TISCHFUSSBALL: «Ein guter Kasten ist kaum tot zu kriegen»

Der Tischfussballclub Luzern (TFCL) führt am 7. und 8. Januar im Treibhaus, Luzern, das internationale Jahreseröffnungsturnier durch. Clubpräsident Peter Felder (27) erklärt den Unterschied zwischen Tischfussball und Töggelen.

Turi Bucher
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Peter Felder im Klublokal in Reussbühl. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 23. Dezember 2016))

Peter Felder im Klublokal in Reussbühl. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 23. Dezember 2016))

Interview: Turi Bucher

arthur.bucher@luzernerzeitung.ch

Peter Felder, wir haben auch einen Töggelikasten im Büro, aber er wird nicht gepflegt und hat in den letzten Jahren ziemlich gelitten. Könnten Sie mal vorbeikommen?

Kein Problem, ich stelle mich gern zur Verfügung. Abgesehen von den Ersatzteilen sind die Kosten verhandelbar. Ein guter Tischfussballkasten ist sowieso kaum tot zukriegen. Ausser er steht die ganze Zeit im Regen.

 

«Im Regen» stehen meistens die Gegner, die gegen Hans und mich spielen. Hätten wir an Ihrem Jahreseröffnungsturnier auch eine Chance?

Es gibt in der Schweiz drei offizielle Spielkategorien: Neulinge, Semi-Pro und Pro. An unserem Turnier vom kommenden Wochenende lassen wir auch ein offenes Doppel für alle und die geschützte Kategorie Neuling-Doppel spielen. Ich empfehle Ihnen, sich in beiden, also bei den Neulingen und in der offenen Kategorie, einzuschreiben. Das können Sie übrigens bis eine halbe Stunde vor Turnierbeginn tun.

 

Das Video, das auf Ihrer Homepage steht, hat mich schon ziemlich beeindruckt.

Wir haben natürlich nur jene Sequenzen in den Videofilm genommen, bei denen der Trick geklappt hat. Und die Tricks funktionieren auch bei uns nicht immer auf Anhieb.

 

Es gibt jene Töggeler, die einfach herumballern und die Stangen ein bisschen kurbeln, und es gibt jene – wie Hans und mich natürlich –, die den Ball feinfühlig streicheln. Zu welcher Kategorie gehören Sie?

Das ist ja eben der Unterschied zwischen Töggelen und Tischfussball. Natürlich gehöre ich zur zweiten Kategorie. Das Ziel ist es, den Ball kontrolliert zu bewegen. Solange man den Ball hat, kann der Gegner kein Tor erzielen …

 

… das ist ja wie beim FC Barcelona …

… ich will den Ball, und der Ball soll das machen, was ich will.

 

Eine Turnier-Kategorie heisst «Helden DYP». Was bedeutet das?

In dieser Kategorie ermittelt der Computer Ihren Spielpartner, «Draw Your Partner». Hier spielen in der Regel die, welche aus den anderen Kategorien ausgeschieden sind. Eigentlich heisst es deshalb «Loser DYP», wir haben die Kategorie aber einfach in «Helden DYP» umgetauft.

 

Eintritt wird am Töggeli-Turnier-Weekend nicht verlangt, und für die Besten gibts erst noch Preisgeld. Wie verdienen Sie als Veranstalter was dazu?

Ich muss ganz klar betonen: Wir wollen das beste Turnier veranstalten und nicht jenes, das am meisten Geld einnimmt. Wir wollen das Geld auch nicht bei den Tischfussballspielern holen, sondern haben diverse Sponsoren. Wir konnten das Treibhaus zu guten Konditionen mieten. Das Catering läuft über uns, der Getränkeverkauf übers Treibhaus. Wir erhalten gemäss offizieller Regelung 20 Prozent des Startgeldes, sind am Schluss aber schon froh, wenn das Turnier eine Null-Rechnung ergibt, was den finanziellen Aspekt betrifft.

 

Wer spielt alles mit am Turnier?

Wir erwarten die ganze Tischfussball-Schweiz, dazu Teilnehmer aus Deutschland und Österreich. 2016 hatten wir 61 Anmeldungen, ich wäre enttäuscht, wenn es diesmal weniger sind.

 

In Zürich besiegte ich mit meinem ehemaligen Redaktionskollegen Nicola einmal ein Duo, das vor dem Spielbeginn weisse Handschuhe überstreifte. Ist das gängig unter den Profis?

Es gibt welche, die tragen Handschuhe, aber mittlerweile wickeln 99 Prozent der geübten Spieler ein Bändeli um die Griffe. Ich spiele mit einem Band um den Griff doppelt so gut wie ohne. Es ist wie beim Tennis, man hat einen besseren Griff, das Band saugt den Schweiss auf, das Ballgefühl ist immens stärker.

 

Ganz wichtig bei uns im Büro: Trashtalk! Ist das bei Ihnen erlaubt?

Vor dem Spiel – ja. Während des Spiels kann dies als Ablenkung gewertet werden.

 

Ach kommen Sie, ein bisschen Trashtalk muss doch sein …

Wir bleiben am Tisch fair, Unsportlichkeiten können mit der Disqualifikation geahndet werden. Wer will, kann während des Spiels einen Unterbruch verlangen und einen Schiedsrichter anfordern. Der kostet dann allerdings 3 bis 4 Franken pro Spieler.

 

Sind Tore von der Mittelreihe aus, also mit der Fünferstange, erlaubt?

Die internationale Regel besagt ganz klar: Tore sind auch von der Fünferreihe aus erlaubt.

 

Der Tischfussballclub Luzern bietet auch Kurse an. Was lerne ich dabei?

Am besten schauen Sie mittwochs bei uns im Training rein. Das kostet 5 Franken, und Sie können erst noch einen Weltmeister oder einen Schweizer Meister herausfordern oder mit diesen zusammen spielen und so viele Tipps und Tricks mitnehmen. Man kann uns auch für auswärtige Events buchen. Wir kommen für eine kleine Show sogar mit dem Tischfussballkasten zu Ihnen.

 

Wer bei uns 0:10 verliert, muss unter dem Fussballtisch durchkriechen. Gibts diesen Brauch bei den Profis auch?

Dieser Brauch ist weit verbreitet, wird bei ambitionierten Turnieren aber nicht angewendet. Bei unserem Turnier kann man alledings gar nicht 0:10 verlieren. Denn in der Vorrunde wird auf 6 und in der K.-o.-Phase auf 5 gespielt. Ich kann durchaus sagen: ich habe schon einige unten durch geschickt und musste selber auch schon einige Male unten durch.

 

Hinweis

Video und mehr zum TFCL unter www.tfcl.ch