THEATER: Vom kleinen Prinzen und grossen Emotionen

Im Vollgastheater spielen behinderte und nichtbehinderte Schauspieler einen Klassiker. Die Geschichte bietet Platz für spontane Inhalte.

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Fabio Arnold als der kleine Prinz und Angela Blattmann als die Rose. (Bild: Dominik Wunderli (2. Dezember 2016))

Fabio Arnold als der kleine Prinz und Angela Blattmann als die Rose. (Bild: Dominik Wunderli (2. Dezember 2016))

Das schmale Büchlein «Der kleine Prinz» von Antoine de Saint-Exupéry steht in fast jeder Hausbibliothek. Das berühmteste Zitat daraus lautet: «Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.» Besser könnte man das Spiel des Vollgastheaters nicht umschreiben, zielt doch ihre Interpretation der Erzählung vom kleinen Buben, der von seinem Stern gefallen und auf der Erde gelandet ist, direkt ins Herz.

In Fragmenten erzählen die Figuren die Geschichte über Kindheit, Erwachsenwerden und Freundschaft. Sie vermitteln dabei berührend, wie es sein könnte, wenn sich Fremde begegnen und sich wohlwollend aufeinander einlassen.

«Wir sind ein ganz normales Theater»

Dieses Jahr stehen 13 Spielerinnen und Spieler für das Vollgastheater auf der Bühne. Die Theatergruppe ist sehr vielschichtig, sowohl vom Alter (Jugendliche und Erwachsene stehen auf der Bühne) als auch von den Fähigkeiten der Spieler, weil die Laiengruppe aus behinderten und nichtbehinderten Menschen besteht. Hinter dem Vollgastheater steht Insieme Luzern, ein Verein, der sich für Menschen mit geistiger Behinderung und deren Angehörige einsetzt. Insieme-Geschäftsleiter Daniel Hasler: «Wir sind ein ganz normales Theater, nur ein bisschen anders.»

Es ist das erste Mal, dass das Vollgastheater eine vorgegebene Geschichte einstudiert hat. «Der kleine Prinz» soll keine Kindergeschichte sein, sondern sich primär an Erwachsene richten. Unterstützt wird das sensible Spiel von einer vierköpfigen Band, die auch aus behinderten und nichtbehinderten Menschen zusammengesetzt ist. Für die musikalische Leitung und die ins Ohr gehenden Kompositionen ist Silvano Stanga verantwortlich. Regie führte Raschid Kayrooz, der auf gut 15 Jahre Regiearbeiten mit Behinderten zurückblickt. Mit den Spielerinnen und Spielern des Vollgastheaters hat er seit Anfang 2016 geprobt.

Ein Textbuch gab es nicht

Kayrooz erklärt: «Ich sehe keine Behinderungen, höchstens Grenzen. Diese Grenzen dürfen nicht überschritten werden. Stärken möchte ich fördern und die Spieler darin unterstützen, Neues zu wagen.» Er erfuhr ein grosses Vertrauen. «Wir starteten mit Improvisationen, nachdem alle die Geschichte zum Anhören bekommen hatten. Ein Textbuch gab es nicht. Dies bot auch Platz für mehr Inhalte, die von Mal zu Mal spontan dazukommen können.»

Yvonne Imbach

stadt@luzernerzeitung.ch

Hinweis:Restkarten für die Zusatzaufführung am Samstag, 10. Dezember, 17 Uhr, erhältlich. Reservationen: www.vollgastheater.ch. Theater Pavillon Spielleute, Luzern.