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Theaterkollektiv leerraum.offen in Luzern: Hier wird das Wohnzimmer zur Theaterbühne

«Graue Erde Rote Kinder» ist ein intensives Stück, bei dem die Zuschauer kaum zu atmen wagen.
Yvonne Imbach
Zora Schelbert und Florian Fischer bei ihrem Auftritt in einer privaten Stube. (Bild: Mirjam Steffen)

Zora Schelbert und Florian Fischer bei ihrem Auftritt in einer privaten Stube. (Bild: Mirjam Steffen)

Das Prinzip eines Störkochs ist den meisten bekannt: Man bucht einen Koch in seine private Küche, wo er für den Gastgeber und dessen Gäste das Essen zubereitet und serviert. Ganz ähnlich funktioniert das neue Theaterprojekt des Kollektivs «leerraum.offen».

Zwei Schauspieler, Zora Schelbert und Florian Fischer, sowie in einer Doppelfunktion Regisseur und Techniker Benjamin Pogonatos, kommen nach vorangegangener Buchung ins private Wohnzimmer und inszenieren hier eine Aufführung ihres Stücks «Graue Erde Rote Kinder».

«Nachbarn sollen sich besser kennen lernen»

Je nach Wohnzimmergrösse lädt die Hausherrin oder der Hausherr 10 bis 25 Zuschauer zu sich ein. Das Publikum besucht also nicht das Theater, vielmehr kommt das Theater zum Zuschauer nach Hause. «Wir wollen weg von der klassischen Form ‹Ticket kaufen und in den Saal hineingehen›. Vielmehr sollen sich dank des ungewöhnlichen Settings Nachbarn näher kennen lernen, die sonst kaum Kontakt haben», wünscht sich Benjamin Pogonatos.

Schauspielerin Zora Schelbert verrät den Ablauf eines solchen Theaterabends: «Wir treffen zwei Stunden vor Beginn beim Gastgeber ein und sehen uns dann erstmals sein Wohnzimmer an.» Ihr ganzes Equipment wie Licht, Technik, Requisiten und Kostüme fände in zwei Koffern Platz. «Vor Ort wird uns schnell klar, wo die Leute sitzen sollen, wo wir agieren und an welcher Wand unsere Projektionen gezeigt werden.» Das Wohnzimmer müsse eigentlich nur über eine Sitzgelegenheit, ein Fenster und Platz für mindestens zehn Zuschauer verfügen, führt sie weiter aus.

Wirklichkeit und Fiktion vermischen sich

Kürzlich fand die Hauptprobe in einer Stadtluzerner Wohnung statt, acht Zuschauer fanden den Weg in die fremde Wohnung. Man stellte sich vor, duzte sich sofort und fühlte sich wie zu Besuch bei neuen Bekannten. Was zur Wohnungseinrichtung gehört, und was Requisiten sind, war nicht unterscheidbar. Noemi Hunkeler, verantwortlich für die Ausstattung, betonte: «Die Kulisse eines Wohnzimmers würde niemals so authentisch wirken, wie das reale Setting.» Ein bisschen wie heimlich durchs Schlüsselloch guckend, erlebt der Zuschauer dann in der ersten Szene, wie eine Frau ihre Wohnung für drei Monate untervermietet. Der Untermieter kommt zur Schlüsselübergabe, schnell werden noch ein paar Infos ausgetauscht: «Der Toaster klemmt, und das Altpapier wird alle zwei Wochen abgeholt.» Aus der realen Begegnung driftet das Kammerspiel in die Gedankenwelt der Figuren ab, Wirklichkeit und Fiktion vermischen sich.

Zora Schelbert und Florian Fischer gelingt eine ausgezeichnete Figurenarbeit. Ob Schmerz, Enttäuschung, Liebe oder unerfüllte Sehnsüchte: Die gezeigten Emotionen berühren. Die Nähe zu den beiden Spielern ist faszinierend: Mitunter sitzt man mit ihnen am selben Tisch und wagt kaum zu atmen, um sie nicht zu irritieren. Zora Schelbert sagt diese Nähe zu: «Die Atmosphäre ist sehr dicht.» Was wäre denn die grösste Panne bei einer Aufführung? Florian Fischer lacht: «Dass es an der Türe klingelt.»

Am 15. März 2020 gibt es zwei öffentliche Aufführungen in Luzern. Zeit und Ort sowie Buchungen für das eigene Wohnzimmer unter www.leerraumoffen.ch/Graue-Erde-Rote-Kinder.

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