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Tierschutzorganisation schlägt Alarm: Kastrationspflicht für Katzen gefordert

Die Tierschutzorganisation Network for Animal Protection schlägt Alarm wegen des Zustands hiesiger Katzen. Auch der Luzerner Kantonstierarzt kennt das Elend vieler Katzen.
Matthias Stadler
Tina Fluder vom Tierheim an der Ron in Root mit 2 von 40 Katzen, die derzeit im Heim leben. (Bild: Corinne Glanzmann, 17. Juli 2019)

Tina Fluder vom Tierheim an der Ron in Root mit 2 von 40 Katzen, die derzeit im Heim leben. (Bild: Corinne Glanzmann, 17. Juli 2019)

Auf Youtube generieren Videos von ihnen Zehntausende Klicks, in der realen Welt scheint es ihnen aber schlechter und schlechter zu gehen: Katzen. Dies zumindest sagt die Tierschutzorganisation Network for Animal Protection (Netap). Die Organisation mit Sitz im zürcherischen Esslingen schlägt nun wegen der Lage der Katzen in der Schweiz Alarm.

Susann Schmid, die wie sämtliche Personen bei Netap ehrenamtlich tätig und bei der Organisation für die Zentralschweiz zuständig ist, erklärt gegenüber unserer Zeitung, dass Katzen in der Schweiz teilweise katastrophal behandelt würden. «Seit einigen Jahren scheint sich die Lage der Tiere dramatisch zu verschlechtern. In der ganzen Schweiz herrscht ein immenses Katzenelend, auch in der Zentralschweiz.»

Es gehe vor allem darum, dass viele Halter ihre Katzen nicht kastrieren würden. «Wir sehen uns regelmässig mit Überpopulationen konfrontiert, sowohl bei Privatpersonen als auch auf Bauernhöfen. Dabei werden die Katzen meist massiv vernachlässigt.» So habe Susann Schmid beispielsweise bei einer älteren Frau in einer Luzerner Gemeinde 41 Katzen einfangen, kastrieren und umplatzieren müssen.

Katzen vermehren sich rasant

Es sei leider so, dass sich unter anderem Bauern häufig weigern würden, ihre Hofkatzen zu kastrieren. «Lieber eine tote Katze als eine kastrierte», habe Susann Schmid etwa von einem Jungbauern gehört. Einige Landwirte befürchten laut Schmid, dass kastrierte Katzen nicht mehr «mausen», also Mäuse jagen. Ein weit verbreiteter Irrtum, wie Susann Schmid erklärt. Eine Kastration habe keine Auswirkungen auf das Jagdverhalten von Katzen. Ein Irrglaube also, den es aus der Welt zu schaffen gelte.

Die Folge des Unwillens zu kastrieren: Die Tiere vermehren sich rasant. Eine Kätzin kann durchschnittlich jährlich zwei bis drei Mal werfen. Bis zu acht Kätzchen könne ein Wurf umfassen, erklärt Schmid. Diese sind nach einem halben Jahr ebenfalls fähig, Nachwuchs zu produzieren. Die Zahl der Nachkommen einer Katze kann so innert weniger Jahre enorm ansteigen. «Dadurch sind Katzen zur Massen- und Wegwerfware geworden», kritisiert Susann Schmid. «Wir schätzen, dass es in der Schweiz zwischen 100 000 und 300 000 herrenlose Katzen gibt.» Hinzu kommen geschätzt 1,6 Millionen Katzen mit Halter. Genaue Zahlen gibt es keine, da für Katzen keine Registrationspflicht gilt, anders als dies etwa bei Hunden der Fall ist.

Tierheim wird mit Anfragen überhäuft

Immer wieder mit herrenlosen Katzen zu tun hat auch das Tierheim an der Ron in Root. Betriebsleiterin Petra Roos sagt, dass die Katzenplätze im Heim «so gut wie immer ausgebucht» seien. Dieser Tage beherbergt das Heim rund 40 Katzen. «Wir haben jeden Tag Anfragen, um Katzen bei uns abzugeben. Wir müssen immer wieder Absagen erteilen.»

Die Lage habe sich in den vergangenen Jahren «sicher nicht gebessert», erklärt Roos. Eine Verschlimmerung stelle sie aber auch nicht fest. Die Leute seien aber sicher vermehrt sensibilisiert auf das Katzenelend.

