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Interview

Tierarzt über verstorbene Bärin Fränzi: «Ihr Tod geht uns nahe»

Die Braunbärin Fränzi vom Tierpark Goldau ist vor rund einem Monat gestorben. Sie hat laut Veterinär Martin Wehrle mit 35 Jahren ein «sehr hohes Alter erreicht». Wehrle (55) ist seit 18 Jahren Tierarzt im Tierpark Goldau und kannte Fränzi gut – obschon sie wenig Pflege brauchte.
Yasmin Kunz
Martin Wehrle (55) arbeitet seit 18 Jahren als Veterinär beim Tierpark Goldau. Er kannte die kürzlich verstorbene Bärin Fränzi gut. (Bild: PD)

Martin Wehrle (55) arbeitet seit 18 Jahren als Veterinär beim Tierpark Goldau. Er kannte die kürzlich verstorbene Bärin Fränzi gut. (Bild: PD)

Martin Wehrle, Fränzi prägte den Tierpark Goldau über drei Jahrzehnte. Was macht ihr kürzlich erfolgte Tod mit Ihnen?

Es war für uns alle ein emotionaler Moment. Ihr Tod geht uns nahe. Man muss aber auch sehen: Fränzi hatte ein langes und gutes Leben. Noch bis eine Woche vor ihrem Tod war sie fit. Dann wurde bei ihr ein Mammakarzinom, also Brustkrebs, diagnostiziert. Da dieser bereits in andere Organe gestreut hatte, entschieden wir gemeinsam, dass es das Beste ist, die Bärin einzuschläfern.

Hätte man das Tier nicht operieren können?

Weil der Tumor bereits Ableger gemacht hat, war ein chirurgischer Eingriff keine Option. Zudem war Fränzi mit ihren 35 Jahren schon sehr alt.

Gestorben ist Fränzi am 8. Juni. Warum hat man die Bevölkerung erst jetzt informiert?

Wenn ein Tier stirbt – egal, ob auf natürliche Weise oder nicht -, dann wird es pathologisch untersucht. Diese Untersuchung findet in Bern statt und dauert ein paar Wochen. Vor Abschluss dieser Untersuchung wollten wir nichts kommunizieren.

Was passiert jetzt mit den Überresten der Bärendame?

Das Fell haben wir einem Gerber gegeben. Er wird es aufbereiten, damit wir es im Tierpark Goldau für Schulungszwecke einsetzen können. Der Rest wird entsorgt.

Fränzi lebte bis zu ihrem Tod mit drei weiteren Bären zusammen. Haben diese auf ihr Tod reagiert?

Nein, das kümmert sie nicht. Bären sind Einzelgänger, insbesondere Weibchen.

Gibt es einen schönsten Moment, den Sie mit der Bärin erlebt haben?

Generell kann ich sagen, dass Fränzi uns immer wieder überrascht hat. Sie war mit ihren rund 140 Kilo zwar eher klein und zierlich, aber psychisch sehr stark. Sie fand sich zum Beispiel schnell an einem neuen Ort zurecht. Als wir sie 2009 in das grössere Gehege verlegten, mussten wir sie zwecks Transport betäuben. Das war ein emotionaler Moment, weil wir sie das erste Mal anfassen konnten. Ein langjähriger Pfleger hat seine Hände fest ins Fell gedrückt und zu Fränzi gesagt: «Jetzt kann ich dich endlich mal knuddeln». Ein Moment, der uns in Erinnerung bleiben wird.

Wie geht es nun weiter?

Um die Zucht der syrischen Braunbären fortzusetzen, suchen wir nun ein junges Braunbär-Weibchen. Das Unterfangen ist allerdings nicht einfach, weil es kaum noch Bären dieser Unterart gibt. Aber wir sind zuversichtlich.

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