Unfall mit zwei Toten in Malters – Beschuldigter: «Fühle mich nicht dafür verantwortlich» 

Der Autofahrer, der 2015 auf der Autostrasse H10 mit einem Überholmanöver einen tödlichen Unfall verursacht haben soll, wird der fahrlässigen Tötung beschuldigt. Der Staatsanwalt beantragt vor Kriminalgericht eine Strafe von bis zu vier Jahren.

Roger Rüegger
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Der Unfall hatte sich im Sommer vor vier Jahren ereignet – zwei Menschen mussten ihr Leben lassen. (Bild: Tele 1)

Der Unfall hatte sich im Sommer vor vier Jahren ereignet – zwei Menschen mussten ihr Leben lassen. (Bild: Tele 1)

Auf der Autostrasse H10 hat ein heute 25-jähriger Schweizer auf der Höhe Malters trotz Gegenverkehrs einen Sattelschlepper überholt. Das Manöver war riskant, der Platz zu knapp. Ein entgegenkommender Autofahrer musste nach rechts ausweichen, um eine Frontalkollision zu verhindern. Dabei verlor er die Kontrolle, sodass er auf die linke Fahrspur geriet. Dort prallte er in ein entgegenkommendes Auto. Sie hatten keine Chance. Bei diesem Unfall am frühen Morgen des 12. Juni 2015 starben die beiden Familienväter.

Der Fahrer des Überholfahrzeugs musste sich am Freitag am Luzerner Kriminalgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft beantragte für mehrfache fahrlässige Tötung eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, oder vier Jahre für mehrfache eventualvorsätzliche Tötung. Der Staatsamwalt betonte:

«Das riskante und zu knappe Überholmanöver führte zum Unfall.»

Der Beschuldigte war damals mit einem kleinen Subaru auf dem Weg zur Arbeit. Er beschrieb den Richtern, er habe weit vorne auf der Gegenfahrbahn ein Auto gesehen. «Ich hatte aber genug Platz zum Beschleunigen und behielt beim Überholen die Übersicht.» Das Manöver sei richtig gewesen, er würde wieder so überholen. Der ihm entgegenkommende Fahrer habe eine unnötige Lenkbewegung ausgeführt und dadurch den Unfall ausgelöst. «Ich fühle mich nicht dafür verantwortlich», sagte er bestimmt.

Der Chauffeur des Sattelschleppers und der dahinter fahrende Jeepfahrer, der zuvor vom Beschuldigten überholt worden war, beschrieben die Situation identisch. «Ich glaube, wir waren für einen Moment zu dritt nebeneinander. Wenn das entgegenkommende Auto nicht ausgewichen wäre, hätte es eine Frontalkollision gegeben», soll der LKW-Fahrer nach der Katastrophe ausgesagt haben. Der Mann im Jeep meinte laut Staatsanwalt: «Mir war sofort klar, dass der Subaru das Überholmanöver nicht sicher abschliessen kann. Er überholte viel zu langsam. «Ich rief: Hei Kärli, du muesch inefahre.»

Der Staatsanwalt zeigte sich von der Sichtweise des Beschuldigten überrascht: «Durch seine gefährliche Fahrweise wurden zwei Menschenleben ausgelöscht. Damit muss er fertig werden. Wenn er sagt, dass er wieder so handeln würde, ist dies eine Schutzbehauptung. Er hätte nie und nimmer überholen dürfen. Die Strasse nennt man nicht umsonst Todesstrecke.» Im Gerichtssaal waren Angehörige der verstorbenen Familienväter anwesend.

Die Vertreter der Unfallopfer hielten sich mit ihren Anträgen an den Staatsanwalt. Der eine sagte:

«Der Beschuldigte hat nur überlebt, weil der ihm entgegenkommende Fahrer ein Notausweichmanöver einlegte.»

Der andere zeigte eine Skizze, die anhand der Aussagen des Augenzeugen aus dem Jeep angefertigt wurde. Sie zeigt das Überholmanöver mit drei Autos auf gleicher Höhe. Er meinte, dass vom Beschuldigten eine gewisse Gemeingefährlichkeit ausgehe. Es stelle sich die Frage, ob ihm auf unbestimmte Zeit der Führerausweis entzogen werden sollte.

Die Verteidigerin beantragte Freispruch. Sie hinterfragte sowohl die Rolle des Lastwagenfahrers als auch die Ausführungen des Fahrers im Jeep. Sie machte den entgegenkommenden Autofahrer für den Unfall verantwortlich. Er sei 105 bis 115 km/h gefahren. Erlaubt seien 100 km/h. Auch habe er psychoaktive Medikamente eingenommen, was seine Fahrfähigkeit in Frage gestellt habe. Ihrem Mandanten könne kein strafbares Verhalten nachgewiesen werden. Sie sagte:

«Es kam ja nicht zu einer Kollision.»

Dass er keine Schuld eingestehe, könne man ihm nicht anlasten. Das Schicksal der Familien sei ihm nicht egal, aber er dürfe doch seinen Standpunkt darstellen. Für sie ist er ein Sündenbock. Bei einem Unfall mit zwei Toten brauche es wohl einen solchen. Das Urteil wird den Parteien schriftlich zugestellt.