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TOURISMUS: Arabische Gäste entdecken Luzern

Gäste aus dem arabischen Raum besuchen Luzern so oft wie noch nie. Das freut Tourismusbetriebe: Araber bringen Zeit mit – und geben erst noch viel Geld aus.
Kilian Küttel
Immer mehr arabische Touristen besuchen Luzern – auf dem Bild eine Gruppe am Freitag beim Schwanenplatz. (Bild Manuela Jans-Koch)

Immer mehr arabische Touristen besuchen Luzern – auf dem Bild eine Gruppe am Freitag beim Schwanenplatz. (Bild Manuela Jans-Koch)

Kilian Küttel

Pilatus, Rigi, Kapellbrücke und Vierwaldstättersee ziehen. Doch nicht nur in China. Auch in den Golfstaaten. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres verzeichnete Luzern Tourismus über 33 000 Logiernächte von arabischen Gästen in der Region. So viele wie nie. Seit 2011 hat sich die Zahl mehr als verdoppelt – zur Freude der Tourismusbranche: «Diese Gäste sind wichtig für unsere Region», sagt Marcel Perren, Direktor von Luzern Tourismus.

Denn Araber bleiben lange. Fast drei Tage dauert ein durchschnittlicher Aufenthalt. Anders als bei Chinesen, die meist nur ein bis zwei Tage hier sind. Trotzdem bleiben diese die wichtigste Klientel: 206 000 Mal übernachteten Leute aus China in der Region. Doch die Araber holen auf. Und geben fleissig Geld aus. Auf 430 Franken beziffert Tourismusdirektor Perren die durchschnittlichen Ausgaben eines Arabers – pro Tag. «Leute aus den Golfstaaten sind sehr interessiert an der Schweiz. Das heisst, sie bereisen das Land intensiver. Besonders die Natur mögen sie», sagt Patric Graber, Direktor des Hotels Waldstätterhof in Luzern und Präsident des Verbandes der Luzerner Hotels.

Profit für Detailhändler bleibt aus

Das ist für Jürg Stettler einer der Hauptgründe, weshalb Araber so wichtig für den Standort Luzern sind. Der Professor der Hochschule Luzern und Experte für Tourismuswirtschaft erklärt: «Chinesen beispielsweise geben nur wenig für eine Übernachtung und das Essen aus, dafür aber viel für Shopping. Araber hingegen geben auch Geld für Kultur aus und machen Ausflüge. Sie sind breiter ausgelegt. So profitieren mehr Unternehmen von ihren Aus­gaben.»

Der Detailhandel jedoch gehört offenbar nicht primär zum Kreis der Begünstigten: «Wir haben keinen auffälligen Um­satzanstieg durch Leute aus den Golfstaaten verzeichnet», sagt Jörg Baumann, Mediensprecher des Uhren- und Schmuckfachgeschäfts Bucherer in Luzern.

Weniger Chinesen

Ähnliches sagt Robert Casagrande vom gleichnamigen Luzerner Souvenirgeschäft: «Für uns sind chinesische Gäste attraktiver, da diese uns das ganze Jahr über eine etwa gleich hohe Aus­lastung bescheren.» Araber hingegen reisen vor allem in den Monaten Juli und August – um der Hitze in ihrer Heimat zu entfliehen.

Doch der Aufmarsch der Chinesen ist 2016 zurückgegangen. Letztes Jahr waren es noch fast 243 000 Übernachtungen, heuer sind es fast 40 000 weniger. Wieso? «Die Wirtschaft in China wächst nicht mehr so stark wie in den letzten Jahren. Das merkt die Bevölkerung jetzt. Zudem ist es für Chinesen schwieriger geworden, ein Visum zu bekommen. Die Terroranschläge in Europa haben sie zusätzlich verunsichert», sagt Stettler. Obwohl die Schweiz nicht betroffen war, habe dies dennoch Auswirkungen auf den hiesigen Tourismus. Die Tour-Operator hätten die Reiserouten aufgrund der Anschläge geändert: «Und wenn Paris nicht besucht wird, leidet darunter auch die Schweiz», erklärt Tourismusfachmann Stettler.

Araber reisen individueller

Demgegenüber sind Bewohner der Golf­staaten individueller unterwegs – meist reisen sie zusammen mit ihrer Familie. Durch die kleinere Entfernung nach Europa sei ihnen klar, dass die Schweiz vom Terrorismus nicht betroffen sei. Überhaupt sei festzustellen, dass Araber offener und besser aufgeklärt seien. Was sie zusätzlich attraktiver für den Tourismus macht: «Sie sind der englischen Sprache mächtig», sagt Hoteldirektor Graber.

Experte: Trend wird anhalten

Hält der Boom in den nächsten Jahren an? Marcel Perren von Luzern Tourismus: «Der Trend wird weitergehen. Nur schon, weil die Bevölkerung in diesen Ländern in den nächsten Jahren enorm wachsen wird und die Schweiz im arabischen Raum sehr beliebt ist.»

Ein wenig skeptischer gibt sich Stettler – auch in Bezug auf ein mögliches Burkaverbot: «Es ist schwierig vorauszusagen, aber es könnte sein, dass das Wachstum schwächer weitergeht.» Im gleichen Atemzug relativiert er: «Vielleicht zieht dieses Verbot aber auch genau Leute aus Arabien an, die aufgeklärter sind. Denn: Nicht jede Araberin ist auch Burkaträgerin.»

33 000 Logiernächte

So oft schliefen arabische Besucher bis zum August dieses Jahres in der Region Luzern.

206 000 Logiernächte

Chinesische Touristen sind trotz Boom aus Arabien noch immer die bedeutendste Gruppe.

430 Franken

So viel gibt ein arabischer Gast pro Tag im Durchschnitt
in der Region Luzern aus.

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