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TIERQUÄLEREI: Thurgauer Pferd verschleppt Seuche in den Kanton Luzern

Der Fall um den mutmasslichen Tierquäler Ulrich K. zieht Kreise bis nach Luzern: Thurgauer Behörden haben vier Pferde von einem Luzerner Hof beschlagnahmt. Dort grassiert eine ansteckende Krankheit.
Kilian Küttel und Tim Naef
Versteigerung der Pferde des mutmasslichen Tierquälers aus Hefenhofen TG. (Bild: Anthony Anex/Keystone (Schönbühl, 17. August 2017))

Versteigerung der Pferde des mutmasslichen Tierquälers aus Hefenhofen TG. (Bild: Anthony Anex/Keystone (Schönbühl, 17. August 2017))

Kilian Küttel und Tim Naef

kanton@luzernerzeitung.ch

Die Geschichte sorgte schweizweit für Aufsehen. Und sie löste eine Welle der Betroffenheit aus: der Fall um Pferdezüchter Ulrich K., der im thurgauischen Hefenhofen seine Tiere schwer misshandelt haben soll. Der fehlbare Pferdehalter wurde in Polizeigewahrsam genommen, 80 seiner 93 Tiere haben an einer Versteigerung mittlerweile einen neuen Besitzer gefunden.

Jetzt wird klar: Betroffen vom Fall Ulrich K. ist auch eine Pferdehalterin aus dem Kanton Luzern. Die Frau, die anonym bleiben möchte, hatte im Juni vier Pferde aus Hefenhofen in ihrer Pferdepension aufgenommen. «Um sie aufzupäppeln und sie im Auftrag von Ulrich K. weiterzuverkaufen», wie sie auf Anfrage unserer Zeitung sagt. Die Tiere seien in einem desolaten Zustand auf ihrem Hof angekommen. Eines der Pferde sei dann positiv auf Druse getestet worden – jedoch, ohne dass Symptome der hochansteckenden Krankheit aufgetaucht sind.

Ulrich K. wusste von der Krankheit

Mittlerweile hat sich das geändert: «Bei fünf Pferden ist die Krankheit nun schon ausgebrochen.» Die Symptome reichen von Fieber über Nasenausfluss bis hin zu geschwollenen Lymphknoten, die eitern können.

Im Moment machen Gerüchte die Runde, wonach der Hof unter Quarantäne stehe. Auf Anfrage unserer Zeitung erklärt der Luzerner Kantonstierarzt Otto Ineichen: «Obwohl die Druse eine hochansteckende Krankheit ist, wird in solchen Fällen keine Quarantäne verhängt.» Die Krankheit sei tierseuchenpolizeilich nicht geregelt. Trotzdem wurden Ulrich K.s Tiere beschlagnahmt – allerdings nicht von den Luzerner Behörden. Kantonstierarzt Ineichen bestätigt die entsprechenden Recherchen unserer Zeitung: «Wir haben Kenntnis davon, dass der Veterinärdienst des Kantons Thurgau Pferde beschlagnahmt hat, die in Luzern stehen.» Weitere Angaben zum Fall will Ineichen keine machen. Stattdessen verweist er auf die Thurgauer Behörden. Laut der Luzerner Pferdehalterin würden ihr diese im Moment gewaltige Schwierigkeiten bereiten. «Ich hätte für die meisten der Tiere einen Abnehmer gefunden. Weil sie aber polizeilich beschlagnahmt sind, kann ich sie nicht weggeben.» Die Pferde stehen in ihrem Stall, die Frau pflegt und hegt sie. Das Futter berappt sie aus der eigenen Tasche.

Pikant: Als die Resultate des Drusen-Tests positiv ausfielen, stellte die Pferdehalterin Ulrich K. zur Rede: «Ich habe mit ihm telefoniert, nachdem er festgenommen worden war.» Er habe zugegeben, dass es auf seinem Hof Pferde mit Druse gebe. Während des Telefonats habe er der Luzernerin zudem gesagt, er hoffe, dass die Behörden die Pferde in die ganze Schweiz weiterverkaufen würden. «Dann könne er sie alle einklagen», so die Pferdehalterin. Sie handelte umgehend: «Nach dem Telefonat habe ich sofort die Kantonspolizei Thurgau und das Veterinäramt des Kantons Thurgau über das Gespräch informiert.» Die Behörden hätten von den Drusenfällen gewusst – vor der Versteigerung in Bern notabene. «Dass die Tiere trotzdem so schnell verkauft wurden, verstehe ich nicht», sagt die Luzernerin. Auf die Vorwürfe angesprochen, sagt Walter Hofstetter vom Informationsdienst des Kantons Thurgau: «Dem Veterinäramt wurde gesagt, dass im vergangenen Winter angeblich Druse im Stall von Ulrich K. aufgetreten sei. Vor dem Verkauf gab es jedoch keine Anzeichen auf Druse.»

Druse geht auch im Armee-Stall um

Der Fall beschränkt sich nicht nur auf Luzern. Die Pferdehalterin sagt, dass mindestens ein weiterer Zentralschweizer die Druse im Stall habe – ausgelöst durch Pferde aus Hefenhofen. Zudem wurde am Montag bekannt, dass mehrere Pferde des Armee-Tier-Kompetenzzentrums in Bern, wo die 93 Pferde des mutmasslichen Tierquälers vorübergehend untergebracht worden waren, möglicherweise an Druse erkrankt sind. Noch stehen die entsprechenden Analysen aus, wie Kommandant Jürg Liechti gegenüber «Schweiz aktuell» sagte. Liechti schloss nicht aus, dass die Übertragung der Krankheit durch die Pferde aus Hefenhofen erfolgt ist. Möglich sei aber auch, dass ein Besucher den Erreger ins Pferdezentrum gebracht habe. Die Ergebnisse der Proben sollen in den nächsten Tagen folgen.

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