Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

THEATER: «Zwei Fliegen mit einem Schlag»

Für Regierungsrat Reto Wyss (CVP) ist Kultur eine der grossen Stärken des Kantons Luzern. Deshalb kämpft er für das neue Theater.
Interview Hugo Bischof
Auf dem Luzerner Inseli – in unmittelbarer Nähe zum KKL – soll die Salle Modulable dereinst gebaut werden. (Bild: Visualisierung PD)

Auf dem Luzerner Inseli – in unmittelbarer Nähe zum KKL – soll die Salle Modulable dereinst gebaut werden. (Bild: Visualisierung PD)

Interview Hugo Bischof

Reto Wyss, der Standort ist umstritten, die Bau- und Betriebskosten sind zu hoch. Nun haben sich auch die Projektierungskosten fast verdoppelt, von 6,5 auf 12 Millionen Franken. Hand aufs Herz, glauben Sie noch an das Projekt Salle Modulable?

Reto Wyss: Ja. Ich bin davon sehr überzeugt. Für das Projekt Neues Theater Luzern/Salle Modulable stehe ich hin, dafür kämpfe ich. Es war immer absehbar, dass es ein anspruchsvolles Projekt ist. Politik ist die Kunst des Möglichen, sagt man. Aber ebenso sehr ist es Aufgabe und Pflicht der Politik, in die Zukunft zu denken und für weiterführende Projekte hinzustehen. Sonst wäre der Kanton Luzern nie zu einem KKL gekommen, auf das heute alle stolz sind. Das Projekt ist nicht nur für die Kultur wichtig, sondern auch für den Wirtschafts- und Tourismusstandort Luzern.

Diese Woche übte das Luzerner Theater als künftiger Hauptnutzer der Salle Modulable offene Kritik an deren Raumkonzept. Waren Sie überrascht?

Wyss: Nein, wir wussten um die Haltung des Luzerner Theaters; diese Themen waren auch Gegenstand des Workshops, der Ende Juni stattgefunden hat. Jetzt werden die Grundlagen für den Architekturwettbewerb erarbeitet, insofern ist es ein guter Zeitpunkt. Es liegt in der Natur der Sache von so grossen Projekten, dass in der Phase der Entwicklung verschiedene Sichtweisen und Bedürfnisse genannt und zusammengeführt werden. Die Entwicklung und der Bau der Salle Modulable sind nicht wie in einem Märchen, an dem plötzlich am Tag X das Haus dasteht. Ein Diskutieren, ein Ringen, ein Entwickeln gehören zu einem Grossprojekt.

Gemäss Birgit Aufterbeck Sieber, Präsidentin der Stiftung Luzerner Theater, ist die «Salle», so wie sie jetzt aufgegleist ist, für ein produzierendes Theater, wie es das Luzerner Theater ist, ungeeignet (heutige Ausgabe).

Wyss: Ich kann diese Haltung nachvollziehen, denn es geht hier um Fragen, die für das Theater ganz wichtig sind. Wir werden diese gemeinsam klären, das Luzerner Theater ist eng am Projekt beteiligt. Dass noch nicht alle Anliegen berücksichtigt wurden, liegt auch am Kostendach, das wir seitens der öffentlichen Hand vorgegeben haben. Jetzt gilt es, Lösungen zu erarbeiten, wie im Detail die zur Verfügung stehende Fläche optimal auf die Bedürfnisse des Theaters auszurichten ist. Ich bin überzeugt, dass uns das gelingt.

Die US-Firma Arup hat das Betriebsmodell für die Salle Modulable erarbeitet. Haben die Amerikaner die Verhältnisse in Luzern zu wenig genau angeschaut? Sind sie einfach von einem für die USA typischen Gastspielbetrieb ausgegangen?

Wyss: Arup hat grosse Erfahrungen mit solchen komplexen Projekten und berechnete den Betrieb und Unterhalt sowie die Bühnennebenräume für ein Theater ohne Produktion und Gastspiel, in einem Mietkostenmodell. Es ist nun unsere Aufgabe, diesen Ansatz im Konzept Theater-Werk Luzern (TWL) mit einem produzierenden Theater zusammenzuführen.

Wie weit ist man dabei?

