TODESFALL: Luzern gedenkt Hans Erni

Engagiert, populär, gemieden: Luzern hat am Freitag Abschied genommen von dem vor drei Wochen im Alter von 106 Jahren verstorbenen Hans Erni. Erni wurde an der Feier als politischer Künstler und Humanist gewürdigt, der die Massen bewegte.

Drucken
Teilen
Hans Erni flimmert über die Leinwand, anlässlich der Gedenkfeier im Verkehrshaus. (Bild: Nadia Schärli)

Hans Erni flimmert über die Leinwand, anlässlich der Gedenkfeier im Verkehrshaus. (Bild: Nadia Schärli)

Auf der Grossleinwand im Filmtheater ist ein Film über Hans Erni zu sehen. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
24 Bilder
Leonard Gianadda, Direktor der Stiftung Gianadda und Doris Erni, die Witwe von Hans Erni schauen einen 3D-Film über Hans Erni. (Bild: Keystone)
Ehefrau Doris Erni inmitten von Bekannten und mit ihrem Enkel Noah (mit Fotoapparat). (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger, Reto Wyss, Regierungspräsident des Kantons Luzern, Emil Steinberger, und Stefan Roth, Luzerner Stadtpräsident (von links) haben an der Gedenkfeier teilgenommen. (Bild: Keystone)
Eine Karte zur «Gedenkfeier für Hans Erni». (Bild: Keystone)
Doris Erni, die Witwe von Hans Erni (Mitte). (Bild: Keystone)
Die Projektion eines 3D Films mit einem Portrait von Hans Erni im Verkehrshaus der Schweiz. (Bild: Keystone)
Stefan Roth, Stadtpräsident von Luzern, bezeichnete Erni an der Feier als Giganten, dies wegen seiner Vielseitigkeit als Künstler und Mensch, aber auch wegen seiner Vitalität. Erni sei 106 Jahre alt geworden, aber nie ein Greis gewesen. (Bild: Keystone)
Peter Fischer, Direktor des Zentrums Paul Klee in Bern, sagte, für viele Leute, die sich sonst nicht sonderlich mit Kunst beschäftigten, sei Erni der Inbegriff des Künstlers gewesen. Was den Beifall der Massen gefunden habe, sei für die Kunstschweiz aber ein No-Go gewesen. (Bild: Keystone)
Erni habe sich vom Staatskünstler der Landi 1939 zum späteren Staatsfeind entwickelt, sagte alt Bundesrat Moritz Leuenberger in seiner Rede. Die damaligen Inquisitoren hätten nicht zwischen dem Glauben an eine bessere Welt und dem real existierenden Sozialismus unterscheiden können. (Bild: Keystone)
Der Luzerner Regierungspräsident Reto Wyss hob Ernis enge Verbundenheit mit Luzern hervor, obwohl ihm seine Heimat es ihm nicht immer leicht gemacht habe. Wyss spielte damit auf die Ächtung Ernis durch die offizielle Schweiz an, dies wegen seiner zeitweiligen marxistischen Überzeugung. (Bild: Keystone)
Stefan Roth, Stadtpräsident von Luzern, bezeichnete Erni an der Feier als Giganten, dies wegen seiner Vielseitigkeit als Künstler und Mensch, aber auch wegen seiner Vitalität. Erni sei 106 Jahre alt geworden, aber nie ein Greis gewesen. (Bild: Keystone)
Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger, zweiter von rechts, schaut einen 3D-Film anlässlich der öffentlichen Gedenkfeier zum Tod von Hans Erni. (Bild: Keystone)
Konrad Graber (CVP-LU), links, und Emil Steinberger schauen einen 3D-Film über Hans Erni und sein Leben und Schaffen. (Bild: Keystone)
Blick in die Zuschauer während der öffentlichen Gedenkfeier. (Bild: Keystone)
Kabarettist Emil Steinberger (links) und Stefan Roth, Luzerner Stadtpräsident anlässlich der öffentlichen Gedenkfeier zum Tod von Hans Erni. (Bild: Keystone)
Leonard Gianadda, Direktor der Stiftung Gianadda, schaut auf das Bild «Taube mit ausgebreiteten Flügeln». (Bild: Keystone)
Franz Steinegger spricht mit einem Journalisten anlässlich der öffentlichen Gedenkfeier zum Tod von Hans Erni, im Verkehrshaus der Schweiz. (Bild: Keystone)
Eine Person liest die Todesanzeige zur Beerdigung von Hans Erni. (Bild: Keystone)
Peter Fischer, Direktor des Zentrums Paul Klee spricht an der Gedenkfeier von Hans Erni. (Bild: Keystone)
alt Bundesrat Moritz Leuenberger beim Apéro. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Walter Ulmi, Konservator Verkehrshaus Luzern, spricht mit einer Journalistin anlässlich der öffentlichen Gedenkfeier zum Tod von Hans Erni. (Bild: Keystone)
Ein 3D Film mit Doris und Hans Erni im Filmtheater. (Bild: Keystone)
Ein 3D Film zeigt Hans Erni beim Zeichnen. (Bild: Keystone)