Kanton will Katzenhalter sensibilisieren

Martin Brügger, Kantonstierarzt im Kanton Luzern, kennt dieses Elend ebenfalls. «Wir haben aber keine Zahlen, die belegen, dass es in den vergangenen Jahren schlimmer geworden ist.» Doch werde von Seiten des Kantons seit einiger Zeit verstärkt auf die Situation der Katzen geachtet. «Im Rahmen der regelmässigen Kontrollen auf den Bauernhöfen stellen wir zum Beispiel den Bauern Informationen zum Umgang mit kranken Katzen und zur Verhinderung der übermässigen Vermehrung zur Verfügung.»

Es gelte in der Tat, das Problem im Auge zu behalten und darauf zu reagieren. Die Behörden hätten die Möglichkeit, bei Verstössen einzugreifen. Wenn also beispielsweise ein Halter seine Katzen nicht tiergerecht behandelt, können ihm Massnahmen auferlegt werden, oder in schweren Fällen kann er zusätzlich auch gebüsst werden. Martin Brügger plädiert dafür, Katzenhalter entsprechend zu sensibilisieren.

Petition mit über 115000 Unterschriften eingereicht

Weiter geht die Tierschutzorganisation Netap. Sie fordert eine Kastrationspflicht für Freigängerkatzen in der Schweiz. Also für alle Katzen, die unbeaufsichtigten Freigang haben. Eine entsprechende Petition mit über 115 000 Unterschriften wurde vor einem Jahr in Bern eingereicht. Vor einem Monat nahm sich der Nationalrat des Anliegens an, lehnte es allerdings ab.

Der Ständerat befasst sich zu einem späteren Zeitpunkt damit. «Das Problem ist, dass sich die Parteien zu wenig dafür interessieren und auch die Öffentlichkeit zu wenig über das Katzenelend weiss», kritisiert Susann Schmid.

Kastrationspflicht in rund 700 deutschen Städten und Gemeinden

Sie verweist auf Deutschland, wo die Kastrationspflicht in rund 700 Städten und Gemeinden gilt. «Dort, wo eine Pflicht besteht, hat sich die Situation für Katzen stark verbessert. Eine solche Pflicht braucht die Schweiz, damit sich das Katzenelend endlich reduziert.» Sarah Ross, Haustierexpertin beim deutschen Ableger der Tierschutzstiftung Vier Pfoten, bestätigt: In der Gemeinde Bruchhausen-Vilsen in Niedersachsen beispielsweise herrscht seit 2012 eine Kastrationspflicht, 600 Katzen seien bis dato kastriert worden. «In der Gemeinde konnte ein deutlicher Rückgang an Katzenkindern, die in Tierheimen landen, festgestellt werden. Es gibt deutlich weniger Katzenpopulationsherde und auch viel weniger Beschwerden von Einwohnern.»

Generell sei es allerdings schwierig zu beurteilen, wie sich die Kastrationspflicht auf die Städte und Gemeinden ausgewirkt hat, da vor der Einführung Zahlen gefehlt hätten. Nichtsdestotrotz ist Sarah Ross überzeugt: Wenn die Kastrationspflicht existiert und diese auch durchgesetzt wird, könnten sehr gute Resultate erzielt werden.

So hält man Katzen richtig

Die Luzerner Behörden empfehlen diesen Umgang mit Katzen:
- Täglich ausreichender Zugang zu Katzenfutter und Trinkwasser, dauernder Zugang zu einer Unterkunft mit Rückzug und Witterungsschutz bieten.
- Die periodische Behandlung gegen Parasiten (Würmer, Flöhe usw.) sowie Impfung und Kastration fördern die Gesundheit.
- Kranke oder verletzte Katzen tierärztlich untersuchen und behandeln, oder wenn nötig, töten lassen.
- Die Anforderungen an die Tierhalter und der Aufwand zur Betreuung der Katzen erhöht sich mit zunehmender Anzahl Tiere. Eine Kastration verhindert eine übermässige Vermehrung am effektivsten. (mst)

Kastrationstage für herrenlose Katzen

Die Tierschutzorganisation Netap organisiert immer wieder Kastrationstage für herrenlose Katzen. Die nächsten finden am 26. Oktober in Stans und Nottwil, am 24. November und am 19. Januar 2020 in Nottwil statt. Auch der Tierschutz Luzern führt Kastrationsaktionen durch: Die nächsten finden am 12./19./26. November und am 10. Dezember in Zell/Ufhusen und am 13./24.  November in Nottwil statt. (mst)

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