Tödliche Messerstiche in der Luzerner Loco Bar – mutmasslicher Täter soll elf Jahre ins Gefängnis

Einem Serben wird vorgeworfen, Ende 2017 in einer Bar an der Luzerner Baselstrasse einen Eritreer niedergestochen zu haben. Sein Verteidiger spricht von Notwehr.

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Die Luzerner Baselstrasse gehört zu den Hotspots der polizeilichen Arbeit. Auch am 2. November 2017 mussten die Ordnungshüter in diesen Stadtteil ausrücken: Kurz nach Mitternacht gingen in der Loco Bar zwei Gäste aufeinander los. Dabei soll ein damals 36-jähriger Serbe einen 34-jährigen Eritreer niedergestochen haben. Gemäss Zeugenaussagen hat er diesem ein Survivalmesser mit einer zwölf Zentimeter langen Klinge in den Hals gerammt.

Der Tatort im November 2017.

Der Tatort im November 2017.

Bild: Dominik Wunderli, (2. November 2017)

Der beschuldigte Täter hatte sich am Montag vor dem Kriminalgericht zu verantworten. Im Karohemd, gebräunt, mit grau meliertem Haar, erschien der zweifache Familienvater vor dem Dreiergremium. Um 23 Uhr habe er damals das Lokal betreten, auf Einladung der Bardame, liess der Beschuldigte verlauten. Gegen 00.30 Uhr habe sie ihn gebeten, die Gäste zum Aufbruch zu bewegen. Also habe er die Runde gemacht und den Nachtschwärmern Becher angeboten, damit diese ihre Getränke umfüllen konnten.

Tatwaffe versteckte er im Migros-Parkhaus

Doch davon habe der Eritreer nichts wissen wollen und eine Prügelei angezettelt. Zu zweit hätten sie auf ihn eingeschlagen. Dann habe der Eritreer das Messer gezückt. «Ich hatte Todesangst», sagte der Beschuldigte. Er habe ihm das Messer abgenommen, damit rumgefuchtelt, bis der Eritreer nachgelassen habe.

«Ich wollte nicht zustechen.»

Dann habe er das Blut gesehen, die Flucht ergriffen und sich im Migros-Parkhaus in der Bruchstrasse versteckt. Stunden später wird ihn die Luzerner Polizei festnehmen. Das Messer kann sie im Parkhaus sicherstellen, samt Fingerabdrücken des Beschuldigten.

Landesverweis gefordert

Für die Staatsanwältin ist der Fall klar: Sie wirft dem Serben eventualvorsätzliche Tötung vor und fordert eine elfjährige Freiheitsstrafe plus einen Landesverweis für zwölf Jahre. Wegen Verstösse gegen das Betäubungsmittel- und das Waffengesetz soll er zudem eine Busse von 500 Franken zahlen. Der Beschuldigte habe nach dem Vorfall die Haare kahlrasiert, seine Jacke entsorgt und das Messer versteckt, konstatierte die Staatsanwältin.

«Verhält sich so tatsächlich jemand, der sich nur gewehrt hat?»

Die gleichen Zweifel bekundete die Anwältin der Mutter des Opfers, die im Prozess als Privatklägerin auftritt. «Der Beschuldigte bringt Unwahrheiten sehr leicht über die Lippen.» Er wolle Erinnerungslücken weismachen, für die es keine Erklärung gebe. Für die Mutter des Eritreers, die einen schweren psychischen Schock erlitten habe und noch immer auf Hilfe angewiesen sei, verlangt sie eine Genugtuung von 40'000 Franken.

Freispruch vom Vorwurf der Tötung verlangt

Diametral entgegengesetzt verlief die Argumentation des Verteidigers. Es liege «ganz klar eine Notwehrsituation» vor, der Beschuldigte sei «massivst angegriffen worden». Auseinander drifteten auch die Beschreibungen des Opfers: Während die Privatklägerin von einem «schmächtigen Mann» sprach, bezeichnete der Verteidiger den Eritreer als «starken, jungen, kräftigen Typen».

Der Verteidiger des Beschuldigten verlangte einen Freispruch vom Tötungsvorwurf. Zudem sei sein Mandant für die 239 Tage in Untersuchungshaft zu entschädigen: mit 200 Franken pro Tag. Auch sein Lohnausfall sei abzugelten. Für die Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz sei ihm eine bedingte Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 40 Franken sowie die Busse auszusprechen.

Beschuldigter ist mehrfach vorbestraft

Der Beschuldigte, der aktuell als Bauspengler arbeitet, ist unter anderem wegen Tätlichkeiten und Drohungen mehrfach einschlägig vorbestraft. Er hatte einst eine Ausbildung zum Türsteher begonnen und besitzt Karateerfahrung. Laut einem ärztlichen Bericht soll er früher auch geboxt haben.

Der heute 39-Jährige machte zum Schluss Gebrauch vom Recht auf das letzte Wort. «Es kommt mir vor, als würden die Staatsanwältin und die Privatklägerin den Tathergang besser kennen als ich», sagte er und wiederholte:

«Ich habe mich nur gewehrt, ich hatte Todesangst.»

Das Urteil des Kriminalgerichts wird schriftlich eröffnet.

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