Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

TIEFBAHNHOF: Luzern ist «nicht sehr erfreut» über Leuthards Aussagen

Dass Doris Leuthard das Luzerner Bahnprojekt in Frage stellt, stösst bei Stadt- und Kantonsregierung auf Unverständnis. Die SVP hingegen gibt der Bundesrätin Recht – und fordert einen Richtungswechsel.
Alexander von Däniken
«Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.» Robert Küng, Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdirektor. (Bild: Eveline Beerkicher / Neue LZ)

«Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.» Robert Küng, Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdirektor. (Bild: Eveline Beerkicher / Neue LZ)

Schlechtes Kosten-Nutzen-Verhältnis, auf weitere Grossprojekte Rücksicht nehmen, Zwischenlösungen prüfen: Verkehrsministerin Doris Leuthard (CVP) verteilte zum 2,4-Milliarden-Projekt Luzerner Tiefbahnhof einige Nackenschläge (Ausgabe von gestern). Diese verursachen in der Luzerner Stadt- und Kantonsregierung empfindliche Druckstellen, wie nun eine Umfrage unserer Zeitung zeigt.

Regierungsrat Robert Küng (FDP) ist enttäuscht darüber, dass der Bund «unsere komplexen topografischen Voraussetzungen sowie die raumplanerischen und wirtschaftlichen Aspekte nicht berücksichtigt». Beim kritisierten Kosten-Nutzen-Verhältnis habe der Bund einige Punkte nicht berücksichtigt – etwa die starke und kostenrelevante Verdichtung des Busnetzes ohne Tiefbahnhof. Eine neue Bewertung soll im Frühling 2017 vorliegen. «Der Bund blendet den nationalen Nutzen des Durchgangsbahnhofs aus, obschon dieser ein wesentlicher Baustein der künftigen schweizerischen Schienenmobilität ist!» Einig ist Küng mit Leuthard was den Zimmerbergtunnel zwischen Zug und Zürich betrifft. Erst mit diesem entfalte der Durchgangsbahnhof die volle Wirkung. Zwischenschritte beheben laut Küng die mittelfristigen Engpässe.

Was die Abhängigkeit von der Stadtautobahn Bypass betrifft, sagt Küng: «Beide Projekte sind für den Kanton Luzern wichtig. Es bringt nichts, das eine gegen das andere Projekt auszuspielen.» Derzeit liege der Fokus aber klar beim Durchgangsbahnhof. Diesen könnte der Kanton auch vorfinanzieren, stellt sich Küng vor. Aber: «Die Rahmenbedingungen sind immer noch völlig unklar.» Hier erwarte er vom Bund klare Anforderungen.

«Für die Topografie können wir nichts»

Stadtrat Adrian Borgula (Grüne) ist ob Leuthards Aussagen «nicht sehr erfreut». Nach wie vor sei der unterirdische Durchgangsbahnhof die fachlich richtige Lösung. Dieser Meinung sei ja auch Leuthard, die den Luzernern von einem Plan B abgeraten hat. Borgula gibt Leuthard bezüglich nicht optimalem Kosten-Nutzen-Verhältnis zwar Recht. «Aber für die Topografie können wir nichts.» Seen und Hügel seien nun mal da. Zudem sei der berechnete Nutzen am Grossknoten in Zürich schnell positiver, da jede Massnahme viel mehr Leute erreiche. Borgula gibt zu bedenken, dass es für den Bund risikobehaftet wäre, wenn er weiterhin Ausbauten in der Region Zürich einseitig forciert. Diese würden zusätzliche Passagiere über den einen Knoten führen, was erneute Überlastungen nach sich zöge. Einen Vorgeschmack dazu biete der Fahrplanentwurf für das kommende Jahr – mit schlechteren Verbindungen von Luzern aus ins Tessin. Einverstanden ist Borgula mit Leuthards Aussage, das Strassenprojekt Bypass mit dem Durchgangsbahnhof abzustimmen. «Es darf dann aber nicht sein, dass die Kapazität auf der Strasse ausgebaut wird, auf der Schiene aber nicht oder später.» Sollte der Tiefbahnhof im Ausbauschritt 2030 nicht berücksichtigt werden, sei das fatal. Denn die von Leuthard propagierten Zwischenlösungen seien aufgrund des an die Grenzen stossenden Schienenverkehrs sehr limitiert.

Leuthards Kritik könnte den Luzerner Ständerat Konrad Graber besonders treffen: Er ist wie die Bundesrätin CVP-Mitglied, kämpft für den Tiefbahnhof, sagt jedoch: «Noch ist nichts verloren.» Denn das Bundesamt für Verkehr habe erst von einer «Tendenz» gesprochen, was die Priorisierung des Luzerner Durchgangsbahnhofs betreffe. «Jetzt kommt es umso mehr darauf an, in Bern für das Projekt zu kämpfen.» Auch wenn der Tiefbahnhof erst im Ausbauschritt 2035 berücksichtigt werden sollte. Zuversicht schöpft Graber aus der Vorfinanzierung. «Wir haben schliesslich erreicht, dass dieses Instrument gesetzlich verankert worden ist.» Falls der Bund aus rechtlichen Gründen im Nach­hinein einen Rückzieher mache – damit meint Graber vor allem das Finanzdepartement – «wäre das gegen Treu und Glauben». Im Gegenteil sind notfalls zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten zu prüfen, um den Bahninfrastrukturtopf zu erweitern. Dies aufgrund der günstigen Zinssituation.

Guido Müller, SVP-Fraktionschef im Luzerner Kantonsrat, freut sich: «Ausnahmsweise bin ich mit Doris Leuthard zu 100 Prozent einer Meinung.» Da bereits 800 Millionen Franken für den Doppelspurausbau am Rotsee reserviert seien, soll der Kanton nun diesen forcieren. «Das ist der eigentliche Plan A und darum braucht es auch keinen Plan B.» Müller weiter: «Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.» Als nächstes soll sich der Kanton beim Bund stärker für das Strassenprojekt Bypass einsetzen. Erst dann könne wieder über einen Durchgangsbahnhof diskutiert werden.

Die VCS-Sektion Luzern wiederum betonte in einer Mitteilung, dass der Tiefbahnhof weiter priorisiert werden müsse.

Alexander von Däniken

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.