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THEATERHAUS: «Die Ufer sind freizuhalten»

Die Idee, die Salle Modulable auf dem See zu bauen, stösst auf Widerstand. Landschaftsschutz- Präsident Urs Steiger erklärt, weshalb er kaum Chancen für das Projekt sieht.
Der Bootshafen beim Inseli ist als möglicher Standort für die Salle Modulable im Gespräch. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Der Bootshafen beim Inseli ist als möglicher Standort für die Salle Modulable im Gespräch. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Interview Hugo Bischof

Urs Steiger, wie unantastbar ist der See für den Bau der Salle Modulable?

Urs Steiger*: Es geht nicht nur um den Seegrund, sondern um den See an sich, die Seefläche und seine Ufer. Diese sind grundsätzlich von Verbauung freizuhalten, dies verlangt das Bundesgesetz zur Raumplanung (Art. 3 RPG). Falls gebaut werden darf, gilt es, den Uferabstand einzuhalten und den öffentlichen Seezugang zu sichern. Letzteres ist am Standort Inseli eine der zentralen Fragestellungen. Da der Freihaltung der Seeufer hohe Priorität zukommt, sind andere Standorte vorzuziehen. Gerade weil wir eine derart schöne Seesituation haben, müssen wir nicht alles dorthin stellen.

Für Sie ist der Schutz der Unterwasservegetation wichtig. Aber beim Bootshafen Inseli gibts doch praktisch gar kein Unterwasserleben.

Steiger: Der Schutz der Unterwasser­vegetation ist gesetzliche Pflicht gemäss Artikel 21 des Bundesgesetzes über den Natur- und Heimatschutz. In vielen Bereichen der Luzerner Bucht haben wir eine äusserst wertvolle Vegetation. Es ist Aufgabe der Standortevaluation, abzuklären, ob und welche Vegetation allenfalls vorhanden ist; und es ist Aufgabe der Behörden, für deren Schutz zu sorgen. Manchmal staunen wir schon, dass wir für die Durchsetzung der Gesetze sorgen müssen.

Hand aufs Herz: Die Hafenanlage Inseli ist keine städtebauliche Perle. Könnte sie mit einem schönen neuen Gebäude nicht aufgewertet werden, ohne dass Schaden an der Seevegetation entstünde?

Steiger: Bestimmt ist der ganze Abschnitt zwischen Bahnhof und Motorbootshafen keine städtebauliche Perle. Es besteht auf dem ganzen Abschnitt Aufwertungsbedarf. Ob aber Unterwasservegetation geschädigt würde, lässt sich ohne Detailabklärungen nicht feststellen. Aufwertung bedeutet aber auch nicht, dass dann das Ufer einfach verbaut wird.

Ihr Verband lehnte 2009 auch den Motorboothafen Alpenquai als Standort für die Salle Modulable ab. Was ist denn dort so schützenswert?

Steiger: Bei diesem Standort ist eben auch zu klären, wohin die Schiffsplätze gezügelt werden. Vorgeschlagen war eine Verschiebung zum Segelbootshafen Tribschen, wo das Bundesgericht einen Ausbau als nicht zulässig beurteilt hat. Für uns stand deshalb der Standort Lido im Vordergrund (heute steht der Standort Lido nicht mehr zur Debatte, d. Red.).

2009 bot die Stiftung Salle Modulable als Gegenleistung für eine Überbauung des Bootshafens an, 3 bis 4 Millionen Franken in eine gesamte ökologische Aufwertung der Luzerner Seebucht zu investieren. Das war Ihnen damals offenbar nicht genug?

