Tierhaltung: Rentnerin mit 37 Kaninchen kämpft gegen Vorwürfe des Veterinärdienstes

Eine Rentnerin, drei Duzend Kaninchen, ein Rudel Hunde und mehrere Katzen – alle in einem Haus. Beim Veterinärdienst schlugen die Alarmglocken, die Tierhalterin wehrte sich. Nun musste sich das Kantonsgericht mit den Grenzen der Tierliebe befassen.

Ismail Osman
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Der kantonale Veterinärdienst machte einer Rentnerin Vorgaben, wie sie ihre Tiere zu halten hat - dagegen zog die Frau vor Gericht. (Symbolbild: Archiv NZ)

Der kantonale Veterinärdienst machte einer Rentnerin Vorgaben, wie sie ihre Tiere zu halten hat - dagegen zog die Frau vor Gericht. (Symbolbild: Archiv NZ)

Ab wann – und wie detailliert – darf der Kanton einer Tierhalterin vorschreiben, wie sie ihre Haustiere zu halten hat? Mit ­diesen Fragen musste sich das Luzerner Kantonsgericht kürzlich auseinandersetzen.

Im Zentrum des Gerichtsfalls stehen eine Rentnerin aus einer Seetaler Gemeinde und der Veterinärdienst des Kantons Luzern. Letzter nahm Ende 2014, aufgrund einer Meldung der Luzerner Polizei, eine unangemeldete Kontrolle vor. Die im Haus vorgefundenen Tiere und deren Situation führte zu einer Reihe von ­Beanstandungen durch den kantonalen Veterinärdienst.

Zum einen gingen diese Beanstandungen auf die schiere ­Anzahl von Tieren zurück: 37 Kaninchen wurden gezählt – Züchterin ist die Rentnerin nicht. Manche der Kaninchen waren Findel- und Verzichtstiere. Dazu kamen mindestens sieben Hunde und drei Katzen. Auch bei ihnen handelte es sich nach Angaben der Tierhalterin teilweise um Verzichtstiere und Vermittlungshunde. Daraus folgerten die Kontrollierenden, dass sie es hier mit Pflegeplätzen zu tun haben. Ab fünf Pflegeplätzen wird eine Bewilligung nötig. Entsprechend wurde die Frau aufgefordert, die nötigen Papiere einzuholen.

Der eigentliche Streitpunkt betraf jedoch eher die Frage, unter welchen Umständen die ­diversen Tiere im Haus lebten. So nahm der Veterinärdienst etwa im Erdgeschoss Uringeruch wahr und stellte auf Grund dessen in Frage, ob die Hunde genügend Auslauf bekamen. Zwei der Hündinnen schienen sich auch nicht zu vertragen, und bei einem weiteren Hund wurde zudem ein schlechter Gang festgestellt. Auf Nachfrage sei keine Tierarztkonsultation belegt und auch kein Arztbericht vorgelegt worden. Weiter stellte man bei einem der vorgefundenen Kaninchen einen Hodentumor und einen Ausschlag im Gesicht fest.

Liste mit Mängeln und Massnahmen erstellt

Insgesamt stellte der Veterinärdienst eine Liste von acht konkreten Mängeln fest – darunter etwa auch das Fehlen von Nageobjekten in einem der Kaninchengehege und dem Fehlen von genügend Licht in drei weiteren Gehegen. Fünf der Kaninchen seien zudem sehr mager vorgefunden worden. Die Konsequenz: eine Verfügung, die eine Liste von Massnahmen zur Behebung der Mängel beinhaltete.

Gegen diese Verfügung und die darin beschriebenen Mängel wehrt sich die Rentnerin jedoch. Zum einen bestreitet sie praktisch alle der vom Veterinärdienst gemachten Feststellungen – darunter den Uringeruch und die gegenseitige Unverträglichkeit zweier Chihuahua-Hundedamen. Diese seien bei der Kontrolle lediglich läufig gewesen und hätten sich «etwas zickig» verhalten, was aber nicht auf eine falsche Gruppenzusammensetzung zurückzuführen sei. Die Hunde würden in dieser Zeit auch in verschiedenen Zimmern gehalten. Dieser Schilderung hält der Veterinärdienst entgegen, dass man bei der Kontrolle beide Hunde in der Küche ­angetroffen habe.

Im Laufe des Verfahrens, das sich nun schon beinahe vier Jahre ­dahinzieht, machte die Beschwerdeführerin geltend, dass sich die Situation in ihrem Zuhause in der Zwischenzeit massiv verändert habe. So seien nur noch 13 Kaninchen und 6 Hunde in ihrem Eigentum. Weitere Tiere betreue sie nicht mehr. Von der Forderung nach einer Bewilligung als Tierheim sieht der Veterinärdienst in der Folge ab.

In seinem Urteil hebt das ­Gericht mehrere Punkte der Verfügung des Veterinärdienstes auf. Die Auflagen des Veterinärdienstes seien teilweise zu spezifisch gewesen, beziehungsweise die gesetzlichen Voraussetzungen dafür nicht gegeben, heisst es im Urteil. Ein Beispiel: die ­Anordnung, dass jeder der Chihuahua-Hunde täglich mindestens zwei Stunden unter Aufsicht Auslauf haben und jeder Hund täglich mindestens ein Mal spaziert werden müsse. Gemäss der Tierschutzverordnung müssen Hunde zwar täglich im Freien ausgeführt werden. Dass jeder der Chihuahuas aber zwei Stunden im Freien sein muss, könnte rechtlich nicht gestützt werden.

Dennoch verpflichtet das Gericht die Rentnerin dazu, mehrere Punkte einzuhalten. Darunter etwa jedes der verbleibenden ­Kaninchen täglich auf Krankheitsanzeichen zu prüfen. Wöchentlich müssen zudem die ­Körpergewichte gewogen und dokumentiert werden. Die Dokumentationen sind dem Veterinärdienst auf Verlangen vorzuzeigen.