TOURISMUS: 2015: Rekordsommer für die Bergbahnen

Die Zentralschweizer Bergbahnen blicken auf einen exzellenten Sommer zurück. Die Rekordzahlen haben sie aber nicht nur dem schönen Wetter zu verdanken.

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So viele Gäste wie noch nie in einem Juli: Die neue Seilbahn Dragon Ride verhilft den Pilatus-Bahnen zu Rekordzahlen. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

So viele Gäste wie noch nie in einem Juli: Die neue Seilbahn Dragon Ride verhilft den Pilatus-Bahnen zu Rekordzahlen. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Der Gegensatz könnte nicht deutlicher sein: Noch im letzten Jahr klagten die Touristiker über die verregnete Sommersaison 2014, jetzt schwärmen alle von dem prächtig heissen Sommer 2015. Die Euphorie zeigt sich auch in den Bilanzen der Zentralschweizer Bergbahnen.

Rigi: 48 Prozent mehr Gäste im Juli

«Für die Rigi-Bahnen AG zeichnet sich ein weiteres Rekordergebnis ab», bestätigt Vizedirektor Markus Waldis. «Wir rechnen bis Ende Jahr mit einer Steigerung der Gäste um 20 Prozent.» Seit dem Saisonstart im Mai besuchten 271'000 Gäste die Rigi, das sind 37 Prozent mehr als im Vorjahr. Eindrücklich sind die Zahlen vom Spitzenmonat Juli: 97'000 Besucher wurden gezählt, das ist ein Plus von 48 Prozent zum Juli 2014.
Grund dafür sei nicht nur das gute Wetter, so Waldis. Viele Gäste seien auch wegen der Raiffeisen-Aktion gekommen. In der ganzen Zentralschweiz können die Bankmitglieder von Rabatten auf Hotel, Bahn und Schiff profitieren. Die Rigi hat 75 Prozent Schweizer Gäste.

Stanserhorn: Viele Romands

Auch die Stanserhorn-Bahn übertrumpft das bisherige Rekordjahr 2013. In der aktuellen Sommersaison zählte man 99'419 Gäste, das sind rund 7000 Besucher mehr als im gleichen Zeitraum 2013. Direktor Jürg Balsiger sieht den Erfolg vor allem beim Wetter. Etwa 85 Prozent der Gäste seien Schweizer, die nur bei schönem Wetter einen Ausflug aufs Stanserhorn machen würden. Die Raiffeisen-Aktion habe man ebenfalls gespürt, so seien viele Romands aufs Stanserhorn gefahren. Noch immer ein Magnet sei die 2012 eröffnete Cabrio-Bahn. Balsiger betont, durch die neuen Seilbahngondeln am Pilatus entstehe nicht mehr Konkurrenz. «Bergausflüge sind so beliebt, dass sich die Bahnen die Gäste nicht gegenseitig wegnehmen.»

Pilatus: Rekord dank neuer Gondel

Die Investitionen in die neue Luftseilbahn, den Dragon Ride, bringen bei den Pilatus-Bahnen den erhofften Erfolg. Bereits im letzten Jahr verzeichnete man in den Sommermonaten (Mai, Juni und Juli) mit der Luftseilbahn Fräkmüntegg–Pilatus Kulm – noch mit der alten Gondel – ein Rekordergebnis. Im aktuellen Sommer konnten die Frequenzen im selben Zeitraum mit der neuen Gondel um 20 Prozent (217 162 Fahrten) übertroffen werden. «Im Monat Juli 2015 erzielten wir dank des fantastischen Wetters eine enorme Steigerung von über 30 Prozent und konnten mit 117 113 Gästen so viele wie noch nie in unserer Geschichte am Berg begrüssen», sagt Marc Hauser, Leiter Management Services.

Auch am Pilatus will man von der Konkurrenz unter den Bahnen nichts wissen. Hauser: «Im Moment gibt es genügend Gäste für alle. Durch innovative Neuinvestitionen einzelner Bahnunternehmen bleibt die Zentralschweiz als Gesamtdestination attraktiv.»

Titlis: 390'000 Besucher im Sommer

Jetzt, zum Ende der Sommerferien, nimmt der grosse Ansturm auch bei den Titlis-Bahnen wieder ab. In der aktuellen Sommersaison reisten 390'000 Gäste auf den Titlis, das ist ein Plus von 20 Prozent gegenüber dem bereits sehr guten Vorjahr, bestätigt Peter Reinle, Leiter Marketing. Für die ganze Sommersaison rechnet Reinle mit einem Wachstum von rund 14 Prozent. Die Möglichkeit, dass 2015 ein Rekordjahr werde, bestehe durchaus.

Während sich die Bahnen gelassen zeigen, beobachtet Urs Wagenseil, Tourismus-Experte an der Hochschule Luzern, sehr wohl einen Konkurrenzkampf in der Zentralschweiz. «Die Bahnfahrt allein ist für die Kunden selten ein genug starkes Motiv für den Ausflug», sagt Wagenseil. Es gelte, die Leute auch auf dem Berg zu beschäftigen und ihnen Attraktionen zu bieten. Während für Ausländer der Besuch einer der verschiedenen Zentralschweizer Berge zum Pflichtprogramm gehöre, brauche es bei den «bergerfahrenen» Einheimischen möglichst viele überzeugende Argumente. «Ungetrübte Fern- und Panoramasicht reichen heute kaum mehr.»

Neue Gästekarte und der Bartgeier

Nicht nur die grossen, auch die kleinen Bahnen können auf einen guten Sommer zurückblicken. Die Bergbahnen Sörenberg erzielten im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 30 Prozent, vor allem wegen der Sörenberg-Card. Übernachtungsgäste von ausgewählten Hotels fahren mit der Bahn gratis.

Bei den Sportbahnen Melchsee-Frutt waren die in der Region ausgesetzten Bartgeier ein Trumpf. Die Besucherzahlen von 301 100 seit Jahresbeginn liegen im Rahmen der letzten Jahre.

Und bei der Luftseilbahn Küssnacht–Seebodenalp wurden im 5-Jahres-Durchschnitt im Jahr 2015 bislang 11 Prozent mehr Fahrgäste befördert. Für ein Rekordjahr brauche es einen ähnlich sonnigen Herbst wie letztes Jahr, heisst es auf Anfrage.

Manuela Liem