TIXI-TAXI: Siebenmal weniger Fahrer als in Zug

Dem Behindertenfahrdienst LU-Tixi fehlt es an freiwilligen Fahrern, in Zug gibt es eine Warteliste. Der Luzerner Dienst will reagieren.

Gabriela Jordan
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Edwin Niederberger ist einer der rund 40 Tixi-Fahrer in der Region Luzern. Hier holt er Heidi Imfeld in Kriens ab. (Archivbild Eveline Beerkircher)

Edwin Niederberger ist einer der rund 40 Tixi-Fahrer in der Region Luzern. Hier holt er Heidi Imfeld in Kriens ab. (Archivbild Eveline Beerkircher)

Gabriela Jordan

Kleider für die Caritas flicken, Kindern Nachhilfe geben oder Flüchtlingen Deutsch beibringen: Schweizer engagieren sich auf vielfältige Weise in unserer Gesellschaft. Dennoch gibt es Organisationen, denen es an Freiwilligen mangelt. Eine davon ist der Behindertenfahrdienst LU-Tixi. Nichts Ungewöhnliches, könnte man sich nun denken. Überraschend ist aber der Blick über die Kantonsgrenze: Im kleineren Kanton Zug ist das Interesse am freiwilligen Fahrdienst für das Rollstuhltaxi ausgeprägter, wie aus dem Beitrag von Mario Bucher, Geschäftsführer von LU-Tixi, im «Anzeiger Luzern» vom 20. Januar hervorgeht. Demnach lenken das Tixi-Taxi in Stadt und Agglomeration Luzern rund 40 Freiwillige, in Zug sind es aktuell fast 300 und in Zürich rund 400.

Engpässe am Wochenende

Dass die Zuger Bevölkerung solidarischer mit ihren Mitmenschen ist, ist Bucher zufolge durchaus möglich: «Die Zuger haben einfach einen anderen sozialen Gedanken und eine stärkere Freiwilligenkultur.» Dies fange schon damit an, wie die Behörden die Freiwilligenkultur «vorlebten» und Organisationen etwa auch finanziell unterstützten. Genügend Fahrer und Fahrerinnen zu finden, sei zumindest bei ihm ein grosser Kampf, sagt Bucher. Dadurch gebe es ab und zu auch Engpässe, insbesondere am Abend und an den Wochenenden.

Martin Suter, Geschäftsführer des Tixi Zug, bestätigt den Eindruck seines Luzerner Kollegen. Aufgrund der vielen Freiwilligen könne man selektiv vorgehen, um diese wunschgemäss einzusetzen. Sonst seien bisherige Freiwillige enttäuscht, wenn sie nicht fahren könnten.

Mehr Zeit für Engagement

Die Ursache für die hohe Bereitschaft sieht er aber auch in äusseren Umständen. «Im Kanton Zug gibt es viele Leute, die Teilzeit arbeiten, sich frühpensionieren lassen oder auf Jobsuche sind und etwas Gutes tun wollen.» Und weil die meisten der freiwilligen Helfer Pensionierte seien, hätten diese mehr Zeit, sich zu engagieren.

Als zweiten Grund nennt Suter die Grösse des Kantons. «Die Distanzen sind in Zug kleiner und die Fahrten dadurch kürzer», sagt er. Gut möglich, dass Leute deshalb eher bereit seien, sich hinter das Tixi-Lenkrad zu setzen. Schliesslich sei es auch wichtig, dass eine Organisation etabliert und bei den Leuten bekannt ist. Beim Tixi Zug sei dies der Fall, so Suter.

Möglich ist auch, dass es in Luzern mehr Konkurrenz durch andere Freiwilligenangebote und auch durch andere Rollstuhltaxis gibt. Zum Beispiel hat Tixi Sursee nicht das Problem, dass sie zu wenige freiwillige Fahrer hätten – dort sind es aktuell 22 Fahrer, und es gibt sogar erstmals eine Warteliste.

Appell an Eigenverantwortung

Auch Elsbeth Fischer-Roth, Geschäftsleiterin der Dachorganisation für Freiwilligenarbeit Benevol Schweiz, findet nicht, dass sich Luzerner weniger engagieren. Grundsätzlich gebe es zwischen den Deutschschweizer Kantonen keine grossen Unterschiede im Engagement der Leute, sagt sie. «Entscheidend ist einerseits, wie gut eine Organisation etabliert ist und gefördert wird, und andererseits, ob sie zu ihren Freiwilligen Sorge trägt», sagt Fischer-Roth. Viele Kantone – auch Luzern – müssten sparen, und dies wirke sich auf die Förderung der Freiwilligenarbeit aus. Die Folgen davon spüre man jeweils erst verzögert.

Aber auch jede Organisation sei in der Pflicht, Engagement zu fördern, sagt Fischer-Roth. Dem widerspricht Mario Bucher, der Geschäftsführer von LU-Tixi, nicht. Es sei sicher wichtig, wie der Fahrdienst wahrgenommen werde. «Vielleicht hat man es noch nicht genug bekannt gemacht. Wir arbeiten aber daran», sagt Bucher.

Günstiger fahren

Für Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung den öffentlichen Verkehr (Bus, Bahn) nicht oder nur eingeschränkt nutzen können, gibt es Tixi-Taxi-Bons zur Vergünstigung von Freizeitfahrten. Finanziert werden sie vom Kanton Luzern und den Gemeinden.

Behinderte, die auf den Fahrdienst angewiesen sind, erhalten pro Monat 15 Bons im Gesamtwert von 150 Franken. In Luzern akzeptieren über 20 Transportunternehmen diese Bons, darunter auch normale Taxi-Unternehmen. Behinderte können nach dem Marktprinzip ihr Taxi selber wählen. Pro Infirmis Luzern, Ob- und Nidwalden ist mit der Organisation der Bons beauftragt.