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Umstrittener Tickethändler Viagogo verärgert Veranstalter in der Zentralschweiz

Die Firma Viagogo breitet sich auch in der Zentralschweiz aus. Für viele Anlässe kann man auf der Internet-Plattform überteuerte Tickets kaufen – auch für solche, die längst nicht ausverkauft sind.
Michael Graber
Auch das Luzerner Konzerthaus Schüür ist von den umstrittenen Viagogo-Geschäftspraktiken betroffen – hier ein Konzert von «Züri West». (Bild: Roger Grütter (Luzern, 16. Oktober 2017))

Auch das Luzerner Konzerthaus Schüür ist von den umstrittenen Viagogo-Geschäftspraktiken betroffen – hier ein Konzert von «Züri West». (Bild: Roger Grütter (Luzern, 16. Oktober 2017))

Der Comedian Uli Bötticher tritt bald im Luzerner Stadtkeller auf. Das Ticket kostet 38 Franken – oder auch 105 Franken. Dann nämlich, wenn man es über den Tickethändler Viagogo kauft. Für den Donnerstag am Lucerne Blues Festival verlangt Viagogo beispielsweise 120 Franken für einen Stehplatz – im offiziellen Vorverkauf kriegt man das Gleiche schon für 75 Franken. Für das Musical Sister Act in Emmen kriegt man bei Viagogo Karten für bis zu 200 Franken, das teuerste reguläre Ticket kostet 109 Franken. All diese Veranstaltungen sind nicht ausverkauft.

Diese drei Beispiele zeigen einen erstaunlichen Trend: Der Tickethändler mit Sitz in Genf war jahrelang vor allem bei den grossen Events stark. Wer Tickets für die Fussball-WM suchte, wurde auf Viagogo ebenso fündig, wie für ausverkaufte Konzerte im Zürcher Letzigrund. Jetzt beackert die Firma offenbar auch den lokalen Markt stärker.

Die Geschäftspraktiken von Viagogo sind hoch umstritten. In mehreren Ländern, darunter auch in der Schweiz, laufen Verfahren gegen die Firma. Rechtlich bewegt sich der Ticketzweithandel wohl in einem Graubereich. Experten bewerten den Weiterverkauf von Tickets grundsätzlich als legal. Oft wird bei Viagogo die fehlende Transparenz kritisiert: Zusätzlich zu den Ticketpreisen entstehen nämlich weitere Kosten, die man im Buchungsprozess erst spät bemerkt. Zudem suggeriert sie oft fälschlicherweise, dass das Konzert ganz oder beinahe ausverkauft sei. Beim Staatssekretariat für Wirtschaft gehen regelmässig Beschwerden gegen Viagogo ein.

Dank Anzeigen erscheint Viagogo-Link zuoberst

Je nach Google-Abfrage kann es durchaus sein, dass der Link zu Viagogo zuoberst erscheint – das Unternehmen schaltet fleissig entsprechende Anzeigen. Gerade ein Publikum, das nicht sonderlich versiert ist bei Internetkäufen, landet schnell auf der Homepage von Viagogo. So passierte es etwa im vergangenen Sommer bei den Tickets fürs Konzert von Eels am Blue Balls. Statt zwei Tickets für zusammen 150 Franken beliefen sich die Kosten am Ende auf rund 400 Franken. Dabei hätte es selbst an der Abendkasse noch Tickets gegeben.

Solche Beispiele kann auch Andréas Härry, Co-Leiter des Le Théâtre in Emmen erzählen: «Bei verschiedenen Produktionen kam es vor, dass sich Leute beschwert haben, weil sie über Viagogo zu viel bezahlt haben. Es ist ein grosses Ärgernis.» Das Verhalten von Viagogo ist für Härry an der Grenze zur Kriminalität, zumal sie mit Einblendungen suggerieren, dass es nur noch ganz wenige Tickets gäbe. Wie genau Viagogo die Veranstaltungen auswähle, die in ihrem Angebot sind, kann sich Härry nicht erklären – so wurden etwa auch für «Das Wunder von Luzern», eine Amateurproduktion, Tickets auf der Plattform angeboten. Härry kann sich vorstellen, dass es für Viagogo bei Grossveranstaltungen schwieriger wird, an die nötigen Tickets zu kommen und sich die Firma daher auch kleinere Veranstaltungen aussucht.