Auf der Grossleinwand im Filmtheater ist ein Film über Hans Erni zu sehen. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Auf Wunsch des Künstlers fand die öffentliche Gedenkfeier im Verkehrshaus statt, auf dessen Gelände sich auch das Hans-Erni-Museum befindet. An der Feier nahmen neben seiner Frau Doris etwa der Luzerner Kabarettist Emil Steinberger, die Luzerner Kunstsammlerin Angela Rosengart, der Luzerner Theaterdirektor Dominique Mentha sowie Vertreter politischer Behörden teil.

Ernis Schaffen erstreckte sich über mehr als 80 Jahre. Zunächst schloss Erni sich in Paris der Avantgarde an. Bekannt wurde er in der Schweiz 1939 mit dem für die Landesausstellung geschaffenen Monumentalbild «Die Schweiz, das Ferienland der Völker». Ernis Werk war in der Öffentlichkeit dank seinen Wandbildern, Briefmarken, Büchern und politischen Plakaten präsent.

Vitaler Mensch

Stefan Roth, Stadtpräsident von Luzern, bezeichnete Erni an der Feier als Giganten, dies wegen seiner Vielseitigkeit als Künstler und Mensch, aber auch wegen seiner Vitalität. Erni sei 106 Jahre alt geworden, aber nie ein Greis gewesen.

Erni habe Kunst nicht als Selbstinszenierung, sondern als gesellschaftliche Verpflichtung verstanden, sagte dessen langjähriger Freund und Präsident der Hans Erni-Stiftung, Karl Bühlmann.

Der Luzerner Regierungspräsident Reto Wyss hob Ernis enge Verbundenheit mit Luzern hervor, obwohl ihm seine Heimat es ihm nicht immer leicht gemacht habe. Wyss spielte damit auf die Ächtung Ernis durch die offizielle Schweiz an, dies wegen seiner zeitweiligen marxistischen Überzeugung.

Erni habe sich vom Staatskünstler der Landi 1939 zum späteren Staatsfeind entwickelt, sagte alt Bundesrat Moritz Leuenberger in seiner Rede. Die damaligen Inquisitoren hätten nicht zwischen dem Glauben an eine bessere Welt und dem real existierenden Sozialismus unterscheiden können.

Kein Agitator

Erni sei ein politischer Künstler gewesen, er habe aber keine blosse Agitation gemacht, sagte Leuenberger. Erni habe sich als Bürger mit seiner Kunst eingemischt. Er sei als Citoyen sein ganzes Leben zur Schweiz gestanden.

Ab den späten 60er-Jahren erlebte Erni eine beispiellose Popularität. Seine Werke wurden teils in grossen Auflagen verbreitet, der Künstler erwies sich auch als geschickter Verkäufer.

No-Go für den Kunstbetrieb

Peter Fischer, Direktor des Zentrums Paul Klee in Bern, sagte, für viele Leute, die sich sonst nicht sonderlich mit Kunst beschäftigten, sei Erni der Inbegriff des Künstlers gewesen. Was den Beifall der Massen gefunden habe, sei für die Kunstschweiz aber ein No-Go gewesen.

Fischer, der 2009 zum 100. Geburtstag Ernis in Luzern eine grosse Erni-Ausstellung realisiert hatte, fragte sich, ob die Kunst eines von den Massen bewunderten Künstlers als schlecht bezeichnet werden könne. Eine Würdigung Ernis müsse wohl über eine rein kunsthistorische Betrachtung hinausgehen, sagte er.

