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TIEFBAHNHOF: Was wollte Bern uns mitteilen?

Eine kurze Meldung des Bundesrats sorgt für Aufregung bei Gegnern und Befürwortern des Tiefbahnhof-Projekts. Nun versucht der Bund, den Ball flach zu halten.
Ismail Osman
Er bleibt auch weiterhin heiss diskutiert: der geplante Tiefbahnhof Luzern. (Bild: Visualisierung PD)

Er bleibt auch weiterhin heiss diskutiert: der geplante Tiefbahnhof Luzern. (Bild: Visualisierung PD)

Ismail Osman

Die Meldung, die am Montag im eidgenössischen Bundesblatt erschien und den Kanton Luzern betrifft, ist zwar keine zehn Zeilen lang, sorgte aber umgehend für einigen Wirbel. Kurz und knapp äusserte sich der Bundesrat über Luzerns Pläne, seine Zug-Zufahrt ausbauen zu wollen. Die bundesrätliche Mitteilung wurde – je nach politischer Position und Interessenbindung – diametral entgegengesetzt ausgelegt (Ausgabe von gestern).

Entgegengesetzte Interpretationen

Natürlich steht der geplante Tiefbahnhof im Zentrum der neusten Diskussionen. Gegner des 2,5-Milliarden-Projekts sehen sich in der bundesrätlichen Forderung nach der Prüfung einer oberirdischen Variante mit Doppelspurausbau am Rotsee und am Gütsch in ihrer Skepsis bestätigt. Offensichtlich hat auch der Bund höchste Bedenken, was den Nutzen eines solchen Ausbaus betrifft – so der Tenor. So wandte sich gestern auch die Luzerner BDP an die Öffentlichkeit. Die Partei betrachtet einen Tiefbahnhof als «astronomisch teures Prestigeobjekt». Entsprechend habe man auf die Botschaft aus Bern «mit Freude reagiert», wie es in der Mitteilung heisst.

Der Kanton und weitere Befürworter des Tiefbahnhofs interpretierten die Forderung aus Bern als konsequenzenlose Formalie.

«Einiges falsch interpretiert»

Was genau also wollte der Bund mitteilen? «Grundsätzlich wurde hier einiges falsch interpretiert», hält Gregor Saladin auf Anfrage fest. Gemäss dem Mediensprecher des Bundesamtes für Verkehr (BAV) bezieht sich die Meldung im Kern eigentlich auf die Genehmigung des Richtplanes des Kantons Luzern. Die aktuellste Teilrevision des Richtplanes wurde am 22. Juni vom Bundesrat im Grundsatz genehmigt – allerdings mit dem Vorbehalt, dass die erwähnte oberirdische Variante ebenfalls beibehalten wird. Ein klarer Wink des Bundesrates mit dem Zaunpfahl also? «Auf keinen Fall», entgegnet Saladin. «Es gibt keinen Vorentscheid darüber, welche Variante favorisiert wird.» Weshalb aber dann das Beharren auf der weiteren Ausarbeitung der Zweitvariante? «Das geht auf die Tatsache zurück, dass diese zweite Variante im Sachplan Verkehr, Teil Infrastruktur Schiene, ausdrücklich aufgeführt wird», erklärt Saladin. «Der Sachplan ist behördenverbindlich. Das bedeutet auch, dass Richtpläne mit dem Sachplan übereinstimmen müssen – in diesem Fall muss die Zweitvariante also auch im Richtplan aufgenommen werden.»

Rückfalloption notwendig

Tiefbahnhof-Gegner sehen in der Tatsache, dass der Bund die zwei Varianten «zum heutigen Zeitpunkt als gleichwertig» taxiert, aber einen klaren Hinweis darauf, dass der Bau des Tiefbahnhofs keineswegs in Stein gemeisselt ist. Ein Trugschluss? Tatsache ist, dass aus verschiedensten Gründen die Möglichkeit besteht, dass der Tiefbahnhof nicht realisiert werden kann. «In diesem Fall bräuchte man eine valable Rückfalloption», sagt Saladin. «Andererseits ist im Sachplan auch klar ausgewiesen, dass mit einem überirdischen Doppelspurausbau entlang des Rotsees die angestrebte Angebotsentwicklung nicht erreicht werden kann.»

Pro Bahn: Untaugliche Variante

Die Aussagen des Bundes lassen also durchaus Spielraum für verschiedene Interpretationen zu. Während die Gegner die immensen Kosten eines Tiefbahnhofs und einen damit verbundenen möglichen Verkehrskollaps beim Bahnhof wegen deutlich höherer Frequenzen monieren, sehen Befürworter den Tiefbahnhof als die einzig zukunftsträchtige Option. So auch die Interessenvertretung der Bahnkunden, Pro Bahn. «Es ist schade, dass jetzt zusätzliche Zeit und Geld aufgewendet werden müssen, um die untaugliche Variante mit dem Doppelspurausbau am Rotsee weiter zu berücksichtigen», sagt Karin Blättler, Präsidentin der Sektion Zentralschweiz.

Zwar sehe auch Pro Bahn die Notwendigkeit einer Rückfalloption. Für Blättler ist aber klar: «Plan A muss das aktuelle Tiefbahnhof-Projekt sein. Plan B zumindest eine Variante davon.»

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