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TIERE: Ein Winterparadies für Kolbenenten

Über die Wintermonate bietet das Luzerner Seebecken einen Zufluchtsort für Tausende Kolbenenten. Grund dafür ist die reichliche Unterwasservegetation des Vierwaldstättersees. Ein neuer Trend könnte die Enten allerdings vertreiben.
Im seichten Gewässer der Luzerner Bucht können Kolbenenten nach Nahrung tauchen. (Bild: Pius Amrein (Lido Luzern, 27. Januar 2017))

Im seichten Gewässer der Luzerner Bucht können Kolbenenten nach Nahrung tauchen. (Bild: Pius Amrein (Lido Luzern, 27. Januar 2017))

Die Wassertemperatur des Vierwaldstättersees pendelt sich über die Wintermonate bei ungefähr 4 Grad ein. Nicht einmal die hartgesottensten Schwimmer würden in diesen Tagen einen Fuss in den See setzen. Für andere Lebewesen kommt die Luzerner Bucht aber einem «Fünfsternehotel» gleich: Bis zu 5000 Kolbenenten würden jeden Winter das ruhige Gewässer des Vierwaldstättersees geniessen, sagt Peter Knaus, Präsident von Birdlife Luzern. Schweizweit seien es sogar um die 30 000.

Das war aber nicht immer so: «Früher haben die Kolbenenten vor allem in Spanien überwintert. In den 1990er-Jahren erlitt Spanien aber mehrere Dürrejahre, wodurch die Gewässer voll­kommen austrockneten», erklärt Peter Knaus. Die Kolbenenten mussten sich deshalb ein anderes Überwinterungsgewässer suchen, wovon die Luzerner Bucht profitierte. Gleichzeitig ist der Vierwaldstättersee durch die Einführung von Kläranlagen und das Phosphatverbot in Waschmitteln wieder nährstoffarm geworden, wodurch sich die Unterwasser­vegetation verbessern konnte.

Essen allein reicht noch nicht

Besonders erholt habe sich in der Unterwasserwelt eine Wasserpflanze namens Armleuchteralge, welche eine der Hauptnahrungsquellen der Kolbenenten darstelle, so Knaus. Das wunderbare Essen im Überfluss reiche den Kolben­enten aber noch nicht, um das «Luzerner Hotel» für ihre Überwinterung auszusuchen. Laut Knaus braucht eine Ente im Winter vor allem zweierlei Dinge: zum einen natürlich genug zu essen, damit sie sich eine isolierende Fettschicht aufbauen und über die kalten Monate bewahren kann. Ebenso wichtig sei aber ein ruhiger Ort, an dem die Ente nicht gestört wird. Die Temperatur spiele dabei höchstens eine Nebenrolle. «Der Linienschiffsverkehr und vor allem der private Schiffsverkehr ist im Winter ziemlich beschränkt, was für die Kolbenenten äusserst vorteilhaft ist», sagt Knaus. Zudem müssten die Enten dank dem flachen Gewässer nicht weit nach ihrer Nahrung tauchen. Der Vierwaldstättersee erfüllt damit sämtliche Voraussetzungen für einen erholsamen Winteraufenthalt. «Die Enten können sozusagen gleich vom Bett aus fressen. Wer liebt das nicht», sagt Knaus und lacht. Seit 1990 verbringe ein Teil der Kolbenenten auch die Brutzeit in der Luzerner Bucht.

Wenige Kanus vertreiben die Enten

Allerdings zeichnet sich laut Knaus ein neuer Trend ab, der in Zukunft ein Problem darstellen könnte: Kanu- und Kajakfahrer sowie Stand-up-Paddler wagen sich zunehmend auch im Winter auf den See. Diese Freizeitaktivitäten würden grösstenteils in Flachwasserzonen ausgeübt, meistens zu nahe an den Rückzugsgebieten der Kolbenenten. «Wenige Kanus pro Tag reichen schon, damit sich die Enten ein anderes Gebiet suchen müssen», so Knaus.

Das Füttern der Enten durch Touristen sieht er weniger als Problem. «Es ist zwar nicht nötig, aber das Verfüttern von Brot in kleinen Mengen gefährdet die Gesundheit der Wasservögel nicht.»

Oliver Schneider

stadt@luzernerzeitung.ch

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