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TOURISMUS: Auf der Rigi hängt der Haussegen schief

Mit einer Petition will René Stettler die «Disneyisierung» auf der Rigi bekämpfen. Ihm stehen prominente Mitunterzeichner zur Seite. Das kommt nicht überall gut an: Petitionär und Prominente müssen sich den Vorwurf von Polemik anhören.
Kilian Küttel und Yasmin Kunz
Touristen auf dem Weg nach Rigi Kulm. (Bild: Pius Amrein (Vitznau, 11. Oktober 2017))

Touristen auf dem Weg nach Rigi Kulm. (Bild: Pius Amrein (Vitznau, 11. Oktober 2017))

Kilian Küttel und Yasmin Kunz

kanton@luzernerzeitung.ch

Über der Rigi braut sich derzeit ein Gewitter zusammen. Auslöser ist eine Petition, welche René Stettler ins Leben gerufen hat. Der auf Rigi Kaltbad wohnhafte Kulturwissenschaftler wehrt sich gegen die Ausbauvorhaben der Rigi Bahnen AG: Gemäss einem Masterplan will das Unternehmen bis zu 60 Millionen Franken investieren – entstehen sollen unter anderem eine Shoppingmeile, eine Schnapsbrennerei oder auf Rigi Scheidegg ein Turm in Form eines Tannzapfens.

Stettler hat für sein Begehren wichtige Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik gewinnen können. Wie den Luzerner CVP-Ständerat Konrad Graber. Er steht mit seinem Namen für René Stettlers Anliegen ein, «weil mir nicht nur ein quantitatives, sondern ein qualitativ gutes Wachstum am Herzen liegt». Die Entwicklung auf der Rigi wird im Petitionstext als «Disneyisierung» bezeichnet. Laut Graber ist dieser Begriff mit Blick auf den Masterplan nicht zu weit hergeholt: «Ich dagegen wünsche mir eine nachhaltige Entwicklung, die alle zufriedenstellt: die Einheimischen, die Gäste und die Tourismusbetriebe.»

Petition soll Diskussion ermöglichen

Ähnliches sagt Iwan Rickenbacher, Kommunikationsberater und ehemaliger Direktor des Medien-Ausbildungs-Zentrums in Luzern: «Die Entwicklung sollte im Einklang mit der Natur, der Bevölkerung und den Gästen vonstattengehen.» Wie Rickenbacher hat auch der Schwyzer alt Regierungsrat Franz Marty (CVP) die Petition unterzeichnet. Marty ist nicht grundsätzlich gegen ­einen Ausbau auf der Rigi. Allerdings, sagt er, müssten die Projekte vernünftig sein: «Es darf nicht der Konsum im Mittelpunkt stehen, sondern das Erlebnis am Berg. So genannte Shoppingmeilen auf der Rigi zu realisieren, ist Kommerz.» Und auch Jost Grob, der ehemalige Direktor der Zuger Kantonalbank, kann nur bedingt etwas mit den Ausbauplänen des Unternehmens anfangen. Grob, der seit 40 Jahren eine Ferienwohnung auf Rigi Kaltbad hat, sagt: «Ich bin nicht gegen alle Ausbaupläne, aber sie müssen vernünftig sein.» Um zu tragfähigen Lösungen zu gelangen, brauche es das Gespräch mit allen involvierten Kreisen, so Grob.

Das liegt auch im Interesse von Konrad Graber und Iwan Rickenbacher. Letzterer sagt: «Für mich ist die Petition als Einladung zu jenem Dialog zu verstehen, der bis jetzt noch nicht stattgefunden hat.» Stichwort Dialog: Beim Thema Kommunikation scheint in der Tat der Schuh zu drücken. Stefan Otz, der Direktor der Rigi Bahnen AG, sagt: «Wir hätten gerne den direkten Dialog mit den Initianten gehabt. Leider wurde dies abgelehnt.» Dem widerspricht René Stettler: «Ich habe mich immer dafür eingesetzt, dass es zu einer öffentlichen Diskussion kommt. Die Rigi Bahnen wollten ihre Konzepte jedoch ohne Einbezug der Öffentlichkeit umsetzen.» Mit der Petition habe man nun aber eine andere Ausgangslage schaffen können. Denn die Öffentlichkeit äussere auf diesem Weg ihren Widerstand gegen den Masterplan. Und dieser Widerstand ist breit abgestützt: Nicht nur Prominente wie Graber, Marty, Jost und Rickenbacher haben die Petition unterzeichnet – bis gestern Abend waren es fast 600 registrierte Personen, die sich hinter Stettlers Aufruf stellten. Dieses grosse Echo überrascht Stefan Otz nicht: «Wenn man als Aussenstehender den Text liest, kann man ja gar nichts dagegen haben.» Was Otz damit meint, zeigt ein Blick in den Text. Darin heisst es unter anderem: «Alle Entscheidungsträgerinnen und -träger sind aufgerufen, sich für die Bewahrung der Rigi als besonderes Kleinod mit weitgehend intakter Natur und Landschaft einzusetzen.» Otz sagt dazu: «So, wie die Petition jetzt formuliert ist, würden wir sie sofort unterschreiben.» Was den Rigi-Bahnen-Direktoren stört, sei die Vorgehensweise, welche die Initianten an den Tag legten. Diese bezeichnet er als «tendenziös» und von Unterstellungen und Vorwürfen geprägt. Zudem sei in einer ersten Fassung die Rede davon gewesen, eine maximale Anzahl von Besuchern festzulegen. Dies bestätigt René Stettler, sagt aber gleichzeitig, dass der Passus in einer zweiten Fassung gestrichen wurde. Otz derweil findet deutliche Worte: «So geht man mit Partnern am Berg nicht um.»

Interessenvertreter setzen sich zusammen

Ähnlich klingt es vom Vitznauer Gemeindepräsidenten Noldi Küttel (CVP): «Ich würde es begrüssen, wenn kritische Stimmen erst laut würden, wenn konkrete Projekte vorliegen.» Beispielsweise könne man mit Einsprachen gegen allfällig unverträgliche Bauvorhaben vorgehen. Was jetzt passiert, bezeichnet Küttel als unnötige Polemik. Und sagt: «Auf der Rigi geht und entwickelt sich etwas. Trotzdem wehren sich die Leute. Damit habe ich Mühe.»

Die Meinungen über die Zukunft des Hausbergs gehen auf und um die Rigi also auseinander. Allerdings zeigen alle Parteien Gesprächsbereitschaft: Am 21. November werden sie sich an einen runden Tisch setzen und die Sachlage besprechen. Organisiert wird das Treffen von der IG Rigi, die sich für die Interessen der Eigentümer und Mieter einsetzt. Vielleicht verziehen sich die Wolken doch noch, bevor das Gewitter losbricht.

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