Wyss: Wir befinden uns in einem Prozess und wollen bewusst über die einzelnen Schritte und die sich stellenden Fragen offen informieren. Ende Juni hat zur Raumfrage und somit den Bedürfnissen des Luzerner Theaters ein erster Workshop stattgefunden, weitere werden folgen. Bis Ende August erwarten wir Antworten auf die offenen Fragen. Ich bin sehr zuversichtlich. Wir bringen das unter einen Hut.

7 Millionen Franken soll der Kanton an die Projektierung des Neuen Theaters Luzern zahlen. Falls der Kantonsrat einen Investitionsstopp beschliessen würde, könnte der Kanton diesen Betrag dann überhaupt auszahlen?

Wyss: Diese Frage ist hypothetisch, weil – Stand heute – kein Ausgabenstopp beschlossen ist.

Was spricht aus Ihrer Sicht für eine Salle Modulable im Inseli?

Wyss: Dieser Standort ist zentral und gut erreichbar, was mobilitätstechnisch sinnvoll ist. Der Standort ist aber auch sehr schön, und er befindet sich neben dem KKL Luzern, was in betrieblicher und organisatorischer Hinsicht Synergien ermöglicht. Schliesslich erfüllt er die Bedingungen der Feasibility Study von Arup, damit die 80 Millionen Franken aus der Engelhorn-Schenkung für den Bau überhaupt zur Verfügung gestellt werden. Wenn für die Määs und die Carparkierung gute Alternativen gefunden werden, bin ich überzeugt, dass das Inseli der richtige Ort ist. Die Grünfläche bleibt praktisch erhalten, das Naherholungsgebiet wird mit dem Projekt sogar aufgewertet.

Sie haben stets gesagt, die Investition von total 208 Millionen Franken in die Erneuerung der Luzerner Theaterinfrastruktur sei zu hoch. Wo kann man am ehesten sparen?

Wyss: Es wäre fahrlässig, wenn ich jetzt einfach einen konkreten Punkt nennen würde. Genau das ist jetzt Gegenstand der laufenden Arbeiten und Workshops.

Auch der Kostenteiler zwischen Stadt und Kanton Luzern ist noch umstritten. Ist hier eine Einigung in Sicht?

Wyss: Auch das gehört zum natürlichen Prozess bei einem Grossprojekt, dass Verhandlungen laufen und es dann zu einer Lösung kommt.

Der Betrieb der «Salle» soll 31 Millionen Franken kosten. Auch hier fordern Sie eine deutliche Kostensenkung.

Wyss: Auch dies werden wir in den kommenden Wochen und Monaten klären müssen. Ich will genau diese Fragen auch beantworten können, aber das rechnet sich alles nicht in einem Tag oder Monat. Erste Reduktionen zeichnen sich aber ab.

Welche?

Wyss: Wir gehen davon aus, dass gewisse Synergien mit dem KKL möglich sind.

Wie baufällig und betrieblich ungenügend ist das heutige Luzerner Theater?

Wyss: Das Theater Luzern ist am Ende seines Lebenszyklus angelangt, die Räumlichkeiten für Publikum und Theaterschaffende sind sehr eng, die technischen Anlagen, der Orchestergraben sind veraltet, die Infrastruktur nicht mehr zeitgemäss. Wir können es drehen, wie wir wollen: Das Luzerner Theater muss zwingend und rasch erneuert werden, wenn wir in Luzern weiterhin ein Theater auf einem gewissen Niveau wollen, und dies im infrastrukturell anspruchsvollen Drei-Sparten-Betrieb. Und wenn wir zukünftig grundsätzlich in Luzern ein Theaterschaffen ermöglichen wollen, dann müssen wir in die Infrastruktur investieren.

Was würde eine Sanierung/Neubau am heutigen Standort kosten?

