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TIERSCHUTZ: Beschlagnahmte Rinder: Ufhuser lebt nach eigenen Gesetzen

Im Luzerner Hinterland wurden 31 verletzte Rinder beschlagnahmt. Die Bevölkerung ist darob nicht überrascht, denn der fehlbare Tierhalter und Unternehmer hat schon für so manchen Gerichtsfall gesorgt.
Raphael Zemp und Kilian Küttel
Hier auf dem Gutshof «Äntebach» gingen einst auf Einladung des Beschuldigten Promis ein und aus. (Bild: Nadia Schärli (Luthern, 21. Dezember 2017))

Hier auf dem Gutshof «Äntebach» gingen einst auf Einladung des Beschuldigten Promis ein und aus. (Bild: Nadia Schärli (Luthern, 21. Dezember 2017))

Raphael Zemp und Kilian Küttel

kanton@luzernerzeitung.ch

Über dem Luzerner Hinterland steigt langsam die Sonne auf. Ihre wärmende Wirkung können die Strahlen aber noch nicht entfalten, es ist kalt an diesem Donnerstagmorgen. Die Stimmung hier jedoch ist aufgeheizt. Grund dafür sind die jüngsten Vorkommnisse auf sechs Betrieben in der Region. Dort hat am Dienstag der kantonale Veterinärdienst 31 Rinder beschlagnahmt, die Anzeichen von Schmerzen und schlechter Haltung aufwiesen (wir berichteten).

Gesprächsthema Nummer eins ist der Besitzer dieser Höfe, ein bekannter Landwirt und ehemaliger Kiesunternehmer in der Region. So auch im Restaurant Eisenbahn in Zell. Drei Männer sitzen im Gastraum. Sie unterhalten sich bei Mineralwasser und Kaffee über den aktuellen Fall, der es gar national in die Schlagzeilen geschafft hat. Als der Reporter in die Diskussion einsteigt, verstummen sie, wenden die Blicke ab. Den Anwesenden sind Fragen sichtlich unangenehm. Niemand will sich konkret äussern, schon gar nicht mit Namen hinstehen. Ob sie den Hofbetreiber kennen, will der Reporter wissen. Ja, man wisse schon, wer er sei, sehe ihn aber selten. Und sowieso wohne er in Ufhusen, dort solle nachfragen, wer etwas wissen wolle.

Das gleiche Bild zeigt sich beim Betreten einer Beiz in Hüswil. Auch hier liegt die Zeitung auf dem Stammtisch, die Gäste sprechen über die betroffenen Höfe und deren Besitzerehepaar. Und auch hier will sich niemand zitierfähig äussern. Nur so viel verraten die Restaurantbesucher: Überrascht über den Polizeieinsatz sei man nicht, man habe es ja kommen sehen. Es sei schon sehr komisch, dass so einer überhaupt so lange einen Hof habe betreiben können – besonders nach all dem, was er sich schon zuschulden habe kommen lassen.

Millionenbeiträge wurden unterschlagen

In der Tat: Der Inhaber der Höfe ist kein unbeschriebenes Blatt. Das zeigt ein Blick ins Archiv unserer Zeitung – und Nachfragen bei den Luzerner Gerichten. Allerdings: Das Dickicht aus Anklagen und Gerichtsverhandlungen ist fast so schwierig zu durchschauen wie das vom mutmasslich fehlbaren Rinderhalter erschaffene Geflecht aus Kies-, Beton- und Transportfirmen. Nach jahrelangem juristischem Hickhack hat ein Bundesgerichtsurteil im Herbst 2012 erste Klarheit geschaffen: Der Mann hat mit seinem Firmenkonglomerat Millionenbeträge unterschlagen, und alleine die Eidgenossenschaft mit diversen Schummeleien um fast eine Million Franken LSVA-Abgaben geprellt. Jetzt war klar: Die schon vom Luzerner Obergericht geforderten 22 Monate Freiheitsstrafe waren rechtskräftig, der Unternehmer musste ein Jahr hinter Gitter.

Während des Verfahrens traten laufend neue Machenschaften ans Tageslicht. Etwa dass der Ufhuser noch 2008 einen 80-jährigen Bauern ausgetrickst hatte beim Kauf seines vier Hektaren grossen Heimetli. Unter anderem war der ausgestellte Check ungedeckt. In die wiederholten Gesetzesverstösse involviert war sogar sein Göttikind: Als dessen Erbverwalter hatte er 460 000 Franken des Erbes in eine Firma investiert, in der er selber als Verwaltungsrat tätig war. Das Geld hätte er zwingend mündelsicher anlegen sollen.