Steiger: Wir wiesen in unserer Stellungnahme zur Standortevaluation von 2009 auf die notwendigen Aufwertungskosten hin, die wir je nach Standort auf 5 bis 10 Millionen Franken schätzten. Im Umweltverträglichkeitsbericht wurde zwar auf die Möglichkeit eines Fonds hingewiesen, aber nicht in der notwendigen Kostenhöhe. Ersatzmassnahmen sind in jedem Fall zwingend notwendig – und nicht eine Frage des «grosszügigen» Angebotes. Dabei ist eine gesamtheitliche Verbesserung der Situation anzustreben. Es ist Aufgabe der Behörden, Verbesserungen im öffentlichen Raum anzustreben. Da sehen wir im Moment keine Anzeichen dafür; Konzepte dazu sind uns nicht bekannt.

Könnte ein finanzieller Zustupf der Stiftung Salle Modulable für die ökologische Aufwertung der Seebucht nicht auch heute ein interessanter Deal sein?

Steiger: Es geht hier nicht ums Dealen. Es gilt das bereits Gesagte.

Theaterplatz und Inseli-Carparkplatz zeichnen sich als schwierig ab. Wollen Sie als Verhinderer der Salle Modulable in die Geschichtsbücher eingehen?

Steiger: Weshalb sind der Theaterplatz und der Inseli-Carparkplatz schwierig? Warten wir doch die Standortevaluation ab. Unseres Wissens favorisiert das Theater einen Standort im innerstädtischen Kontext. Wir bringen aus Sicht des Landschaftsschutzes wichtige Eckpunkte in Bezug auf Umwelt, Landschaft, Identität, Nutzung und Zugänglichkeit des öffentlichen Raums und der Seeufer in die Diskussion ein, die aufgrund technischer und ökonomischer Überlegungen sehr oft vergessen gehen; da haben uns auch die Gerichte immer wieder Recht gegeben.

Was ist Ihr Standort-Favorit?

Steiger: Im Moment stehen wir am Anfang einer neuen Diskussion, zu der uns keine vertieften Unterlagen vorliegen. Wir beteiligen uns gerne frühzeitig an einem konstruktiven Gespräch, wissen uns aber Gehör zu verschaffen, wenn wir nicht angehört werden. Die Stadtgeschichte zeigt anhand diverser Beispiele, dass mehr Umsicht im Nachhinein vorteilhaft gewesen wäre – siehe alte Kaserne, Bebauungen Bahnhofstrasse. Die Öffentlichkeit muss partizipieren können, und dazu muss Zeit eingeräumt werden, sonst wird das Vorhaben von ihr nicht getragen. Dies macht den Erfolg des KKL aus.

Durch die Aufhebung der Carparkplätze und die Wiederherstellung des früheren Inseli-Kanals könnte das Inseli mittelfristig wieder zu einer echten Insel werden – inklusive Musiktheater am Südende. Wäre das nicht eine Riesenchance auch für den Landschaftsschutz?

Steiger: Es gibt in dieser Diskussion durchaus attraktive Aspekte, die in einer Gesamtbetrachtung, in einer öffentlichen Diskussion und mit verlässlichen Partnern zum Tragen kommen können. Die Freilegung des Inselis ist auch unsererseits ein altes Anliegen, das auch unabhängig von einer Salle Modulable anzugehen ist. Mit einem grossvolumigen Gebäude direkt an der Kopfseite wird jedoch nicht der «Inseli»-Charakter verstärkt, sondern der Überbauungscharakter. Ein solches Bauwerk verhindert somit die Wiederentstehung des ursprünglichen Inselis, wie dies in den bisherigen Zielsetzungen der Stadtplanung vorgesehen war.

Ein Gutachten kam 2009 zum Schluss, es gebe Ausnahmen für die Inanspruchnahme von Seegrund, wenn «entweder die Standortgebundenheit oder ein öffentliches Interesse nachgewiesen werden können». Könnte das für die Salle Modulable gelten?

Steiger: Es gibt keinen Grund, weshalb ein Musiktheater auf dem See stattfinden muss. Standortgebundenheit ist damit auszuschliessen. Bezüglich des öffentlichen Interesses ist eine Gesamtabwägung gegenüber dem öffentlichen Interesse an einem unverbauten Seeufer notwendig. Wenn wir dies auch nicht ausschliessen, so ist das öffentliche Interesse an einer Salle Modulable in unserer Wahrnehmung noch nachzuweisen. Dazu muss ein breiterer Diskurs stattfinden.

