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TOURISMUS: Bürgenstock eckt mit Preispolitik an

Wenn die Bürgenstockbahn Ende August wieder in Betrieb geht, kostet ein Ticket doppelt so viel wie früher. Das sorgt für Empörung – und den Verdacht, Einheimische seien hier gar nicht willkommen.
Martina Odermatt
Ab dem 28. August wird die neue Bürgenstockbahn im Einsatz sein. Erst noch wurde sie nach Kehrsiten transportiert. (Bild: Nadia Schärli (12. Juni 2017))

Ab dem 28. August wird die neue Bürgenstockbahn im Einsatz sein. Erst noch wurde sie nach Kehrsiten transportiert. (Bild: Nadia Schärli (12. Juni 2017))

Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch

50 Franken soll es kosten, das Billett für die neue Bürgenstockbahn, die am 28. August wieder in Betrieb genommen wird (Ausgabe von gestern). Der Anfahrtsweg ab Luzern mit dem Schiff ist in diesem Preis noch nicht miteinberechnet. Das wurde am Mittwoch an einer Pressekonferenz der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees und dem Resort Bürgenstock bekannt gegeben. Ein happiger Betrag für die 929 Meter lange Strecke. Zum Vergleich: Die kaum kürzere Sonnenbergbahn in Kriens kostet retour 12 Franken. Mit seinem hohen Ticketpreis spielt das kleine Bürgen­stockbähnli in der Liga deutlich grösserer Bergbahnen. So können Touristen und Wanderfreunde etwa für 72 Franken auf die Rigi fahren. Die Rigi Bahnen AG äussert sich aber nicht zur Preispolitik am Bürgenstock. «Wir haben keine Kenntnis über den genauen Leistungsumfang des Angebots, über die Vergünstigungspolitik und schlussendlich über das Bahnerlebnis für den Gast. Daher wird der Preis von uns nicht kommentiert», sagt Roger Joss, Leiter Marketing und Verkauf sowie Mitglied der Geschäftsleitung.

Deutliche Worte findet dagegen Kantonsrat David Roth (SP). Er stiess sich bereits früher daran, dass sich der Kanton Luzern finanziell an der Entwicklung des Resorts beteiligte. Auch, weil auf dem Bürgenstock zu Beginn mehrheitlich ausländische Arbeitskräfte rekrutiert werden sollten. Für Roth ist der Preis für die Bahn «eindeutig zu hoch»: «Es kann doch nicht sein, dass das vom Staat unterstützte Boot die Touristen zur Talstation bringt – diese es sich dort aber kaum leisten können, die Bahn zu benützen.»

«Schon 25 Franken sind zu hoch»

Der Bürgenstock leiste damit dem Ansehen des Tourismus einen Bärendienst. Denn wenn die Angebote für Einheimische kaum noch erschwinglich seien, dann würde auch das Verständnis für den Tourismus nachlassen. «In der Bevölkerung wird das Gefühl entstehen, dass der Tourismus unsere Ausflugszielorte von uns Einheimischen abschotten will.» Ähnlich sieht dies Martin Stuber, Vize-Präsident von Pro Bahn Zentralschweiz: «Bereits 25 Franken mit Ermässigung sind zu hoch, von den 50 Franken Normaltarif ganz zu schweigen. Der Bürgenstock soll wohl vor allem exklusiv denjenigen vorbehalten sein, welche sich die Preise dort leisten können.»

Diesem Eindruck widerspricht das Resort allerdings, indem es ambitiöse Besucherzahlen kommuniziert: Aktuell geht es von jährlich bis zu 150 000 Tagestouristen aus. Noch vor zwei Jahren rechnete das Unternehmen mit 100 000 Touristen. Die Zuversichtlichkeit hat laut dem Medienverantwortlichen Raphael Amrein mehrere Gründe: «Das Interesse in der Öffentlichkeit ist riesig. Zudem haben wir bereits sehr viele Buchungsanfragen für Anlässe und Konferenzen bis 2020.» Den Ticketpreis begründet Amrein mit den hohen Investitionskosten: 20 Millionen Franken habe die Bahn inklusive Bergstation gekostet. «Der allergrösste Teil musste privat finanziert werden.» Auch der Betrieb werde komplett privat finanziert. Um die Bahn rentabel betreiben zu können, sei das Resort auf diese Preise angewiesen.

An der Medienorientierung vom Mittwoch kam auch Robert Herr, Direktor des Bürgenstock-Resorts, auf dieses Thema zu sprechen und erinnerte daran, dass sich der Kanton Nidwalden nicht am Betrieb der Standseilbahn beteiligt. Dies war jedoch auch vorher nicht der Fall. Trotzdem ersuchte das Resort vor ein paar Jahren um Mittel der öffentlichen Hand. Der Kanton Nidwalden wies dies damals jedoch zurück und begründete seinen Entscheid damit, dass auch andere touristische Angebote, wie etwa die Stanserhornbahn, nicht von der öffentlichen Hand profitieren könnten. Stattdessen investiere der Kanton massiv in den öffentlichen Verkehr. Wie der Kanton Luzern unterstützt im übrigen auch Nidwalden die neu entstandene Schiffsverbindung mit einem zinslosen Darlehen.

Vor der Stilllegung der Bürgenstockbahn im Jahr 2011 kostete die Fahrt viel weniger: Ohne Halbtax kam man für 26 Franken auf den Berg und wieder runter. Mit einem Halbtax kostete es 13 Franken, heute sind es 25. Mit dem Generalabonnement (GA) gelangte man gar kostenlos auf den Bürgenstock. Ab August wird das GA einem Halbtax gleich gestellt und man muss 25 Franken für Hin- und Rückweg bezahlen. Immerhin: Wer im Resort schläft, isst, einen Event besucht, den Spa benutzt oder ein Package bucht, fährt laut Raphael Amrein massiv reduziert oder sogar gratis. Die meisten Leute besässen zudem Halbtax- oder Generalabonnemente.

Eine Alternative zur Bergbahn bietet ab dem 1. Juli die massiv ausgebaute Postauto-Linie von Stansstad auf den Bürgenstock. Zu üblichen Preisen.

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