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TOURISMUS: Er fordert eine Obergrenze für Touristen auf der Rigi

Erlebnisalp, Streichelzoo, ein historisches Schwizer Bergdörfli: Die Rigibahnen wollen den Berg in einen Erlebnisraum verwandeln. Anwohner wehren sich gegen den «Ausverkauf ihres Berges». An vorderster Front: René Stettler.
Christian Hodel
800 000 Touristen auf der Rigi sind genug, findet Kulturwissenschafter René Stettler. (Bild: Jakob Ineichen (Rigi Kaltbad, 18. Juli 2017))

800 000 Touristen auf der Rigi sind genug, findet Kulturwissenschafter René Stettler. (Bild: Jakob Ineichen (Rigi Kaltbad, 18. Juli 2017))

Christian Hodel

christian.hodel@luzernerzeitung.ch

Geplant sind Investitionen, dass den Einheimischen schwindlig wird. Die Verantwortlichen der Rigibahnen wollen die Königin der Berge dereinst in Etappen zu einer Themenwelt umfunktionieren – für insgesamt 50 bis 60 Millionen Franken. Angedacht sind unter anderem die Inszenierung eines historischen Schwizer Bergdörflis und einer Erlebnisalp, der Bau einer Baumhüttenwelt mit Übernachtungsmöglichkeiten und ein zehn Meter hoher begehbarer Turm in Form eines Tannzapfens (Ausgabe vom 8. April). Erlebnisraum Rigi nennen das die Verantwortlichen.

Disneyfizierung nennt es René Stettler (62). «Die Rigibahnen wollen den Berg schleichend in ein voralpines Disney World umbauen, in einen profitorientierten Konsum- und Erlebnispark.» Seit sechs Jahren wohnt der Kulturwissenschafter in einem Chalet auf Rigi Kaltbad. «Wie allen Bewohnern liegt mir der Berg am Herzen. Besonders die Generationen, die nach uns kommen, sind mir wichtig.» Was auf der Rigi geplant ist, sei gelinde gesagt, «skandalös».

«Informationen gibt es nur scheibchenweise»

Was Stettler ärgert, ist der Masterplan der Rigibahnen «zur nachhaltigen Positionierung des Erlebnisraums Rigi», wie es in der Unterzeile heisst. Mit keinem Wort werde im Papier – das die Zukunft des Tourismus auf der Rigi strategisch bestimmt – auf Umweltbelange eingegangen. «Es geht den Verantwortlichen einzig darum, auf der Rigi den ressourcenverschleissenden Massentourismus voranzutreiben.» Die vom Bundesrat gestützte Strategie zur nachhaltigen Entwicklung 2016–2019 kümmere sie überhaupt nicht. Zustimmung erhält Stettler von weiteren Einwohnern. Das Unternehmen sei nur am kurzfristigen Profit orientiert, heisst es etwa im Ort.

Tatsache ist: Seit 2012 haben die Rigibahnen die Einnahmen um 50 Prozent gesteigert. Wer Mitteilungen des Unternehmens liest, findet darin immer wieder dasselbe Wort: Rekord bei den Einnahmen, Rekord beim Gewinn, Rekord bei den Besucherzahlen. Und geht es nach Stefan Otz, CEO der Rigibahnen, führt der Weg weiter nach oben. Eine Million Touristen auf der Rigi seien denkbar, liess er gegenüber Medien verlauten. Aktuell befördern die Rigibahnen gut 780 000 Touristen jedes Jahr. Das ist genug, findet Stettler und plädiert für eine Obergrenze bei den Gästezahlen: «Ich fordere die ­Anpassung des Masterplans an ein nachhaltiges Tourismuskonzept, für das 800 000 Touristinnen und Touristen im Jahre die oberste Grenze sind.» So könnte die «CO2-Reduktion und Ressourceneffizienz als Massnahme gegen den Klimawandel in ein paar Jahren positive Resultate» zeigen, sagt er und fügt an: «Ich will, dass die Rigibahnen endlich den demokratischen und aktiven Dialog mit der Bevölkerung suchen.» Über die Pläne und den Ausbau der touristischen Angebote seien Betroffene zwar informiert worden, aber eine Diskussion habe nicht stattgefunden. «Informationen gibt es nur scheibchenweise.»

Rigi-Organisationen plädieren für einen runden Tisch

Zusammengefasst geht es Stettler bei seinen Anliegen um einen wichtigen Punkt: Wie gedenken die Rigibahnen, Umweltfragen und Wirtschaftsanliegen unter einen Hut zu bringen? Zentral sei, wie das Unternehmen zum Natur- und Umweltschutz stehe. Als Beispiel nennt er die Zermatt Bergbahnen AG. Anders als die Rigibahnen ist dieses Unternehmen ISO 14001 zertifiziert – eine weltweit anerkannte Auszeichnung. «Das heisst, dass die Zermatt Bergbahnen sich darin versuchen, Nachhaltigkeitsgrundsätzen nachzuleben.» Bis zu 1 Million Franken würden die Zermatt Bergbahnen jährlich in Umweltprojekte stecken – etwa Umweltschäden sanieren, so Stettler. Altlasten gibt es auch auf der Rigi. Unterhalb des Dorfplatzes auf Rigi Kaltbad sind Plastikabfälle, Blechdosen, Porzellanteller abseits der Touristenströme in einem Waldabschnitt noch sichtbar. Der Müll stammt aus der Epoche des Grand Hotels. «Ganze Kochherde hat man damals im Wald entsorgt.» Stettler, ein paar Freiwillige und der Verband Pro Rigi organisieren immer wieder Sammelaktionen, um den Berg vom Müll zu befreien. «Während wir das machen, bereiten die heutigen Verantwortlichen die nächste Runde des übermässigen Ressourcenverbrauchs und der damit zusammenhängenden Umweltbelastung vor.» Stettler verlangt von den Rigibahnen, dass sie sich wie andere Unternehmen in der Tourismusbranche im Umweltmanagement zertifizieren lassen und sich zum «Erhalt einer intakten Landschaft als Garant für eine erfolgreiche touristische Zukunft» bekennen.

Ob er mit seinen Forderungen nicht nur ein paar wenige Einwohner der Rigi erreicht, sondern auch die Verantwortlichen der Rigibahnen und der Rigi Plus AG, ist fraglich. Stettler ist das bewusst: «Solange nicht gegen geltende Gesetzesvorschriften verstossen wird, hat die Öffentlichkeit keinen Anhaltspunkt, die Politik der Rigibahnen zu verändern», sagt er. Sicher ist aber auch: Stettler wird für seine Anliegen kämpfen. Derzeit steht er in Kontakt mit der IG Rigi Kaltbad-First und der Vereinigung Pro Rigi. Auf Anfrage reagieren die Vertreter der Organisationen unterschiedlich auf René Stettlers Ideen.

«Was die Wachstumspläne betrifft, gibt es wohl bald physische Kapazitätsgrenzen, die man nicht weiter forcieren kann», sagt etwa Urs Galliker, Präsident der Vereinigung Pro Rigi. Den Masterplan empfinde er aber «als naturnah». Dass die Rigi einst zu einem Disneyland werde, befürchte er nicht. Für ihn sei klar, dass es nun einen runden Tisch mit den verschiedenen Vertretern brauche. Dies schlagen auch die Verantwortlichen der IG Rigi Kaltbad-First vor. Schriftlich teilen sie unter anderem mit: «Unsere Erfahrung ist, dass im Dialog mit den treibenden Organisationen vieles verbessert werden kann und wir so auch den Einbezug einer umfassenden Nachhaltigkeit in die Planung thematisieren können.»

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