«Der grösste Schaden ist, dass die Leute durch all diese Warnhinweise denken, es habe fast keine Tickets mehr und so schlussendlich der Veranstaltung fernbleiben», sagt Kari Bründler, Präsident des Lucerne Blues Festivals. Viagogo schreibt, dass es nur noch 14 Tickets für den Donnerstag gäbe, «das ist schlicht Quatsch», so Bründler. Auch für das Luzerner Theater werden Karten auf Viagogo angeboten – für die Oper «Romeo und Julia». Der Medienverantwortliche Severin Barmettler sagt dazu: «Das gab es leider schon bei ‹La Traviata›, aber man kann nichts dagegen machen – dieses Geschäftsgebaren von Viagogo ist nicht in Ordnung.»

«Wir prüfen mit dem Dachverband der Schweizer Musikclubs rechtliche Schritte.»

Deutlicher wird Marco Liembd, der Geschäftsführer der Luzerner Schüür. Viagogo bietet seit kurzem für jedes Konzert dort Karten an: «Es ist ein Skandal.» Liembd hat das System getestet – Viagogo kaufte in jenem Moment das Originalticket, in dem Liembd die Buchung über Viagogo abschloss. Der digitale Käufer sass in Amsterdam. Was ihn richtig sauer macht: «Viagogo meldete auch schon, dass unsere Konzerte ausverkauft sind, sie waren es aber nicht. Das ist eine marktrelevante Täuschung.» In seinen Augen sollte die Plattform lieber heute als morgen verboten werden. «Wir prüfen mit dem Dachverband der Schweizer Musikclubs PETZI zurzeit rechtliche Schritte», so Liembd. Sollte ein Konzertbesucher mit einem Ticket von Viagogo kommen, so hat er die Möglichkeit – sofern es die Kapazität zulässt – ein reguläres Ticket zu kaufen. «Zusätzlich würden wir ihm aufzeigen, wie er das Geld von Viagogo zurückfordern kann», sagt Liembd.

«Uns sind die Hände gebunden»

Bereits mehr Erfahrungen mit den Geschäftspraktiken von Viagogo hat der FC Luzern. Für sämtliche Spiele des FCL kann man Tickets auf der Internetplattform bestellen. Markus Krienbühl, Leiter Kommunikation des FCL, sagt: «Grundsätzlich macht Viagogo nichts Illegales, uns sind die Hände gebunden.»Natürlich sei es unschön, wenn jemand für einen Match auf Viagogo ein überteuertes Ticket kaufe, während es über den regulären Vorverkauf noch normalpreisige Billette hat. Schlussendlich könne man aber nicht mehr als darauf hinweisen, dass man die offiziellen Stellen nutzen solle, sagt Krienbühl. Er warnt zudem davor, dass es mit Viagogo-Tickets längst nicht sicher sei, ob man dann auch ins Stadion komme.

Viagogo hat auf einen Fragenkatalog unserer Zeitung nicht reagiert.

«Personalisierte Tickets nötig»

Für das ausverkaufte Länderspiel Schweiz–Belgien am kommenden Sonntag auf der Luzerner Allmend bietet Viagogo zahlreichste Plätze an – zu Preisen von bis zu 250 Franken. Marco von Ah, Kommunikationschef beim Schweizerischen Fussballverband (SFV), beobachtet dies mit einer Mischung aus Resignation und Wut: «Wir haben schon mehrmals abklären lassen, ob wir rechtlich etwas dagegen tun können – es geht aber leider nicht.» Der SFV weise bei jeder Gelegenheit darauf hin, dass man Tickets nur über die offiziellen Kanäle kaufen solle. Auch andere Tricks und Kniffs versuche man, so kämen etwa die Tickets so spät wie möglich in den Verkauf. «Auf gewissen Portalen gab es aber schon Angebote, bevor wir den Vorverkauf via Ticketcorner eröffnet hatten», so Von Ah.

Dahinter stecke eine imposante Maschinerie. Durchaus auch eine, die für Betrug anfällig ist. Immer wieder käme es vor, dass Leute im Internet-Zweit- oder Drittmarkt Tickets kaufen, die dann gleich mehrfach verkauft werden – jene Person, die als erste das Ticket entwertet, erhält Zugang, alle anderen müssen vor dem Stadion bleiben. Beim Spiel gegen Island in St. Gallen hat offenbar eine Mutter mit zwei Kindern versucht, mit überteuerten Viagogo-Tickets ins Stadion zu kommen. Dort habe sich dann herausgestellt, dass ihr drei Kindertickets verkauft worden sind. Über kurz oder lang, so fürchtet Marco von Ah, führe wohl auch bei solchen Veranstaltungen kein Weg mehr an personalisierten Tickets vorbei – mittels ID-Kontrolle muss der Käufer sich am Stadion ausweisen. Diese Anti-Schwarzmarkt-Massnahme wird unter anderem von Ed Sheeran und Rammstein angewendet. Für das Rammstein-Konzert im kommenden Sommer finden sich trotzdem Angebote auf Viagogo. (mg)

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