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TIERE: Badi kämpft gegen fremde Graugänse

Das Luzerner Strandbad Lido wird von über 30 Gänsen heimgesucht. Ihr Kot hat die Wiese stark verschmutzt. Jetzt hält ein Zaun die Tiere zurück.
Alexander von Däniken
Dieser 30 Zentimeter hohe Zaun im Luzerner Strandbad Lido hält Graugänse davon ab, auf die Wiese zu gelangen. Für die Badegäste ist er dagegen kaum ein Hindernis. (Bilder Dominik Wunderli /Getty)

Dieser 30 Zentimeter hohe Zaun im Luzerner Strandbad Lido hält Graugänse davon ab, auf die Wiese zu gelangen. Für die Badegäste ist er dagegen kaum ein Hindernis. (Bilder Dominik Wunderli /Getty)

Alexander von Däniken

Manche Badestrände am Meer verfügen über Netze, um Gäste vor Haien zu schützen. Im Stadtluzerner Strandbad Lido steht ein rund 300 Meter langer und 30 Zentimeter hoher Zaun, um die Liegewiese vor Gänsen zu schützen. Diese Massnahme ist nötig, weil die Gänse die Liegewiese stark verkotet haben, wie auf einer Tafel im Lido steht. «Jeden Morgen waren drei Bademeister während zweier Stunden damit beschäftigt, die Wiese vom Kot zu befreien», sagt Marcel Wiesler, Geschäftsführer des Strandbads, auf Anfrage. Die Gänse hatten zwar nie Badegäste attackiert, die Hygiene sei aber gerade in einer Badi sehr wichtig. Nach Absprache mit der Stadt und dem Kanton Luzern haben Wiesler und sein Team auf Anfang Saison den Zaun installiert – auf eigene Kosten für rund 1000 Franken.

Seither halten sich die Gänse vornehm zurück, wie der Badichef berichtet: «Alle paar Tage kommen sie an den Zaun, schauen ihn an und verschwinden wieder.» Es handelt sich dabei um über dreissig Tiere. Vor drei, vier Jahren, als Wiesler die Gänse zum ersten Mal in der Badi sah, waren es drei oder vier. «Sie vermehren sich sehr schnell und wachsen auch rasch.»

«Rückmeldungen sehr positiv»

Bei den Tieren handelt es sich um Graugänse. Diese kommen eigentlich in Nord- und Nordosteuropa vor und überwintern am Mittelmeer. Wiesler vermutet, dass die Luzerner Gänse Nachkommen von Tieren sind, die einmal ausgebüxt sind. Der Zaun störe die Badegäste nicht: «Die Rückmeldungen sind sehr positiv.» Trotzdem störe der Zaun das Bild der Badi, vor allem, wenn es wenig Gäste hat. «Ich hoffe darum, dass wir nach der Saison zusammen mit den Behörden eine neue, dauerhafte Lösung finden werden. Auch wenn es sehr schöne Tiere sind.»

Laut Thomas Stirnimann, stellvertretender Leiter der kantonalen Abteilung Natur, Jagd und Fischerei, ist der Zaun bisher am wirkungsvollsten, wie sich auch bei der Badi Baldegg am Baldeggersee gezeigt habe: «Auch dort wurde vom Personal der Badi ein Zaun errichtet. Seither hat sich die Situation merklich verbessert, da die Graugänse nicht mehr einfach aufs Gelände einmarschieren können.»

Abschuss ist kein Thema

Graugänse nutzen die noch wenig vorhandenen Wiesen in Ufernähe, um dort Gräser und Kräuter zu fressen. Leider bleibt es nicht dabei. Die Hinterlassenschaften sind für die Badigäste zwar störend, aber nicht gefährlich. Laut Stirnimann darf davon ausgegangen werden, dass ein niedriger Zaun am Badestrand das kleinere Problem ist als eine verkotete Badiwiese. Schärfere Massnahmen wie ein Abschuss seien kein Thema: «Graugänse sind geschützt.» Im Herbst wolle der Kanton die Situation im Lido analysieren. «Mit den Graugänsen muss man sich aber wohl arrangieren», so Stirnimann.

Da es sich um ein geschütztes Tier handelt, ist in erster Linie der Kanton dafür zuständig, wie die Stadt Luzern auf Anfrage mitteilt. Sie weist, in Absprache mit dem Kanton, die Besucher mit den Tafeln darauf hin, die Gänse nicht zu füttern. Auch in der Stadtluzerner Ufschötti und am Sempachersee gibt es Graugans-Populationen, den Behörden sind dort aber keine Probleme mit Badenden bekannt.

Vogelwarte und Bund uneins

Michael Schaad, Mediensprecher der Vogelwarte Sempach, findet den Zaun wie im Lido oder am Baldeggersee «das einzig Richtige». Erst wenn diese und weitere Massnahmen wie ein Fütterungsverbot umgesetzt sind, der Konflikt aber weiter bestehe, können laut Schaad weiterführende Massnahmen in Betracht gezogen werden. In der Schweiz brüten rund 50 Grauganspaare, im Luzerner Seebecken wurden dieses Jahr drei Familien festgestellt. Bei den Zählungen im Winter werden auch jene Tiere miteinbezogen, welche die Schweiz nur als Winterquartier nutzen. Immerhin: Abgesehen von hygienischen Bedenken sind der Vogelwarte keine negativen Auswirkungen bekannt.

Das Bundesamt für Umwelt bezweifelt, dass Zäune die Gänse nachhaltig von den Wiesen fernhalten: «Die Tiere können Zäune auch überfliegen», so Sprecherin Rebekka Reichlin. Sinnvoller sei es, die Graugänse zu verscheuchen. Das Problem mit den Gänsen ist dem Bundesamt bekannt. So habe es dem Kanton Zug bereits eine Bewilligung erteilt, um die Eier der Gänse zu stechen. Die Gänse haben dort das junge Schilf abgefressen. Dieses sei aber wichtig, um Erosion zu verhindern. «In der Badi hilft Regulation nicht», stellt Reichlin klar.

Auch bei der Ufschötti in Luzern gibt es derzeit viele Graugänse. (Bild: Stefanie Nopper / Luzernerzeitung.ch)

Auch bei der Ufschötti in Luzern gibt es derzeit viele Graugänse. (Bild: Stefanie Nopper / Luzernerzeitung.ch)

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