von Raum zu Raum

Aussergewöhnliche Zeiten verlangen aussergewöhnliche Projekte: Heute darf die neue Produktion mit dem Titel «And Then We Die?» Premiere feiern. Gezeigt wird eine theatrale Ausstellung, die sich über alle drei Etagen des Willisauer Zeughauses «I der Sänti» erstreckt. In vier Zeitfenstern und Zehnergruppen werden die Zuschauerinnen und Zuschauer ins Gebäude eingelassen. Selbständig darf man sich von unten nach oben von Raum zu Raum bewegen und zwischen den gespannten schwarzen Tüchern in die Welt des Morbiden eintauchen.

Quasi als «schwarzer» Faden durch die Erlebnisräume zieht sich die Geschichte von Orpheus und Eurydike aus der griechischen Mythologie: Nach dem Tod seiner Eurydike stieg Orpheus in die Unterwelt hinab, um sie zu befreien. Die verschiedenen Stationen handeln von Tod, Vergangenheit und Zukunft, von Leben und Unsterblichkeit. Dies immer sensibel und intelligent umgesetzt.

Ein Thema, zwei Perspektiven

Regisseurin Eva Lichtsteiner, mitverantwortlich für Ideen, Umsetzung und Produktionsleitung, erklärt bei einem Rundgang vor der Premiere:

«Die Ausstellung zeigt im Grunde zwei Perspektiven auf. Die witzige, schwarzhumorige Seite des Todes – und die grosse Trauer, die ein Abschied auslösen kann.»

Wie diese Inszenierungen wirken, ist überaus überraschend, lebendig und ideenreich. Ein Leichenwagen-Oldtimer (den gab es tatsächlich für wenig Geld im Internet zu kaufen) oder ein echter Sarg zum Probeliegen, sind die visuellen Höhepunkte. Um alle Stationen erleben zu können, bringen die Zuschauenden ihre Smartphones mit Kopfhörer mit.

Spieldaten: 28. Mai bis 19. Juni. Zeughaus «I der Sänti» Willisau. Vorverkauf: www.jugendtheater-willisau.ch oder bei der Papeterie Imhof, Telefon 041 970 14 34.