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Topi hört mit seinen Augen

Der 19-jährige Toplica Bogicevic ist seit Kleinkind hörbehindert. Er absolviert eine Lehre bei der Ruag in Emmen. Mit seinen Chefs kommuniziert er auch per SMS.
Alexander von Däniken
Toplica Bogicevic in einer Werkstatt seines Lehrbetriebs, der Ruag in Emmen. (Bild: Jakob Ineichen; 26. Juni 2018)

Toplica Bogicevic in einer Werkstatt seines Lehrbetriebs, der Ruag in Emmen. (Bild: Jakob Ineichen; 26. Juni 2018)

«Ich bin der Topi», stellt sich Toplica Bogicevic vor. Der 19-Jährige stellt Mineralwasser auf den Tisch. Hinter ihm am Anschlagbrett hängt ein Merkblatt. «Sehen zum Verstehen» steht da. Darunter einige Tipps, wie man am besten mit Menschen mit einer Hörbehinderung kommuniziert. Wir sitzen in einem Pausenraum der Ruag Schweiz AG in Emmen. Topi absolviert hier eine Lehre als Fachmann Betriebsunterhalt, kommt nach den Sommerferien ins zweite Lehrjahr. Wenn Topi spricht, hört er seine eigene Stimme nicht. Der Jugendliche ist praktisch taub.

Topi schenkt sich etwas Wasser ein. Dann sucht er sofort den Augenkontakt. Der sei enorm wichtig im Beruf, in der Freizeit, in seinem Leben. «Auch mit einem Hörgerät muss ich Lippen lesen. Nicht jeder kann die Gebärdensprache.» Im Lehrbetrieb sei es mittlerweile eine Mischung aus vereinfachten Gesten, deutlicher Lautsprache und SMS. «Am Anfang habe ich mich etwas geschämt, immer wieder nachzufragen, wenn ich etwas verstanden habe. Jetzt geht das ganz gut», sagt Topi.

Gemischte Gefühle bei WM-Spiel

Aufgewachsen ist er mit vier Geschwistern in Oerlikon. Die Eltern stammen aus Serbien. Mit entsprechend gemischten Gefühlen hat die Familie auch den 2:1-Sieg der Schweiz gegen Serbien an der Fussball-WM verfolgt. Topi ging in eine Schule für Gehörlose, machte im Kanton Zürich ein Praktikum – und bewarb sich auf eine Lehrstelle. Stolz sei er bis heute, dass es zuerst mit der zweijährigen Lehre zum Unterhaltspraktiker geklappt hat. Jetzt ist er bei der Ruag Schweiz an der dreijährigen Lehre als Fachmann Betriebsunterhalt EFZ: Er schneidet Hecken, ersetzt Lampen, kontrolliert Heizung und Elektroinstallationen.

Topi rückt sich seine Brille zurecht. «Mir gefällt die Arbeit sehr gut, die Leute sind nett zu mir, sind aber auch fordernd.» An seiner Seite hat er abwechselnd zwei Praxisausbildner: Roman Schärli und Oskar Bucher. «Wir arbeiten sehr gerne mit Topi zusammen», sagt Bucher. «Die Kommunikation klappt vor allem mit SMS sehr gut.» Topi hat seine Hörbehinderung seit dem dritten Lebensjahr, als er eine Mittelohrentzündung erlitt. Er will sich ein sogenanntes Cochlea-Implantat einsetzen lassen.Die Ärzte raten ihm, mit dem Einsetzen der Hörprothese noch etwas zu warten.

Bis dahin führt Toplica Bogicevic ein relativ normales Leben. Er hat letztes Jahr den Führerschein gemacht, fährt regelmässig von seinem Wohnort Oerlikon nach Emmen. «Manchmal kann ich auch bei meiner Schwester in Emmenbrücke übernachten.» Regelmässig trifft er sich mit Freunden, spielt Futsal – eine Art Hallenfussball. Der aufgeweckte Jugendliche wird immer selbstständiger. Das merkt auch die IV, die immer weniger Unterstützung leisten muss. Topis Handy vibriert und blinkt. Die Ruag braucht seine Dienste.

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