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TOURISMUS: Kampf um chinesische Skigäste

In Luzern und auf der Rigi sind chinesische Gäste bereits wichtige Kunden. Nun sollen sie auch die Skipisten erobern. Der Tourismusexperte bremst aber die Euphorie.
Guy Studer
In Zentralschweizer Skigebieten sind chinesische Skifahrer ein potenzieller Wachstumsmarkt (Symbolbild) (Bild: Archiv Neue LZ)

In Zentralschweizer Skigebieten sind chinesische Skifahrer ein potenzieller Wachstumsmarkt (Symbolbild) (Bild: Archiv Neue LZ)

Guy Studer

Aus dem Luzerner Stadtbild sind sie nicht mehr wegzudenken – die Touristen aus China. Auch auf der Rigi sind die Gästezahlen aus dem Reich der Mitte in den letzten Jahren explosionsartig angestiegen (unsere Zeitung hat berichtet). Und in Engelberg bekennt man sich klar zum chinesischen Skilehrer, auch wenn dieser in den ersten zwei Jahren nicht ausgelastet war. «Wir werden auch diese Saison und in Zukunft einen chinesischen Skilehrer und Gästebetreuer engagieren», sagt Peter Reinle, Leiter Marketing der Titlis-Bergbahnen (Ausgabe von gestern).

Winterspiele machen Hoffnung

In Engelberg hat man denn auch einen lukrativen Markt vor Augen: Die Chinesen, die bereits heute auf den Titlis fahren, sollen künftig auch als Wintergäste in die Ferien kommen. Einiges spricht dafür: Mit den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking wird ein Wintersport-Boom im Reich der Mitte erwartet. Schweiz Tourismus rechnet dannzumal mit 400 000 Logiernächten von Chinesen in der Wintersaison landesweit. Letzte Wintersaison waren es noch 187 500 Logiernächte.

Massiv mehr Wintergäste verzeichnen auch Weggis und Vitznau. Im Januar 2015 zählten die Seegemeinden knapp 600 Logiernächte von Chinesen. Im Januar 2010 waren es gerade einmal 18. «Auch im Winter kommen die Chinesen auf die Rigi, um die Aussicht zu bestaunen und Fotos zu machen», sagt Roger Joss, Leiter Verkauf und Marketing der Rigi-Bahnen, auf Anfrage. «Dazu kommt natürlich das Schnee-Erlebnis. Gerade Gäste aus dem südlichen China kennen das nicht von zu Hause.» Im Gegensatz zu Engelberg spiele Skifahren bei diesen Gästen aber keine Rolle.

Auch im Winter «Klischeetouristen»

Auch Urs Wagenseil vom Institut für Tourismuswirtschaft an der Hochschule Luzern bremst die Erwartungen an Chinesen auf schnellen Brettern: «Der Wintersport ist in Bezug auf China noch kein Massenmarkt», stellt er klar. Und dies werde sich auch nicht so schnell ändern. Zwar sind die Übernachtungszahlen in der Region auch im Winter schon beachtlich: So verzeichnete die Region Luzern/Vierwaldstättersee im Januar 2010 noch 3932 Logiernächte von Chinesen. Im selben Monat 2015 waren es bereits 9652. Doch auch diese Wintergäste sind gemäss Wagenseil primär «Klischeetouristen». Was er damit meint: «Primär geht es ihnen um Sightseeing. Sie kommen auch im Winter wegen der Kernangebote wie See, Berge oder Kapellbrücke.» Der Winter sei ganz einfach günstiger als die Hochsaison im Sommer.

Skisport in China im Aufbau

Dass die Chinesen dereinst im grösseren Stil an den Skiliften Schlange stehen, ist gemäss Wagenseil aber durchaus denkbar: «In China werden derzeit Skigebiete geplant und gebaut. Man ist daran, im Ausland das nötige Know-how zu holen.» Doch das Ganze sei noch im Aufbau. «Wenn die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking gut gelingen, können sie sicher einen Boom auslösen, der auch zu uns überschwappt. Aber wir reden hier von einem Zeithorizont von mindestens zehn Jahren.» Erst müssten die Chinesen das Skifahren im eigenen Land entdecken. Danach glaubt Wagenseil an einen Markt mit Chinesen, die es sich leisten können, einmal im Ausland Skiferien zu machen. «Und hier sind wir im Wettbewerb mit Wintersportorten anderer Alpenländer, Nordamerika oder Argentinien.» Es würden nur die grossen und renommierten Skisportorte mitspielen können. In der Zentralschweiz denkt Wagenseil etwa an Engelberg, allenfalls an Andermatt. «Je nachdem, wie sich das Sawiris-Resort entwickelt.»

Chinesen sitzen nicht vor Cheminée

Klar ist für Wagenseil, dass sich die Wintersportorte bei diesem Markt auf andere Bedürfnisse einstellen müssen. «Wenn schlechtes Wetter nicht auf die Pisten lockt, werden Chinesen wohl nicht einfach vor dem Cheminéefeuer sitzen wollen.» Dazu sei die Reise zu lang, die Zeit hier zu kostbar. «Ausflüge in nahe gelegene Städte wie Luzern oder Zürich sind denkbar.» Dazu müssten die Wintersportorte flexible Angebote bereithalten.

Dass die kleineren Skigebiete im Kampf um chinesische Gäste nicht mittun, bestätigt auch ein Blick nach Sörenberg: «Gar keine Rolle» spielen dort Chinesen auf den Skipisten, wie Tourismusdirektorin Carolina Rüegg direkt sagt. Zwar sei in Sörenberg ein Ableger der Hotelfachschule HTMI beheimatet, die von vielen Chinesen besucht werde. «Diese haben wir auch schon mit einer Aktion auf die Ski zu bringen versucht.» Doch der Erfolg sei bescheiden geblieben. Auch der Anteil an chinesischen Gästen im Winter sei verschwindend klein. Rüegg sagt offen: «Wir bewerben bei den Chinesen vor allem den Sommer.» Werbung für die Wintersaison sei derzeit kein Thema. «Dafür ist der chinesische Markt schlicht zu gross und die Bewerbung zu aufwendig für eine kleine Destination wie Sörenberg.» Würde aber beispielsweise Schweiz Tourismus eine Marketingaktion starten, «dann wären wir sicher auch dabei», so Rüegg. Auch auf der Rigi ist künftig keine Kursänderung geplant: «Die Rigi ist in erster Linie ein Wintererholungs- und Wanderberg, egal für welchen Markt», sagt Roger Joss. Deshalb gäbe es auch keinerlei Bestrebungen, chinesische Skigäste anzulocken.

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