Parallel zum Kiesgeschäft baute der Ufhuser zusammen mit der Gattin seine Rinderzucht kräftig aus. Er erwarb mehrere Höfe und dürfte damit schon vor ein paar Jahren zum grössten Rinderhalter des Kantons avanciert sein. Er inszenierte sich gerne als erfolgreichen Landwirt, lud weltbekannte Sportler auf seine repräsentative Liegenschaft «Äntebach» in der Gemeinde Luthern ein. NHL-Stars wie David Aebischer, Mark Streit, Roman Josi, Martin Gerber und Yannick Weber – sie alle umsorgte er als Gastgeber. Darüber schrieb der «Unter-Emmentaler» ebenso wie die «Bauernzeitung».

Der Ufhuser war unter anderem auch für den Berner Marti-Konzern tätig. Das Bauunternehmen mit eigenen Kieswerken hielt auch nach der Verurteilung seines Kadermanns an ihm fest. Die Begründung: Jeder Mensch habe das Recht auf eine zweite Chance. Diese noble Haltung widerspiegelte sich allerdings nicht im Umgang mit der Konkurrenz im Kiesgeschäft. Hier kämpften die Firma und ihr Ufhuser Statthalter mit harten Bandagen, wie die «Handelszeitung» aufdeckte: «Der Konzern hat Dutzende von Einsprachen gegen Konkurrenten eingereicht. Oftmals dienten sie einzig dem Zweck, den Gegner mürbe zu machen.»

Berner Bauer um die Pacht geprellt

Im Sommer 2016 zog sich der Ufhuser dann aber doch, scheinbar urplötzlich, aus dem Kiesgeschäft zurück. Über die genauen Gründe herrscht noch immer Unklarheit. Klar ist immerhin: Eine der Firmen im Dunstkreis des Unternehmers hat Strafanzeige gegen einen ehemaligen Kadermitarbeiter eingereicht – wegen «Entwendung von Personenfahrzeugen». Mitarbeiter liessen zudem gegenüber unserer Zeitung durchblicken, dass derselbe Mitarbeiter Personal für andere Betriebe zweckentfremdet haben soll.

Klar ist auch, dass es nach seinem Rückzug aus der Kiesbranche nicht lange dauerte, bis er erneut negativ in die Schlagzeilen geriet. Dies, weil er einen 65-jährigen Bauern aus Schangnau um fast 100 000 Franken betrogen haben soll. Im April 2014 flog der ehemalige Kieshändler mit dem Helikopter vor und offerierte dem Berner Bauer für dessen Hof einen wesentlich höheren Pachtzins als andere Interessenten. Der Bauer liess sich nach eigenen Aussagen «den Speck durch den Mund ziehen» – wie unsere Zeitung im vergangenen Juni publik machte – und schlug ein, ohne aber in den folgenden drei Jahren etwas vom vereinbarten Pachtzins zu sehen. Der Ufhuser dagegen strich für den Hof jahrelang Direktzahlungen ein.

Ebenfalls im letzten Sommer musste er sich vor dem Bezirksgericht Willisau verantworten, unter anderem wegen «Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit». In diesem Fall liegt inzwischen ein rechtskräftiges Urteil vor. Ein weiteres Urteil, gefällt vom Kriminalgericht Luzern, wegen «mehrfacher Gläubigerschädigung durch Vermögensverminderung» akzeptiert der Ufhuser dagegen nicht: Über die unter anderem verhängte dreimonatige Freiheitsstrafe wird die nächste Instanz entscheiden müssen.

Anwalt ist überrascht über die Beschlagnahmung

Zurück in die Luzerner Winterlandschaft. Auch in Ufhusen war der berühmt-berüchtigte Dorfbewohner gestern prominentes Gesprächsthema. Doch auch hier lässt sich wenig über ihn in Erfahrung bringen. Ausser, dass er im Dorf selten gesehen werde, wenig öffentlich auftrete und kein grosser Vereinsmeier sei. Dieser Eindruck bestätigt sich, wenn man den Ufhuser kontaktieren will: Eine Suche auf verschiedenen Höfen bleibt erfolglos, auch beim Wohnhaus des Beschuldigten ist zur Mittagszeit scheinbar niemand zu Hause. Obwohl drei Autos in der Auffahrt stehen, die Weihnachtsbeleuchtung brennt und ein eingepackter Weihnachtsbaum bereitsteht.

Auch telefonisch ist der Mann nicht direkt zu erreichen. Er lässt ausrichten, sein Anwalt Beat Hess sei zuständig. Dieser wiederum äussert sich ganz anders als viele Leute in der Region: «Mein Klient und ich sind überrascht vom Vorgehen des Veterinäramtes», sagt er, denn man habe sich mit den Behörden im Gespräch befunden. «Wir warten jetzt auf die Begründung für dieses Vorgehen und werden das in aller Ruhe analysieren und prüfen, ob der Eingriff berechtigt und verhältnismässig war.»

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