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Tierseuchen: Der Kanton Luzern simuliert das Schlachten für den Ernstfall

Was, wenn die Maul- und Klauenseuche ausbricht? Um im Notfall das Schlimmste zu verhindern, hat der Kanton Luzern eine mehrtägige Übung durchgeführt, bei der fast 500 Tiere geschlachtet werden sollten.
Raphael Zemp
Bei der Tierseuchenübung wird trainiert, was zu tun ist, falls auf einem landwirtschaftlichen Betrieb im Kanton Luzern die hochansteckende Maul- und Klauenseuche ausbricht. Bild: Boris Bürgisser (Ruswil, 19. Oktober 2018)

Bei der Tierseuchenübung wird trainiert, was zu tun ist, falls auf einem landwirtschaftlichen Betrieb im Kanton Luzern die hochansteckende Maul- und Klauenseuche ausbricht. Bild: Boris Bürgisser (Ruswil, 19. Oktober 2018)

Lückenloses Grau drückt an diesem Freitagvormittag auf die sanfte Hügellandschaft zwischen Sempachersee und Rottal. Kühe grasen friedlich vor sich hin, ein Rabenvogel krächzt aus einer nahen Baumkrone. Ein Herbsttag, wie schon so mancher über den Ruswiler Hof Elischwand gezogen ist. Wären da nur nicht diese Plastikzelte und Absperrbänder, die das Gehöft umzingeln. Wären da nur nicht diese Menschen in weissen Schutzanzüge, die zwischen Stall, Spycher und Wohnhaus umhergehen, nicht selten mit Schutzbrille, -Maske und Hochdruckreiniger bewaffnet.

«Sind wir bereit, falls im Kanton Luzern eine hochansteckende Tierseuche ausbricht?», fragte Vincent Graf, Stabschef des kantonalen Führungsstabs, eine knappe Stunde zuvor in den prall gefüllten Saal, im Nottwiler Gemeindezentrum Sagi. Etliche Journalisten hatten sich dort eingefunden, um mehr zu erfahren über die jüngste Tierseuchenübung, die genau eben jene Frage beantworten soll.

Auf einem Hof in Ruswil wird geübt, wie im Ernstfall vorgegangen werden muss. Bild: Boris Bürgisser (Ruswil, 19. Oktober 2018)

Auf einem Hof in Ruswil wird geübt, wie im Ernstfall vorgegangen werden muss. Bild: Boris Bürgisser (Ruswil, 19. Oktober 2018)

Rund hundert Personen an der Simulation beteiligt

Die Übung hat zwei Tage gedauert und ist am Freitag zu Ende gegangen. Daran beteiligt waren rund 100 Personen. Neben dem kantonalen Führungsstab, den Gemeindeführungsstäben von Ruswil, Buttisholz und Nottwil und dem kantonalen Territorial Verbindungsstab der Armee standen der Veterinärdienst des Kantons Luzern, die kantonale Formation des Zivilschutzes, die Luzerner Polizei und die Feuerwehr Ruswil im Einsatz.

Auch weil diesmal der Ernstfall nicht «nur» am Bürotisch geprobt wurde, sondern ein beträchtlicher Teil der Involvierten selber Hand anlegte, auf der «Elischwand» vor Ort; und dabei etwa tiergerechtes Töten probte: an rund 80 Kühen und 400 Schweinen, also am gesamten Tierbestand des Hofes – vier Katzen und zwei Schildkröten ausgenommen. Wie genau, das stellte eine Handvoll Schutzanzüge gestern eigens für die angereisten Zuschauer nach.

Zack! Das Eisentor ist verriegelt, die Kuh im Zwinger gefangen. Das Tier blickt sich unruhig um. «Und dann töten wir die Kuh mit einem Bolzenschussapparat, wie in friedlichen Zeiten», erklärt Kantonstierarzt und Übungsleiter Otto Ineichen, nur wenige Meter von der Tötungsbox entfernt. Derweil deutet ein Overall-Träger auf die entsprechende Stelle am Kuhkopf, schliesst das entgegengesetzte Gatter, um kurz darauf das Tier aus seiner «Falle» zu entlassen. Kein letztes Aufstöhnen, kein Zusammensacken, kein Blut, dass über das Kuhgesicht rinnt. Das Töten im Fall eines Seuchenausbruchs, es wird hier bloss simuliert.

Seuche hätte im Kanton Luzern
enorme Auswirkungen

Ein beklemmendes Gefühl bleibt trotzdem. Kühe, Schweine, Geissen und Schafe: Wird auf einem Hof ein hochansteckender Virus wie jener der Maul- und Klauenseuche nachgewiesen, sei es auch nur bei einem einzigen Tier, dann müssen sie alle sterben. Ohne Ausnahme. So wollen es die internationalen Bestimmungen zur Seuchenbekämpfung. Gar nicht auszumalen das Ausmass des Tiersterbens, würde bei uns eine Seuche ausbrechen! Alleine im Kanton Luzern gibt es über 400 000 Schweine, 1,2 Millionen Hühner und rund 160 000 Kühe. Von «enormen Auswirkungen», spricht auch Ineichen. Und meint damit noch viel mehr, als das Abschlachten von hunderten, ja tausenden Nutztieren.

Es drohen gravierende Einschränkungen für die betroffenen Betriebe aber auch für jene in erweiterten Schutzzonen. Leiden würden aber auch alle Betriebe, die der Landwirtschaft vor- und nachgelagerte sind. Und nicht zuletzt der Tourismus, wie Vorfälle im Ausland eindrücklich bewiesen hätten. «So steigt die Schadenssumme schnell in Milliardenhöhe.» weiss Ineichen.

Ein Zivilschützer im Schutzanzug putzt eine Maschine, die in die «verseuchte» Zone fährt. Bild: Boris Bürgisser (Ruswil, 19. Oktober 2018)

Ein Zivilschützer im Schutzanzug putzt eine Maschine, die in die «verseuchte» Zone fährt. Bild: Boris Bürgisser (Ruswil, 19. Oktober 2018)

Seuchenausbruch ist «sehr realistisch»

Doch wie gross ist überhaupt die Gefahr, dass hierzulande eine aggressive Tierseuche ausbricht? Als «sehr realistisch» schätzt Otto Ineichen ein solches Szenario ein, vor allem im Fall der Maul- und Klauenseuche. Diese stellt zwar für den Menschen keine Gefahr dar, wirkt sich aber umso verheerender auf dessen Nutztierbestände aus, weil besonders aggressiv und einfach übertragbar.

Die Maul- und Klauenseuche grassiert noch immer in vielen Teilen der Welt, darunter in Nordafrika, Israel oder in der Türkei. Gut möglich also, dass Menschen den verheerenden Erreger in die Schweiz einschleppen, noch eher aber verseuchte tierische Import-Produkte. Denn auf diesen können die Viren ohne Weiteres ein halbes Jahr und länger überleben, sogar tiefgefroren, weiss Ineichen.

Selbst auf solch grosse Herausforderungen wähnen sich die Luzerner Behörden gut vorbereitet. Die Übung sei ein voller Erfolg, sagt Kantonstierarzt Ineichen: «Die Ziele wurden erreicht. Die Abläufe haben weitestgehend funktioniert.»

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