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TOURISMUS: Chinesen lieben die Rigi – und Pommes

Die Rigi verzeichnet Rekordfrequenzen von chinesischen Touristen. Doch weshalb ist der Berg bei ihnen so beliebt? Wir haben eine Reisegruppe begleitet.
Matthias Stadler
Auf dem Weg zurück von der Rigi nach Vitznau gibt es für diese chinesischen Touristen in der Zahnradbahn noch eine Portion Pommes frites mit Ketchup und Bratwurst. (Bild Roger Grütter)

Auf dem Weg zurück von der Rigi nach Vitznau gibt es für diese chinesischen Touristen in der Zahnradbahn noch eine Portion Pommes frites mit Ketchup und Bratwurst. (Bild Roger Grütter)

Asiatische Reisegruppe (Bild: Roger Grütter/Neue LZ)
Asiatische Reisegruppe (Bild: Roger Grütter/Neue LZ)
Asiatische Reisegruppe (Bild: Roger Grütter/Neue LZ)
Asiatische Reisegruppe (Bild: Roger Grütter/Neue LZ)
Asiatische Reisegruppe (Bild: Roger Grütter/Neue LZ)
Asiatische Reisegruppe (Bild: Roger Grütter/Neue LZ)
Asiatische Reisegruppe (Bild: Roger Grütter/Neue LZ)
Asiatische Reisegruppe (Bild: Roger Grütter/Neue LZ)
Asiatische Reisegruppe (Bild: Roger Grütter/Neue LZ)
Asiatische Reisegruppe (Bild: Roger Grütter/Neue LZ)
10 Bilder

Asiaten auf der Rigi

Matthias Stadler

Der Car verspäte sich, heisst es bei der Talstation um 10 Uhr. Erwartet wird eine Reisegruppe von 38 Chinesen, welche von Vitznau mit der Bahn auf die Rigi gelangen möchte. Es ist nicht die einzige Gruppe aus China, die an diesem Tag auf die Rigi fährt. Die Rigi-Bahnen verzeichneten in den ersten vier Monaten des Jahres rund 14-mal mehr Touristen aus Asien als in der Vorjahresperiode. Mit 15 000 Besuchern machten die Chinesen dabei die grösste Gruppe aus (wir berichteten).

Vitznau präsentiert sich derweil von seiner schönsten Seite: Die Sonne scheint, die Hitze beginnt. Und der Reisecar kommt doch noch, nur fährt er fünf Minuten zu spät vor, um die pünktlich abfahrende Rigi-Bahn zu erreichen. Pech gehabt – nun ist eine Stunde warten angesagt. Kein Problem für Kevin Li, Reiseleiter der Gruppe. Der 36-Jährige ist zu improvisieren gewohnt. Er informiert seine Schäfchen, welche sich sogleich daran machen, Vitznau zu entdecken.

Ein Raunen geht durch den Waggon

Kevin Li ist seit 15 Jahren Reiseleiter für chinesische Touristen. «Pro Jahr reise ich bis zu 20 Mal nach Europa, um Touristen zu begleiten», sagt er. Das Reisearrangement dauere dabei jeweils zehn Tage. Er war schon mehrere Male auf dem Pilatus und auf dem Titlis. «Auf der Rigi war ich bis jetzt fünf Mal. Und wenn das Wetter mitspielt, ist die Aussicht von der Rigi am besten.»

Alsbald ist die Wartestunde in Vitznau vorbei. Kevin trommelt seine Leute wieder zusammen und lotst sie in den richtigen Waggon. Einige Minuten später gehts los, die Bahn gewinnt schnell an Höhe. Ein paar hundert Höhenmeter weiter oben geht kurz darauf ein Raunen durch den Waggon: Der Vierwaldstättersee präsentiert sich für die chinesischen Fotografen von seiner schönsten Seite. Aber nicht nur die Gäste aus China zücken ihre Kameras, auch die Schweizer Tagestouristen sind von der Aussicht fasziniert.

Zehntägige Tour durch Europa

Die chinesischen Touristen stammen aus der 29-Millionen-Metropole Chongqing und sind während zehn Tagen in Europa. Als Erstes stand Paris auf dem dicht gedrängten Reiseprogramm. Den Eiffelturm erklimmen und die Mona Lisa bestaunen konnten sie allerdings nicht lange, Nancy in Lothringen wartete schon auf die Gruppe. Danach überquerten die Touristen die Grenze nach Deutschland, wo sie in Titisee übernachteten. Und von dort ging die Reise am frühen Morgen weiter nach Vitznau. Nach einer Nacht in Luzern wird der Car die Gruppe nach Mailand bringen, weiter geht es mit Venedig und Florenz. Letzte Destination wird in einigen Tagen schliesslich Rom sein, von wo aus die 38 Personen zurück nach China reisen werden.

Vom Wunsch zurückzukommen

Aber zurück in die Schweiz: Mittlerweile ist die Bahn mit den chinesischen Gästen auf 1800 Metern über Meer auf Rigi Kulm angekommen. Die Hitze im Tal ist einer angenehmen Sommertemperatur gewichen. Nach einer kurzen Information seitens des Reiseleiters schwärmen die Touristen aus, um die Rigi zu entdecken. Beim Sendemast auf der Bergspitze haben sich schon mehrere Dutzend Touristen eingefunden. Es wird Hindi gesprochen, Italienisch, Mandarin und Schweizerdeutsch. Einige Leute setzen sich in den vom Sendemast gespendeten Schatten und veranstalten ein kleines Picknick. Und es werden Fotos vom Panorama gemacht. Dabei sind erstaunlich wenige sogenannte Selfie-Sticks zu sehen.

Auch die chinesischen Gäste gesellen sich unter die Leute, schiessen Fotos von sich und ihren Familien und schwärmen von der Aussicht. Die 20-jährige Peggy Zhou weiss schon nach kurzer Zeit auf dem Gipfel: «Ich möchte nochmals hierhin kommen, einfach mit mehr Zeit. Es ist wunderschön hier, so nahe am Himmel.» Peggy ist mit ihrem Vater unterwegs, welcher die Befragung unserer Zeitung begeistert mit seiner Kamera festhält.

Ein Kartonteller mit Pommes frites

Nach einer Stunde Aufenthalt auf dem Berg versammelt sich die Gruppe bei der Bergstation, um wieder nach Vitznau zu gelangen. Bei einer Familie reichte die Zeit nicht ganz, um das Mittagessen vollständig zu konsumieren, weshalb blitzschnell ein Kartonteller organisiert wurde, um die Portion Pommes frites mit Bratwurst in der talwärts fahrenden Bahn zu Ende zu essen. Den Sohnemann freuts, vor allem die grosse Portion Ketchup scheint sein Interesse geweckt zu haben. Auch seine Familie greift herzhaft zu. Auf der Rückreise sind einige schläfrige Gesichter auszumachen, andere bleiben aber hellwach, sie wollen sich nichts entgehen lassen.

Am frühen Nachmittag ist der Besuch auf der Rigi für die Gäste bereits wieder Geschichte. Der Reisecar wartet, Reiseleiter Kevin verabschiedet sich. Nächster Halt: Luzern. Mindestens drei Personen wollen dort eine Uhr kaufen, sagt Kevin noch lachend.

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