Tötungsdelikt in St. Urban: Klinik könnte vor Gericht gezogen werden

2017 hat ein Kosovare in der Psychiatrie St. Urban einen Zimmergenossen erschlagen. Sein Fall kommt bald ans Luzerner Kriminalgericht.

Evelyne Fischer
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In der psychiatrischen Klinik von St. Urban hat ein Patient 2017 einen Zimmergenossen getötet. (Bild: Corinne Glanzmann, 3. März 2012)

In der psychiatrischen Klinik von St. Urban hat ein Patient 2017 einen Zimmergenossen getötet. (Bild: Corinne Glanzmann, 3. März 2012)

Die Tragödie ereignet sich an einem Aprilabend vor zwei Jahren: Ein 33-jähriger Kosovare wird in die psychiatrische Klinik von St. Urban eingewiesen. Wegen akuter psychosozialer Belastungsstörungen, wie die Luzerner Polizei in der damaligen Mitteilung schreibt. Kurz vor Mitternacht trifft der Mann aus dem Luzerner Hinterland ein. Freiwillig, begleitet von seinem Bruder. Kurz darauf wird er in ein Doppelzimmer geführt, Medikamente lehnt er ab. Wenige Minuten später hören Mitarbeiter Geräusche. Sie finden den 85-jährigen Zimmergenossen schwer verletzt auf. Der Kosovare kann fliehen, kommt allerdings nicht weit: Er wird um 2 Uhr in Grossdietwil ohne Gegenwehr festgenommen.

Das 85-jährige Opfer, ein in einer Luzerner Agglomerationsgemeinde lebender Italiener, erliegt in den frühen Morgenstunden im Spital seinen Verletzungen. Die Staatsanwaltschaft Sursee hat damals die Untersuchung des tätlichen Zwischenfalles eingeleitet. Nun ist klar: Der Täter wird bald vor Gericht antraben müssen. Dies bestätigt Simon Kopp, Informationsbeauftragter der Luzerner Staatsanwaltschaft, auf Anfrage. «Die Anklage gegen den Täter wurde am 20. Mai an das Luzerner Kriminalgericht überwiesen», sagt Simon Kopp. «Ein Verhandlungstermin steht noch nicht fest.» Der Täter befindet sich aktuell in der Klinik Königsfelden im vorzeitigen stationären Massnahmenvollzug.

Strafuntersuchung gegen Klinik noch in Gange

Noch hängig ist die Untersuchung gegen die Luzerner Psychiatrie (Lups). «In Bezug auf verantwortliche Personen der Lups führt die Staatsanwaltschaft Sursee ein Strafverfahren», sagt Kopp.

«Die Strafuntersuchung ist noch nicht abgeschlossen.»

Aufgrund des laufenden Verfahrens äussert sich die Lups nicht im Detail und verweist auf die Staatsanwaltschaft. Daniel Müller, Sprecher der Lups, hält auf Anfrage fest: «Das tragische Vorkommnis belastet und beschäftigt alle Beteiligten weiterhin sehr.» Gerüchteweise ist zu vernehmen, der Vorfall sei auch auf Sparmassnahmen zurückzuführen. Zu diesen Vorwürfen nimmt die Lups keine Stellung. Müller sagt aber, Themen wie «Sicherheit, Prozess- und Risikomanagement» kämen «kontinuierlich» zur Sprache.

Personal auf Akutstation im Nachtdienst aufgestockt

Auf der Basis des Vorfalls vom April 2017, aber auch aus Erkenntnissen aus dem Frühwarnsystem Cirs, in dem Angestellte Beinah-Vorfälle melden können, hat die Klinikleitung Massnahmen definiert. «Am Standort St.Urban wurden unter anderem der Personalschlüssel auf den Akutstationen im Nachtdienst angepasst und Massnahmen zur Personensicherheit ergriffen», sagt Müller. So lasse man abends weiterhin die Securitas in Doppelbesetzung patrouillieren. Auch würden die bereits bestehenden Aggressionsmanagementschulungen für Mitarbeitende weitergeführt und -entwickelt. «Wir alle hoffen, dass die Luzerner Psychiatrie in Zukunft von solch tragischen Ereignissen verschont bleibt», sagt Müller. «Eine hundertprozentige Sicherheit wird es in unserem anspruchsvollen Tätigkeitsfeld trotz allem leider nie geben.»