Erni habe sich gegen die Abstraktion und für die Verständlichkeit entschieden, weil er habe bewegen wollen, sagte Fischer. Sein Werk zeige, wie sich Kunst in das Leben einmischen könne. Er habe so Grosses geleistet und verdiene den Dank.

Die Familie von Hans Erni hatte bereits vor der öffentlichen Gedenkfeier im engen Kreis vom Künstler Abschied genommen. Nach Angaben eines Vertrauten Ernis fand keine Beerdigung oder Urnenbeisetzung auf einem öffentlichen Friedhof statt.

2015: Der Künstler Hans Erni anlässlich des Interviews hinsichtlich seines 106.Geburtstags in seinem Atelier bei sich zu Hause. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
38 Bilder
2015: Der Künstler Hans Erni wurde 106 Jahre alt. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
2014: Der Künstler Hans Erni zeichnete bis zum Schluss. So auch in dieser Aufnahme vom 16. Dezember 2014 in seinem Atelier in Luzern. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
2014: Der Künstler Hans Erni am 16. Dezember 2014 in seinem Atelier in Luzern. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
2014: Der Künstler Hans Erni am 16. Dezember 2014 in seinem Atelier. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
2013: Der Minotaurus ist eine Figur im Skulpturengarten des Hans Erni Museums welches sich im Gelände des Verkehrshauses der Schweiz in Luzern befindet. (Bild: Keystone)
2012: Hans Erni bei der Einweihung des neuen Biotops mit Skulpturengarten beim Hans Erni Museum sowie Gartenbahn mit neuem Bahnhof und Rollstuhlwagon am Freitag, 15. Juni 2012, im Verkehrshaus der Schweiz. (Bild: Keystone)
2011: Der Luzerner Künstler Hans Erni in einer Aufnahme aus dem Jahr 2011. (Bild: Keystone)
2011: Hans Erni präsentiert das Sujet der neuen Bisquit Dose am Dienstag, 14. Juni 2011 in Luzern. Zum 100-jährigen Bestehen der Krebsliga Schweiz hat Wernli 2010 zusammen mit dem Schweizer Kuenstler Hans Erni eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Wernli übergab den Scheck an die Krebsliga. (Bild: Keystone)
2010: Hans Erni und seine Frau Doris posieren mit dem Geschenk, einem russischen Samowar, vor dem im Jahr 1944 stark kritisierten politischen Plakat von Erni, nachdem dieser von der Gesellschaft Schweiz - Russland für seine Verdienste zur Völkerverständigung geehrt wurde. (Bild: Keystone)
2009: Hans Erni posiert mit einem Modell einer von ihm gestalteten Goldmünze zum 100 Jahr Jubiläum der Pro Patria im Jahr 2009 in Bern. (Bild: Keystone)
2009: Doris und Hans Erni posieren für die Fotografen anlässlich der Verleihung der Swiss Awards im Hallenstadion in Zürich. Hans Erni wurde für sein Lebenswerk ausgezeichnet und gewann den «LifetimeAward». (Bild: Keystone)
2009: Die Brille des Künstlers Hans Erni liegt vor ihm auf einem Tisch, während einer Führung durch seine Ausstellung "Retrospektive zum 100. Geburtstag", am Freitag, 22. Mai 2009 im Kunstmuseum Luzern. (Bild: Keystone)
2009: Hans Erni und seine Ehefrau Doris führen die Medien durch seine Ausstellung "Retrospektive zum 100. Geburtstag" im Kunstmuseum Luzern. (Bild: Keystone)
2009: Das Wandbild, das Hans Erni vor dem Palais des Nations der UNO in Genf realisiert hat am 6. Juni 2009. (Bild: Keystone)
2004: Der Luzerner Künstler Hans Erni, während eines Mediengesprächs am Mittwoch, 18. Februar 2004 im Hans Erni Museum von Luzern. (Bild: Keystone)
2004: Hans Erni in seinem Atelier in Luzern. (Bild: Keystone)
2004: Hans Erni in seinem Atelier in Luzern. (Bild: Keystone)
1997: Beni Thurnheer im Gespräch mit Hans Erni in der 25. Benissimo-Sendung im Schweizer Fernsehen, aufgenommen am 5. April 1997. (Bild: Keystone)
Wandbild von Hans Erni vor dem UNO-Gebäude in Genf. (Bild: Leserbild Willy Birrer)
1994: Portrait von Hans Erni, Schweizer Kunstmaler, aufgenommen im Februar 1994. (Bild: Keystone / Str)
1990: Der Schweizer Kunstmaler Hans Erni schneidet am 6. März 1990 im kleinsten Rebberg der Welt ob Saillon den ersten Rebstock des Jahres ab. (Bild: Keystone / Str)
1987: Der Schweizer Kunstmaler Hans Erni malt  an einem seiner Werke. (Bild: Keystone / Str)
1989: Das monumentale Wandgemälde der Landesausstellung 1939, "Die Schweiz, das Ferienland der Völker" von Hans Erni wird 1989 im Freien ausgestellt. (Bild: Keystone / Str)
1986: Das Abstimmungsplakat "Raus aus der Nussschale" des Luzerner Kunstmalers Hans Erni, welches fuer einen UNO-Beitritt der Schweiz wirbt, hängt an einer Plakatwand. (Bild: Keystone / Str)
1982: Hans Erni orientiert am 28. Oktober 1982 in Neuenburg, Schweiz, über den Fortgang der Renovationsarbeiten an einem Freskogemälde an der Nordfassade des Völkerkundemuseums, das Erni 28 Jahre zuvor gemalt hat. (Bild: Keystone / Str)
1982: Der Schweizer Künstler Hans Erni arbeitet am 14. September 1982 an einem Gipsmodell für den Erinnerungstaler an das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 1983 in Langenthal, Bern. (Bild: Keystone / Str)
1972: Hans Erni päesentiert auf dem Bellevue in Zürich eine Ausstellung von 24 seiner Plakate, eines davon mit einem Selbstportrait. (Bild: Keystone / Str)
1969: Der Schweizer Künstler Hans Erni, aufgenommen im Februar 1969 in Meggen. (Bild: Keystone/STR)
1964: Hans Erni, links, am Tag der offiziellen Eröffnung des Sektors 'Waren und Werte' in der Abteilung Büroorganisation, wo Erni ein grosses Wandbild präsentiert, an der Landesausstellung Expo 64 in Lausanne, aufgenommen am 21. Mai 1964. 

