Tourismus-Akteure in Sörenberg sehen Priorität bei der Pendelbahn und beim Hallenbad

Sörenberg und Flühli zeigen, wo sie touristische Schwerpunkte setzen. Das bedingt hohe Investitionen.

Roseline Troxler
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Die Tourismusverantwortlichen aus Sörenberg zeigen, wo sie in Sörenberg (Bild) und Flühli Handlungsbedarf sehen.

Die Tourismusverantwortlichen aus Sörenberg zeigen, wo sie in Sörenberg (Bild) und Flühli Handlungsbedarf sehen.

Bild: Philipp Schmidli

Die Gemeinde Flühli und das Dorf Sörenberg sind die Tourismusorte im Entlebuch. Eine Zahl, die das verdeutlicht, ist der Anteil an Zweitwohnungen. Er liegt bei knapp 60 Prozent. In den letzten zwei Jahren haben sich die wichtigen Akteure im Tourismus ausgetauscht und ein 10-Punkte-Programm für die Positionierung und künftigen Schwerpunkte entworfen. Dieses wurde am Donnerstagabend präsentiert.

Die Vision lautet: «Sörenberg – die Biosphäre zum Anfassen.» Dabei fallen Worte wie «natürlich, persönlich und gemütlich». Die Gemeinde Flühli, die Bergbahnen Sörenberg AG, Gastronomen, Hoteliers, die Unesco Biosphäre und Sörenberg Flühli Tourismus haben sich für die Positionierung erstmals gemeinsam an einen Tisch gesetzt. «Das war enorm wertvoll», sagt Tourismusdirektorin Carolina Rüegg. Das Programm wurde am Donnerstag unterzeichnet.

Teure Infrastrukturprojekte stehen in der Zukunft an

Doch wohin soll es in den kommenden Jahren in Sörenberg und Flühli touristisch gehen? Nachfolgend werden einige Schwerpunkte aufgeführt:

Beherbergung: Geplant ist ein zusätzliches Angebot. Rüegg sagt: «Alle Partner sind sich einig, dass wir mehr Logiernächte wollen. Vor allem im Winter ist die Auslastung sehr hoch, weshalb es mehr Betten braucht.» Es sei nicht unbedingt ein Neubau nötig. Sie kann sich auch vorstellen, dass das seit Februar 2018 geschlossene Hotel Cristal wieder in Betrieb genommen werden könnte. Gemeindeammann Hans Lipp spricht auch das Missverhältnis zwischen Hotellerie und anderen Unterbringungsmöglichkeiten an. Er sagt:

«Wir haben viel zu wenig Hotelbetten in Sörenberg.»

Es sei aber schwierig, Betreiber für Hotels zu finden. Wünschenswert wäre laut Lipp ein Hotel mit rund 200 Betten. Dafür brauche es einen Investor.

Hallenbad: Der Erneuerungsbedarf ist sehr gross. Das Bad wurde 1971/72 gebaut. «Die Technik ist veraltet», so Hans Lipp. Es seien Zusatzangebote nötig, um das Hallenbad attraktiver zu gestalten. Lipp rechnet mit Sanierungskosten von 18 bis 20 Millionen Franken. Carolina Rüegg betont: «Das Hallenbad ist eines der wenigen Schlechtwetterangebote, die wir in der Gemeinde haben. Deshalb hat es eine grosse Bedeutung.» Für die Erneuerung ist die Gemeinde Flühli und die Hallenbad AG in der Verantwortung, wie es in der Medienmitteilung heisst.

Rothorn: 2021 läuft die Konzession der Pendelbahn aus. Derzeit sind die Bergbahnen Sörenberg an der Planung eines Ersatzes. Mit dem Projekt Retrofit Plus soll möglichst viel Bausubstanz der alten Bahn verwendet werden. Ein ursprünglich viel umfassenderes Projekt wurde aus finanziellen Gründen Mitte 2018 verworfen. Für Carolina Rüegg geniesst das Projekt höchste Priorität. Sie sagt:

«Die Projekte der Bergbahnen und des Hallenbads sind die wichtigsten und gleichzeitig die teuersten. Doch nur die Investitionen in die Infrastruktur können uns wirklich weiterbringen.»

Gute Angebote könnten dann als Ergänzung helfen, weitere Gäste zu bringen.

Erlebnisinszenierung: Unter dem Titel «Biosphäre zum Anfassen» will Sörenberg Flühli Tourismus ein neues Wintererlebnis und zwei weitere Sommererlebnisse erarbeiten. «Die Biosphäre ist im Winter noch zu wenig spürbar», so Rüegg. Man möchte im Sinn der Biosphäre noch mehr Wertschöpfung erzielen. «Ich kann mir gut vorstellen, dass wir uns dem Thema Klima widmen.» Die Sommererlebnisse sollen an die Bergbahnen anknüpfen, die das Rothorn besser inszenieren wollen.

Vermarktung: Eine Offensive soll es auch bei der Vermarktung von Produkten mit dem Label «Echt Entlebuch» geben. «Wir hoffen vor allem, dass Gastrobetriebe künftig noch stärker auf regionale Produkte setzen.» Mit einem gemeinsamen Einkauf könnten die Betriebe bessere Einkaufspreise erzielen. Die Tourismusdirektorin betont: «Wir könnten uns vorstellen mittels Schaffung eines einfachen identischen Sörenberger Produktes noch mehr Gemeinsamkeit nach Aussen zu tragen.»

Bergbahnen hoffen nun auf anderen Akteure

Für Theo Schnider, Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen Sörenberg, ist es essenziell, den Grundgedanken der Biosphäre in der ganzen Region zu festigen. Die Bergbahnen hätten ihren Anteil im 10 Punkte-Programm zu einem grossen Teil erfüllt oder aufgegleist. Er verweist auf die Verbindung vom Skigebiet Dorf ins Gebiet Schönenboden oder das neue Skidepot bei der Gondelbahn Rossweid. Beim Ersatz der Bahn gelte es nun, zielorientiert vorwärts zu machen. «Im Januar erfolgt die Startsitzung mit dem beauftragten Ingenieurbüro.» Mit dem Mooraculum wollen die Bergbahnen zudem rund 350 000 Franken in den Sommertourismus investieren – doch das Projekt ist blockiert (siehe unten). Schnider sagt zur Zukunft des Tourismus: «Wir haben viel investiert. Nun hoffen wir, dass auch unsere Partner in Flühli und Sörenberg ihre Hausaufgaben machen.»

Mooraculum: Einsprache gegen zweite Auflage

Die Bergbahnen Sörenberg wollen das Mooraculum auf der Rossweid um 20 Erlebnisstationen erweitern. Derzeit bietet es 17 Stationen rund um das Thema Moor. Mehrere Umweltverbände haben gegen das Projekt Einsprache erhoben. Es wurde überarbeitet und erneut aufgelegt. Auch gegen die zweite Auflage haben BirdLife, Pro Natura und der WWF Einsprache eingereicht. Theo Schnider, Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen Sörenberg, sagt: «Die Einsprache überrascht uns, sind wir den Einsprechern doch mehr entgegengekommen als diese verlangt hatten.» (rt)