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TOURISMUS: Erculiani: «Die Marke Luzern ist beschädigt»

Hotels melden regelmässig Rekordzahlen. Trotzdem sieht «National»-­Besitzer Umberto Erculiani schwarz für Luzern. Warum?
Rainer Rickenbach
Umberto Erculiani vor seinem Hotel National an der Haldenstrasse, wo derzeit gebaut wird.

Umberto Erculiani vor seinem Hotel National an der Haldenstrasse, wo derzeit gebaut wird.

Umberto Erculiani (47) wählt seine Worte mit Bedacht. Anders als es seine Angriffslust in den Medien vermuten lässt (Ausgabe vom Mittwoch), wirkt er im direkten Gespräch keineswegs wie ein verbaler Haudegen. Wenn er seine Kritik an der Tourismusstrategie in der Stadt Luzern anbringt, tut er das in einem ruhigen Ton, so, als würde er mit dem Küchenchef die von Routine geprägte Tagesplanung für kommende Woche durchgehen.

Vom Verwalter zum Hotelier

Am 1. Oktober steigt der hartnäckigste Kritiker der Luzerner Tourismusstrategie wieder selber ins Hotel-Tagesgeschäft ein. Dann übernimmt der gelernte Betriebswirt als Direktor den Hotelbetrieb im traditionsreichen «National» an der Haldenstrasse, das sein Vater 1978 gekauft hatte. Er präsidiert heute die Grand Hotel National AG, die sich der Immobilie mit Seelage annimmt. Dazu zählen 22 Residenzwohnungen, 6 Gastrobetriebe, Büros und die 41 verpachteten Hotelzimmer. In der Stadt wird oft abschätzig über das «National» geredet, weil unter der Führung der Erculianis mehr als die Hälfte der Hotelzimmer umgenutzt wurden. «Mein Vater musste diese Umnutzungen vornehmen. Sonst gäbe es hier vielleicht überhaupt keine Hotelzimmer mehr», rechtfertigt der älteste Sohn der Familie.

«Die Hotelzimmer bleiben»

Verlängerte die Besitzerfamilie den Vertrag mit der Pächtergesellschaft nicht mehr, um die verbliebenen Hotelzimmer auch noch in Residenzen oder Büros umzuwandeln? Gerade noch rechtzeitig, bevor die neue Bau- und Zonenordnung für die Hotelgebäude in der neuen Tourismuszone Umnutzungen stark erschwert? Erculiani winkt ab. «Nein, damit würden wir uns selbst schaden. Der Hotelteil ist das Herzstück unserer Familienfirma, er macht die Reputation aus. Die Hotelzimmer bleiben.»

Dass sich die noblen Hotelzimmer nicht mehr wie früher wie von selbst mit Gästen vornehmlich aus den USA, Deutschland und der Schweiz füllen, führt Erculiani weder auf das Produkt noch auf die Währungskrise zurück. Er macht das Umfeld dafür verantwortlich. Der Massentourismus mache die Destination kaputt, argwöhnt er. Viele solvente Luxushaus-Gäste würden deshalb einen Bogen um die Stadt machen. «Die Marke Luzern ist beschädigt.»

Nur: Im vergangenen Jahr übernachteten so viele Touristen wie noch nie zuvor in den Hotels der Stadt mit der angeblich beschädigten Marke. Auch die Fünfsternehäuser legten zu. In einer Zeit, in der die meisten anderen Tourismusregionen der Schweiz Jahr für Jahr dramatische Rückschläge hinnehmen müssen. Es kann folglich nicht alles falsch laufen. Erculiani: «Nein, das sage ich auch nicht. Doch die hohen Übernachtungszahlen täuschen darüber hinweg, dass der Luzerner Tourismus mehr auf Quantität als auf Qualität aus ist.»

«Verfehlte Vermarktung»

Der künftige «National»-Direktor macht eine fatale Entwicklung aus. ­Einige andere Hotels in der Fünfsterneklasse gäben bereits der Versuchung nach, ausserhalb der Saison weit unter Preis zu gehen – bis auf 150 Franken für eine Nacht im Doppelzimmer. «Darunter leiden alle andern Hotels in diesem Segment. Gerade in Zeiten von Internet-Hotelportalen darf man bei den Preisen keine Schwächen offenbaren», so Erculiani. Luzern müsse wieder mit Natur, Bergen und See in Verbindung gebracht werden. Und nicht Uhren- und Schmuckshopping in den Vordergrund rücken. Erculiani: «Gruppenreisen haben zwar ihren Platz in Luzern. Doch der Massentourismus darf nicht das Stadtbild dominieren, wie es heute der Fall ist.» Die Ursache für die «verfehlte Vermarktung» ortet Erculiani beim Verwaltungsrat der Luzern Tourismus AG (LTAG). Sie habe Uhrenhändler, Bäckereien und Souvenirläden an Bord geholt, und diese drohen seiner Einschätzung nach das Kerngeschäft mit den Hotels an den Rand zu drängen.

Neue Regeln für Luzern Tourismus

«Tourismus ist in Luzern ein ganz grosses Geschäft, seine Wertschöpfung wird auf 1 Milliarde Franken geschätzt. Daran wollen natürlich viele teilhaben. Doch es kann nicht sein, dass Uhrengeschäfte oder Bäckereien in der einzigen Tourismus-Vermarktungsorganisation der Region Luzern die Richtung vorgeben», kritisiert Erculiani.

Er möchte deshalb die internen Regeln bei Luzern Tourismus so ändern, dass die Hotels nicht nur als Aktionärsgruppe, sondern auch einzeln an der Generalversammlung Anträge stellen können. «Das böte die Chance, auf unsere Anliegen aufmerksam zu machen», sagt er. Solange diese Möglichkeit nicht besteht, wagt er den unüblichen Weg über die Öffentlichkeit – dass er sich damit in der Tourismusszene wenig Freunde macht, nimmt er in Kauf.

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