Was sind die Hauptprobleme?

Steiger: Die Öffentlichkeit kennt bis heute weder beurteilbare Programminhalte und konkretere Ausmasse noch die Konsequenzen des Betriebes einer weiteren Institution mit der angestrebten internationalen Ausstrahlung: Kosten, Besucherfrequenzen, Platzverhältnisse im zentrumsnahen öffentlichen Raum, kulturelle Angebote und angesprochene Besuchergruppen.

Das sagen die Parteien

See-Variantehb. Offiziell sind noch drei Standorte für das geplante neue Musiktheater im Rennen: Theaterplatz, Inseli-Carparkplatz, Schotterplatz Alpenquai. Der frühere Luzerner Denkmalpfleger André Meyer hat zusätzlich eine Standort-Variante auf dem See am südlichen Ende des Inselis in die Diskussion gebracht (Ausgabe vom 31. August). Wir baten Sprecher der politischen Parteien um ihre Meinung:

  • Sonja Döbeli ( Fraktionschefin FDP):«Alle Ideen sollen aufgenommen und geprüft werden, um das Optimum für die Stadt, die Kultur zu erreichen. Mit dem heutigen Kenntnisstand favorisiert die FDP-Fraktion aber nach wie vor den heutigen Standort am Theaterplatz. Wir sind uns bewusst, dass dieser städtebaulich sehr anspruchsvoll ist,doch eine hervorragende Architektur kann auch an der Reuss ein Gewinn sein.»
  • Nico van der Heiden ( Fraktionschef SP ) : «Wir möchten die laufende Standort-Evaluation abwarten, der Input mit dem Standort Inseli/Werft kommt aus unserer Sicht zur falschen Zeit. Zudem haben wir insgesamt grosse Vorbehalte gegen den Standort Inseli.» Korintha Bärtsch ( Fraktionschefin Grüne): «Der Standort Inseli/Werft gehört für mich in den Inseli-Perimeter. Die Salle Modulable darf kein 08/15-Bau werden, sondern der Aussenraum soll genauso genial sein wie der Innenraum. Das bedeutet, dass der Aussenraum in jedem Fall ansprechend bepflanzt und zu jeder Zeit öffentlich zugänglich sein muss.»
  • Michael Zeier-Rast ( Grossstadtrat CVP):«Der momentan laufende Prozess sollte nicht durch eine weitere Standortfrage behindert werden. Wir erachten die Idee, in den See hinaus- zubauen, auf Grund der Erfahrung rund ums KKL nicht als Lösung, die von derBevölkerung mitgetragen wird.»
  • András Özvegyi ( Fraktionschef GLP):«Aus meiner Sicht ist der Standort Inseli/Werft eine gute Variante. Das schmutzige Hafenwasser in der Ecke ist ja sowieso keine Augenweide. Als ‹Out of the Box›-Lösung kann ich mir sogar einen Standort weiter draussen im See vorstellen. Jedenfalls darf das heutige, von der Bevölkerung im Sommer sehr geschätzte Inseli nicht reduziert werden.»
  • Marcel Lingg ( Fraktionschef SVP):«Alle Standort-Varianten haben politisches Konfliktpotenzial. Bei Bauten in den See hinein ist leider mit Frontalopposition zu rechnen. Auch die erste Variantedes KKL sollte in den See hineingebaut werden, was auf breiten Widerstand stiess. Ich könnte mir eine Salle Modulable östlich des Inselis zum See hin sehr wohl vorstellen. Man muss für neue Varianten offen sein.»

* Urs Steiger, diplomierter Naturwissenschaftler ETH/SIA, ist seit 2015 Präsident des Landschaftsschutzverbands Vierwaldstättersee.

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