Dr. Felix Wulkan (Mitte) zeichnete für den Auftrag an Hans Erni für sein Wandgemälde an der Expo 64  mitverantwortlich. (Bild: KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Bruell)
1939: Ausschnitt aus Hans Ernis Wandbild «Die Schweiz, das Ferienland der Völker» an der Schweizerischen Landesausstellung am 10. Oktober 1939 in Zürich. (Bild: Keystone/Photopress-Archiv)
2014: Eine Zuschauerin betrachtet das Werk "5 Pferde, 1968", in der Hans-Erni-Ausstellung in der Casa Rusca in Locarno. Die Stadt Locarno präsentierte vom 5. April bis 17. August 2014 eine Einzelausstellung über den Schweizer Künstler Hans Erni. (Bild: Keystone)
2014: Kurator Rudy Chiappini posiert neben dem Werk "Saubere Energie, 1999", in der Hans-Erni-Ausstellung in der Casa Rusca in Locarno. (Bild: Keystone)
2014: Eine Zuschauerin betrachtet das Werk "Tiger mit Holzsammlerin,1973", in der Hans-Erni-Ausstellung in der Casa Rusca in Locarno. (Bild: Keystone)
2014: Kurator Rudy Chiappini posiert neben dem Werk "Poema Nucleare, 1958", in der Hans-Erni-Ausstellung in der Casa Rusca in Locarno. Die Stadt Locarno präsentierte vom 5. April bis 17. August 2014 eine Einzelausstellung über den Schweizer Künstler Hans Erni. (Bild: Keystone)
2015: Eine der letzten Aufnahmen des Luzerner Künstlers Hans Erni anlässlich seines 106. Geburtstages im Februar diesen Jahres. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
2015: Aufnahme vom Februar. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
2015: Hans Erni im Februar. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

2015: Der Künstler Hans Erni anlässlich des Interviews hinsichtlich seines 106.Geburtstags in seinem Atelier bei sich zu Hause. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

sda/nop