Wyss: Das ist ja der entscheidende Punkt. Wir können zwei Fliegen mit einem Schlag erledigen. Das Luzerner Theater müssen wir sowieso sanieren. Also nutzen wir doch die Chance, es mit einem zukunftsgerichteten Projekt zu verbinden. Die Erneuerung des heutigen Luzerner Theaters würde rund 45 bis 80 Millionen Franken kosten. Dazu kommen Kosten für ein Provisorium sowie für den Ausbau von Südpol und Werkstätten des Luzerner Theaters von weiteren mindestens 20 Millionen. Für eine derartige Erneuerung stünden die 80-Engelhorn-Millionen nicht zur Verfügung. Beim Projekt Neues Theater Luzern/Salle Modulable rechnen wir mit 73,3 Millionen Franken Kosten für die öffentliche Hand, wenn man den Baurechtswert von 20 Millionen Franken für das der Stadt gehörende Grundstück abzieht. Zusätzlich zu den 80-Engelhorn-Millionen kommen weitere 35 Millionen von privater Seite. Die privaten Gelder decken somit mehr als die Hälfte der Investitionskosten ab. Im Unterschied zu einem Umbau können wir damit zusätzlich die Vision Theater-Werk Luzern umsetzen und der Freien Theater- und Tanzszene, dem Südpol, dem Lucerne Festival, dem LSO und vor allem dem Theater die Chance auf eine künstlerisch und betrieblich massive Weiterentwicklung bieten.

Könnte man angesichts der grossen Widerstände nicht einfach noch ein paar Jahre zuwarten und dann wieder ein ganz neues Projekt zur Theatererneuerung aufgleisen?

Wyss: Man kann immer warten, nichts tun und auf den Sankt-Nimmerleins-Tag vertrösten. Aber das ist nicht meine Art zu politisieren. Wir haben nur jetzt die Möglichkeit, dass wir die 80-Millionen-Schenkung zu klaren Bedingungen beanspruchen können plus die weiteren 35 Millionen von privater Seite. Als Kanton mit Finanzproblemen ist doch die Sache klar, was zu tun ist. Nochmals: Beim Luzerner Theater müssen wir so oder so handeln.

Hat man sich mit der Integration des Theaters in die Salle Modulable übernommen? Wieso plant man nicht einfach eine «Salle», wie von Engelhorn gewünscht, als Musiktheater ergänzend zum KKL? Die Zukunft des Luzerner Theaters könnte man danach separat, unbelastet angehen.

Wyss: Das ist nicht meine Vorstellung einer durchdachten Politik mit Synergien. Kommt dazu, dass auch in der Vision Engelhorn festgehalten ist, dass das neue Gebäude das Luzerner Theater beheimaten soll. Wenn wir die Chance haben, zwei Fliegen auf einen Schlag zu erledigen, warum tun wir es nicht? Wir haben die Chance, dank einer Schenkung einen zusätzlichen Beitrag zum Kulturkanton Luzern zu leisten. Kultur ist eine Stärke unseres Kantons, unserer Stadt. Also sage ich auch als ehemaliger Unternehmer: Stärken stärken!

Die Kardinalfrage müssen wir doch auch noch stellen: Braucht Luzern überhaupt ein eigenes Theater?

Wyss: Ich bin überzeugt, dass die Bürgerinnen und Bürger zwischen Vitznau und Luthern, zwischen Gisikon und Horw erwarten, dass der Kanton Luzern ein gutes Theater hat. Eine Studie von Interface Politikstudien aus dem Jahr 2014 zeigt ein grosses Interesse der Bevölkerung am Bestand eines Theaters: Das Luzerner Theater gehört zum Kulturbewusstsein der Luzerner Bevölkerung. Diese wünscht sich zudem eine Stadt und Region mit einem reichen Kulturleben. Damit will ich auch klar sagen: Die Salle Modulable wird die neue Heimat des Luzerner Theaters und ist überhaupt nicht nur für eine Elite zugänglich. Hören wir mal mit diesem Ammenmärchen auf. Ein Ja zum Projektierungskredit ist auch ein positives Signal für das Theaterschaffen und den Kulturkanton Luzern.

«Wenn wir Theater ermöglichen wollen, müssen wir in die Infrastruktur investieren.» Reto Wyss, Regierungsrat (Bild: Archiv Neue LZ / Pius Amrein)

«Wenn wir Theater ermöglichen wollen, müssen wir in die Infrastruktur investieren.» Reto Wyss, Regierungsrat (Bild: Archiv Neue LZ / Pius Amrein)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.